Now Reading:

THE XX: Sehen und gesehen werden

THE XX: Sehen und gesehen werden

Ein Blick aufs Cover sorgte heuer für Sicherheit im Sturm der Erneuerungen. Die Engländer von The xx halten ihre Werte hoch und die Songs sind immer noch groß genug im Kleinen. Ja, auch diese Platte wird mit jedem Durchgang präsenter, wie der Autor dieser Zeilen nun nach Wochen selbst feststellt. Zwischen „frisch verliebt“, „melancholisch sehnend“ und „unglücklich getrennt“, flüstern sich Oliver Sim und Romy Madley-Croft zum wiederholten Male, wenn auch selbstsicherer, tröstende Worte ins Ohr. Der Dialog der Gefühle, der ist geblieben. Sie schmiegen sich eng einander wie zwei Tänzer in einem Ballsaal. Nur wer liebt, lebt auch.

Es gibt sie nicht häufig, diese Platten, bei denen man sich vom ersten Augenblick bestens aufgehoben fühlt. The xx gelingt dies nun zum dritten Mal. Sie sind 2017 wieder da. So richtig. Wer sich eine stilistische Rückkehr zum Debüt erhofft hatte, wird vielleicht enttäuscht von dannen ziehen. Die etablierteste aller etablierten Hipster-Bands der 00er Jahre entscheidet sich auf „I See You“ für einen leichten Neustart. Die Platte versucht sich an Leichtigkeit und Pop. Mehr denn je und selbstbewusst wie nie zuvor. Die Schüchternheit der Musiker ist nicht vollkommen abgelegt, aber sie hält sich spürbar in Grenzen. Es war wohl dringend notwendig. Nicht alle Fans finden diese Entwicklung gut. Das Frohlocken der Bandmitglieder spürt man trotzdem an allen Ecken und Enden und ist auch live zu sehen. The xx spielten vor kurzer Zeit in der ausverkauften Wiener Marx Halle ein sensationelles Konzert und man konnte miterleben, wie gut das Trio miteinander harmoniert.

Bei aller Fragilität, die Songs wie „Brave For You“, „Performance“ oder „Replica“ ausstrahlen, sind es doch eher Lieder wie „Dangerous“, „On Hold“, „I Dare You“ oder „Say Something Loving“, die das Tempo leicht anziehen und den entscheidenden Ton angeben. Die elektronischen Rhythmen, House-Beats und Loops von Jamie xx verzieren und sekundieren die reduzierten Klangkulissen auf den Punkt. Was den Inhalt anbelangt, dreht sich dieser abermals um das Hin und Her in guten wie in schlechten Zeiten einer Beziehung, um partnerschaftliche Fesseln, die uns manchmal einengen, ohne die wir aber auch nicht können. Zärtliche Lieder für den Kloß im Hals eben.

The xx wollen beweglich bleiben und suchen neue Ausdrucksmöglichkeiten im Detail. Sie klingen dynamischer, beweglicher, körperlicher, was das Songwriting anbelangt. „I See You“ strahlt Optimismus aus, mehr als jemals zuvor, um den Weltschmerz genießbar zu machen. Sie geben sich erneut reichlich Mühe, ihre Klangkulissen so hübsch herzurichten, dass man darin gleich wohnhaft werden möchte. Kalifornisch gebräunt und sonnengeküsst. Ein Album wie ein Versprechen, dass das Glück tatsächlich und trotz aller Widrigkeiten auf einen wartet. You’ll never walk alone.

Tracklist:
1. Dangerous
2. Say Something Loving
3. Lips
4. A Violent Noise
5. Performance
6. Replica
7. Brave For You
8. On Hold
9. I Dare You
10. Test Me

Facebook – Website

Share This Articles
Written by

Instigator. Mind reader. Fortuneteller. Everday hero. Charmer. Writer. Editor. Music lover. Film enthusiast. Aesthete.

Suchbegriff hier eingeben und mit Enter bestätigen