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Garish: bewegend, berührend, erdrückend!

Garish: bewegend, berührend, erdrückend!

„Komm Schwarzer Kater“ heißt die aktuell wohl am kontroversesten diskutierte Platte abseits von Bilderbuch, wenn es um heimische Pop-Kost geht. Dafür verantwortlich: Garish. Die präsentierten am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit Little Big Sea ihr mittlerweile siebtes Album im Linzer Posthof. Eines haben Garish in all den Jahren nicht verlernt: das Publikum so schön zu umgarnen, wie es nur wenige können.

Die Bandgeschichte von Garish ist mittlerweile eine bewegte. Aus dem Burgenland machten sie sich vor 20 Jahren auf, um die Bühnen dieser Welt – oder zumindest der deutschsprachigen Welt – zu erobern. Frontmann Thomas Jarmer und Co tun genau das – auch nachdem Bruder Christoph an der Lead-Gitarre 2015, ein Jahr nach „Trumpf“,  die Band verlassen hat und es mittlerweile auch um sein Soloprojekt „Esteban’s“ ruhig geworden ist. hat. Mit Album Nummer sieben, „Komm Schwarzer Kater“, sind Garish (besser denn je?) zurück. Ein großartiges Konzert gab es auch am vergangenen Donnerstag im Posthof zu hören, mit nur einem Manko.

Das hat leider den Support betroffen. Little Big Sea aus Wien. Was FM4 als „wunderbar hypnotisierdend-düsteren Dream-Pop“ bezeichnet, konnte leider am Donnerstag im Posthof nicht überzeugen. Was live auf der Platte „Sister“ noch relativ annehmbar nach zeitgenössischem Dream-Pop klingt, schien das Publikum am vergangenen Donnerstag während der halbstündigen Performance mehr zu langweiligen als zu begeistern. Der Applaus? Verhalten, um es wohlwollend auszudrücken. Sorry, liebe Little Big Sea, ihr könntet so viel mehr, wie Tracks wie „5 Days, 5 Years“ und „Philadelphia“ eigentlich zeigen. Macht was draus – dann würden die Leute auch nicht lieber an der Bar vor dem Saal ihre Zeit verbringen.

Little Big Sea konnten das Posthof-Publikum leider nicht überzeugen

Dann aber zum Hauptact, Garish. Es schaffen auch 2017 nicht viele Acts, so schön mit der deutschen Sprache zu spielen, wie es das Quartett vermag. Bereits beim Opener „Unter Strom“ ist sie wieder da, diese intime, aber trotzdem vorhandene Atmosphäre, die mich bereits 2010 bei meinem Garish-Einstieg mit „Wenn dir das meine Liebe nicht beweist“ gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Weiter gehts mit „Pandoras Box & ein Getränk“ und dem Titeltrack, „Komm Schwarzer Kater“. Drei Tracks von der neuen Platte, die bekannte Garish-Muster verlässt. Textlich öfters mit Wiederholungen arbeitet die Platte, sie ist erdrückender als Vergangenes, wie danach „Die Perspektive“ als krasser Kontrast beweist. Natürlich sind es auch bekannte Tracks wie „Dann fass ich mir ein Herz“, „Spuk“, „Wenn Dir das meine Liebe nicht beweist“ (der Track zu dem Album, an das wohl kein Garish-Album mehr herankommen wird), weswegen die Leute nicht nur, aber vor allem auch gekommen waren. Songs wie das großartige chansonartige „Apollo“ (ja, die Little-Big-Sea-Frontfrau Marlene kann richtig gut singen!)  und der „Menschenfresserwalzer“ von der neuen Platte fügen sich aber nahtlos in ein ausgewogenes Konzert ein, die nie überladen, aber immer präsent, drückend und sehnsuchtserweckend wirkt. Ja, Garish sind seit „Trumpf“ wieder lauter geworden. Ja, man kann, muss aber die neue Platte nicht mögen. Ja, Garish polarisieren und sind nix für Anspruchslose. Ja, man könnte darüber streiten, ob denn Garish mit „Komm Schwarzer Kater“ in die richtige Richtung gehen.

„Komm Schwarzer Kater“: Garish begeisterten im Posthof Linz!

Man könnte das Konzert vor gut 300 Leuten aber auch eher als das sehen, was es wirklich war: großartig, bewegend, berührend. Gerade wenn man sich die Vergangenheit der Band zu Gemüte führt, ist es umso schöner, dass es diese Insitution noch immer gibt. Und spätestens bei „Eisenherz“ sind alle wieder glücklich, bevor mit den Zugaben „Unglück trägt denselben Namen“, „Ganz Paris“ und dem unvermeidlichen „Junge Römer“ ein Konzert beendet wird, das zumindest für mich heuer nur schwer zu toppen sein wird!

Alle Fotos: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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