Einer der ganz großen Poeten des deutschsprachigen Raps und Wegbereiter für den kommerziellen Erfolg von HipHop, Samy Deluxe mit seiner DLX Band, gastierte am 2.Mai im Linzer Posthof und zeigte, dass er auch nach mehr als 16 Jahren noch immer etwas zu sagen hat.

Support kam von Laurin Buser, der mir und vermutlich den meisten Anwesenden trotz Umtriebigkeit und Facettenreichtums ein Unbekannter war. Wohl eher kennt man den Baseler in der Poetry Slam-Szene oder auch als Schauspieler, was nach später Recherche für einen Aha-Moment sorgte. Flow und vor allem die Einlage zu Beginn seines Sets ließen darauf schließen.

Locker, poppig, aber keineswegs stumpfer Rap, der mit viel Liebe im lyrischen Detail daherkommt, wurde hier geboten und hat definitiv Lust auf die im Mai zu erwartende EP „Schmuck“ gemacht. Hier stimmt alles. Würden die futuristisch arrangierten Beats noch mit live Instrumentals adaptiert werden, würde ich meinen, eine erwachsene Version der hoch geschätzten Gießener OK KID mit etwas mehr Rapaffinität entdeckt zu haben. Props.

Weg mit der Skinny Jean, rein in Southpole und Basketball Kappen auf. Befindet sich die neue Generation an HipHop Kids irgendwo zwischen Tramadoltabletten-, Mutterficker- und Spaßrap noch in der Selbstfindungsphase, ist das Publikum eines Samy Deluxe optisch als auch dem Anspruch an HipHop ganz klar zu kategorisieren. Das sollte für die meisten der Anwesenden ein nostalgischer Abend werden.

Der Saal ist mit rund 400 Menschen gut gefüllt als Herr Deluxe aka. Samsemilia, aka. Wickeda MC, aka. Herr Sorge wortgewandt loslegt. Die Hände gehen nach oben und da bleiben sie auch. Zumindest bei den Hits. Aber dazu später mehr.

Es ist ein Ritt durch mehr als 16 Jahre deutsche bzw. Hamburger Rapgeschichte. Von den ganz großen Hits a la „Weck mich auf“ bis hin zu „Haus am Mehr“ aus dem neuen Album „Berühmte Letzte Worte“ lässt Herr Deluxe nichts aus. Seine Art zu rappen – erfrischend abwechslungsreich wie immer. Von Tiefenentspanntheit, arrogantem Battle Rap bis hin zu seiner Spezialität in Doubletime zu rappen. Das kann er und überzeugt lyrisch als auch technisch auf voller Länge. Die alten Hits funktionieren, bei Neuem will der Funke gefühlt nicht so recht überspringen, obwohl auch das neue Album durchaus überzeugt, wenngleich es keinerlei Innovationen mit sich bringt und auf eben Altbewährtes setzt.

Das Samy Deluxe der coolste und bekiffteste Rapper Deutschlands ist, wissen wir und wurde auch an diesem Abend mehr als einmal stark betont. Wurde schon erwähnt, dass mit dem Wiener Rapper Appletree ein Song übers Kiffen gemacht wurde? Nein? J,a hat er!

Dazwischen wurde noch etwas in der HipHop für Einsteiger-Trickkiste gegraben, bisschen Breakdance hier, bisschen Beatbox da und ein paar Hände wollte man auch zwischendurch sehen. Gekrönt wurde das Spektakel mit einem Backup MC, der sich im Bewegungsablauf eher an der oben beschriebenen HipHop-Fraktion bedient hat und vergessen hat, sein Mikrophon zu verwenden.

Was bleibt, ist der Eindruck eines etwas verstaubten Giganten der Szene, dem man immer noch gerne zuhört und dessen teils auch politische Message noch heute von Relevanz ist. Die Zeit des Herrn Deluxe ist definitiv noch nicht abgelaufen, jedoch schreit diese nach Neuem. Altbewährtes muss nicht immer neu gemacht werden, doch verträgt es einen Hauch an Innovation und etwas Frische.

Foto: Christoph Thorwartl, Florian Lichtenberger

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