Nach der Debut-EP ‚Blood Sugar’ kommt nun endlich ‚Wealth’. Die Rede ist vom Elektropop-Duo, bestehend aus Tobias Koett und Marco Kleebauer a.k.a. Ant Antic. Ich halte die Einleitung so kurz, wie sie jetzt ist, weil es zu diesem Album sehr viel zu sagen gibt.

Der Opener „Mantis“ zeigt sofort die Gangrichtung des Albums an – fette Syntharrangements versetzt mit der gebotenen Menge an Bass und geführt von Tobias Koetts druckvoller und doch fragiler Stimme, die ihre Wege durch die Songs auch manchmal abseits der gewohnten Pop-Harmonien findet.

Mit „Animalism“, dem zweiten Song des Albums, kommt etwas mehr Tempo ins Spiel und der Groove wird von Atemgeräusch-Samples aufgewertet – was in seiner Beschreibung eigenartig klingt, überrascht positiv im Klangspektrum des Songs. Der Verse lässt genügend Raum für eine starke Vokallinie, die sich innerhalb dessen immer mehr aufbaut und auch von Verse zu Verse irgendwie aggressiver oder zumindest intensiver wird.

„Yen“ bietet eine gute Gelegenheit, einmal auf rhythmische Elemente zu hören und sich einmal auf der Zunge zergehen zu lassen, welch grandioses Universum uns Ant Antic hier hinlegen. Bei jedem Mal Zuhören findet man wieder kleine, fast versteckte Elemente, durch kurze Samples, Tremolos und Cutoff-Spielchen verändert sich der Song ständig und bleibt – beinahe unbemerkt – extrem spannend.

Einen ersten Höhepunkt des Albums bildet „4Pole“. Der Song hat einen unheimlich stacheligen Aufbau und je lauter man die Nummer hört, desto geiler wird sie. Im Refrain fetzen die Bässe, aber nicht hirnlos und bloß damit es bassig wird, sondern auch mit einer gewissen harmonischen Finesse. Getragen wieder von Tobias am Mikrofon, dessen gesangliche Aggressivität unterstützt durch Effekte werden, welche seine Stimme beinahe übersteuernd präsentieren und den Charakter des Songs nochmals unterstreichen. Wer Ant Antic verfolgt, kennt die nächsten beiden Songs – ‚Juggernaut’ als die erste Singleauskopplung dieses Albums und ‚Blood Sugar’ als Titeltrack der Debut-EP.

Ein nächster Höhepunkt: ‚Take’ – eine fragile Soundkulisse als Intro, gefolgt von rhythmisch ansprechenden Arrangements und gesanglich anspruchsvoller Linie. ‚Vacate’ und ‚Histamine’ sind ebenso bereits auf der EP zu hören, wobei meines Erachtens mit ‚Vacate’ ein großartiger Song geschaffen ist, dessen Stimmung sehr zum Ausspannen und ‚Hineinlegen’ einlädt (auch wenn das cheesy klingt und bei jeder Art von Musik schnell einmal zutrifft). Etwas schade ist, dass diese Art von Stimmung auf ‚Wealth’ mit diesem Song etwas alleine dasteht und nicht noch einmal aufgegriffen wird.

Bei ‚Ember’ spielt sich zu Beginn so einiges ab, ein synth-rhythmisches Verwirrspiel oder so etwas Ähnliches lässt den Song starten und es macht Spaß zuzuhören. Im Refrain präsentiert sich die Stimme von Sänger Tobias von der fragilen Seite und entfaltet sich anders als bisher am Album.

Einige lobende Worte möchte ich am Ende dieses etwas lang gewordenen Reviews noch dem Artwork von ‚Wealth’ widmen. Davide Gallo (KSVH.) ist dafür verantwortlich. Die Komposition von zwei sich umschlingenden (und womöglich sich liebender) Personen im Positiv und Negativ ist ein wahrer Blickfang und zeigt auf den ersten Blick und oberflächlich betrachtet gar nicht das, was es vermutlich darstellt. Ich finde, das Artwork passt wunderbar zu ‚Wealth’, das irgendwie auch den Titel unterstreicht oder befüllt ohne ihn konkret zu definieren.

Abschließend bleibt nicht viel zu sagen –‚Wealth’ ist ein wunderbares Machwerk und bietet unheimlich viele schöne Facetten, aber am ersten Blick auch einige sich stoßende Elemente, ist sehr verzweigt, kommt nicht zur Ruhe und hat unglaublich viel Kraft. Wer dieses Album plant nur einmal anzuhören, sollte es vielleicht bleiben lassen, denn dabei erschließen sich viele Facetten seiner Essenz noch nicht.

Ant Antic LIVE:

21.06.17 / WIEN B72
23.06.17 / VÖCKLABRUCK OKH
24.06.17 / GRAZ Augartenfest
27.06.17 / BERLIN Kantine am Berghain

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