Zum zweiten Mal nach 2016 machten die Münchner Alternative-Rocker von Blackout Problems Halt in Österreich. Am Freitagabend in Linz konnte man als Musiknerd gleich doppelt auf seine Kosten kommen. Erstens, weil man Blackout Problems wohl nie wieder so „intim“ werden kann wie auf diesem Konzert im Linzer Posthof, und zweitens, weil ein angenommener Heiratsantrag auf einem Konzert dann doch immer in Erinnerung bleibt.

Die Ausgangslage? Überraschend, sind Blackout Problems doch spätestens seit „Holy“ zumindest in der Heimat längst kein Geheimtipp mehr – umso erstaunlicher, als dass sich doch nur gut 25 unerschrockene Fans im Posthof eingefunden haben. Auch der Support wurde quasi Last-Minute gebucht – die Stereo Bullets aus Amstetten entpuppten sich allerdings nicht als musikalische Restebörse, sondern als durchaus hörenswerte Pop-Punk-Band. Auch wenn der eine oder andere Ton noch mal überarbeitet gehört – hier scheint eine ambitionierte Truppe am Werk, auf deren kommendes Album, das in den nächsten Monaten erscheint, man sich getrost schon freuen kann. Amstetten hätte es verdient, wieder mal durch Positives in die Schlagzeilen zu kommen. Die Stereo Bullets wären da doch eine gute Gelegenheit.

Danach aber zur musikalischen Urgewalt dieses Abends, den Münchner Alternative-Rockern von Blackout Problems. Meine Herren, gehen die live ab. Seit 2012 schreddern sich Mario Radetzky, Marcus Schwarzbach, Michael Dreilich und Moritz Hammrich durch die deutschsprachige Alternative-Szene. In Deutschland vor vollen Hallen, gelten sie hierzulande (warum auch immer) noch als Geheimtipp. „The City Won’t Sleep Tonight“ ist hier nicht nur der Name der aktuell wohl bekanntesten Single, die auch zum Abschluss nach gut 75 Minuten gespielt wurde, nein, sie ist vielmehr Programm im Repertoire einer Band, die live wohl zu den intensivsten Erlebnissen zählt, die man sich gönnen kann. Live wird sich durch die Discographie, die mittlerweile zwei EPS (Twentyfourseven, Gods) sowie das eben im Vorjahr erschienene „Holy“ gespielt. Egal ob „Poets of Protest“ – könnte man den Titel sogar autobiographisch sehen? – oder ob gegen Felix Baumgartner und Co aufgestanden wird, die Blackout Problems vertreten ihre Meinung. Eine Mischung aus Alternative und Postrock, der nur einmal kurz still ist: als der im Saal anwesende Patrick seiner schwangeren Verlobten den Heiratsantrag macht. Für mich war das Antrag Nummer zwei im Posthof. Angesichts dessen, dass Antrag Nummer Eins vor ein paar Jahren bei den „Vamummtn“ gewesen ist, ein klarer musikalischer Fortschritt. Man kann nie früh genug damit anfangen, den Nachwuchs musikalisch zu konditionieren. Gute Wahl also, lieber Patrick, den oder die Ungeborene/n auf ein Blackout Problems-Konzert mitzunehmen!

Fotos: Christoph Thorwartl (Christoph Thorwartl Photography / untere Gallerie) , Andreas Wörister (Slih’s Photography / obere Gallerie)

 

 

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