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Southside 2017: no more rain!

Southside 2017: no more rain!

Das Southside Festival 2017 stand dieses Jahr unter einem besseren Stern als in den Jahren zuvor: zumindest blieb der Regen aus. Green Day, Linkin Park und Casper hatten sich als Headliner angesagt – aber auch der Rest des Lineups bot einige Höhepunkte, sowie leider auch einige musikalische Brechmittel.

Freitag

Freitag, der erste Festivaltag, nachdem am Anreisetag schon mal ordentlich Party gemacht wurde. Anreise- und staubedingt kamen wir leider erst zu DEM ersten Act rechtzeitig aufs Festivalgelände. Passenger. Dan Rosenberg a.k.a. Passenger bewies, dass er nicht nur mit seinem One-Hit-Wonder „Let Her Go“ – das mittlerweile 1,1 Milliarden (!) Klicks auf Youtube hat – überzeugen kann. Der ehemalige Straßenmusikant versteht es auch 2017 noch, die Masse zu begeistern. Weiter ging es an der Green Stage, der Hauptbühne, danach mit einer der größten Überraschungen des Festvials. Seasick Steve. Als der 66jährige mit einer Flasche Rotwein bewaffnet die Bühne entert, ahnt man noch nicht, was man gleich geboten bekommt. Blues-Rock, eine kleine Einführung, was Vinyl eigentlich ist, und eine Glückliche on Stage. Sich so einen Act auf die Hauptbühne zu stellen: Hut ab, Southside Festival! „Dog House Music“ bezeichnet Steve seine Musik selbst – Waschbretter und Bierdosen werden hier kurzerhand zu Gitarren umgebaut. Gerne öfters! Danach hatte man die Qual der Wahl: Jennifer Rostock? 257ers? Waren sicher beide super – ich entschied mich dann aber doch für Laura Pergolizzi alias LP. Mit „Lost on You“ hat die Künstlerin einen Superhit am Start – doch auch der Rest der Platte kann sich hören lassen. Jennifer Rostock waren sicherlich geil wie immer, die 257ers auch – doch das unglaublich gute Stimmorgan von LP hat es uns dann doch angetan. Ein Geheimtipp auf diesem Festival, dem – wohl angesichts des sonstigen Lineups – leider nicht ganz so viele Leute gefolgt sind.

Danach kam es für uns Österreicher zu einem Heimspiel. Bilderbuch standen auf der Blue Stage auf der Bühne, und entführten in ihren Magic Life-Club. Das mittlerweile vierte Full-Length-Album der Band (ja, es gibt auch vor Schick Schock schon zwei Veröffentlichungen!) ist eingeschlagen wie die sprichwörtliche musikalische Bombe. Maurice Ernst und Co sorgen für Stimmung vor der Bühne, die man so von einem österreichischen Act schon lange nicht mehr gesehen hat. Egal ob „Softdrink“, „OM“ und Co – das Publikum zeigt sich textsicher, die gelben Handschuhe haben bei „Maschin“ noch immer nichts von ihrer Magie verloren, und die Leute hängen förmlich an den Lippen der Band. Ein ganz starker „Auswärtsauftritt““.  Einen starken Auftritt legte auch eine Band hin, der man das vielleicht gar nicht mehr zugetraut hat: Mando Diao. Den Schweden geht es, wie uns Frontmann und Rampensau Björn Dixgard im Interview verraten hat, wieder mehr um Spaß als etwa auf der – unverständlicherweise gefloppten – letzten Album „Aelita“. Als sie ihren 2006er-Hit „Down in The Past“ zu Beginn ihres Sets zum Besten geben, weiß man, wohin die Reise führt. Es scheint auch nach dem Abgang von Gustav weiterzugehen – zumindest kann man Dixgard nicht vorwerfen, live nichts zu bieten zu haben. Auch das neue „Good Times“ kommt gut an, der All-Time-Hit „Dance with Somebody“ wird knappe zehn Minuten lang zelebriert, und am Ende hat man das Gefühl, die letzte Stunde sehr gut investiert zu haben.

Nichts falsch machen kann man auch mit Wolfmother. Stilistisch doch ein arger Bruch zu den zwei von uns vorher gesehenen Bands, wissen Andrew Stockdale und Co, wie man anständigen Stoner Rock mit Alternative-Elementen vermischt. „Victorious“ heißt die aktuelle, im letzten Jahr erschienene Platte. Eine Platte, die als Synonym für die Australier stehen könnte – keine andere Band schafft den Sprung zwischen Alternative und Stoner so eindrucksvoll. Wenn wir schon bei eindrucksvoll sind: Die Antwoord sind das auf alle Fälle. Auch 2017 sind ¥o-Landi Vi$$er und Watkin Tudor Jones alias Ninja das abgefahrenste, was sich auf der elektronischen Musikbühne bewegt. Abwechslungsreiche Bühnenshow, vom Pikachu-Kostüm bis zur Pyro alles vertreten, mit „Ugly Boy“, „I Fink U Freaky“ und co alle Hymnen vertreten, die Stimmung auf Abriss. Ja, Die Antwoord waren wohl sowas wie der heimliche Headliner des Festivals. Fotos waren dummerweise keine erlaubt – stellt euch einfach eine Abrissparty vor, dann seid ihr gut dabei!

Nach kurzen Abstechern zu Of Mice And Men, die das Zelt abrissen, und den überraschend starken Alt-J, ging es dann auch zum Headliner des Abends. Casper. Wobei, kurz noch zu Alt-J: die hatten die wohl beste Lichtshow des Festivals mit. Die Band aus Leeds weiß, wie man sich richtig inszeniert. Mit „An Awesome Wave“ 2012 eingeschlagen wie eine Bombe, haben sich Joe Newman und seine Band auch mit den Nachfolgern im Indie-Olymp eingenistet. „Every Other Freckle“ ist zu einer Festivalhymne geworden, und Alt-J lieferten eine Performance ab, die auch Kritiker wie mich überzeugten. Aber weiter zu Casper: dessen Release „Land Lebe der Tod“ hat sich ja in den September verschoben – so gab es hier am Southside Festival zwar einige Kostproben, aber dann halt doch keine komplett neue Show zu bewundern. Wobei, doch: bei der neuen Auskopplung „Sirenen“ fliegt Casper durch die Luft, es klingt martialischer als noch die Vorgänger. Man darf auf die Platte selbst gespannt sein! Der Rest der Show: Standardkost auf hohem Niveau, textsicheres Publikum, kreischende Teenies im Wavebreaker. Kenn man dann halt doch alles schon! Allerdings doch ein würdiger Abschluss des ersten Tages.

Samstag

Der Samstag begann dann pünktlich zu Mittag wieder am Festivalgelände. Mit Skinny Lister kann man ja auch nix falsch machen. Die Londonder Folk-Rock-Truppe zeigte recht schnell, wohin die Reise an diesem Tag gehen wird. Tanzbar, nichts Besonders in ihrem Genre, aber live dann doch immer wieder eine absolute Wucht. Da kann man ruhig mal klatschen, wie es der Mann in die ersten Reihe auf seiner Kartontafel vermerkt hatte! Gerade wenn man sich vorher mit der Jägermeister-Kapelle im Zelt aufgewärmt hatte. Mit HO99O9 konnte ich dann eher weniger anfangen – eher musikalischer Horror sozusagen. Sorry – aber einmal darf ich dann doch auch auf einem Festival mal ins musikalische Dixiklo greifen. Nach einer kurzen Stärkung am Orient-Food-Stand (scheiße, war das lecker!) ging es dann auch gleich weiter mit Danko Jones. Die kennt man auf der Southside-Bühne ja auch schon in- und auswendig. Auch heuer: eine solide Show für Fans von Alternative Rock, aber nicht das ganz besondere Erlebnis. Das konnte man dann eh gleich danach erleben, entweder bei den Norwegern von Kakkmaddafakka oder bei den Shooting-Stars SXTN. Ich tat ersteres – und wurde nicht enttäuscht. So dämlich-gut ist wohl keine andere Band, so dämlich-lustig sind nur wenige andere Texte. Kakkmaddafakka sind live aber immer wieder eine Wucht – bitte, liebe Leute, gönnt euch das. Außerdem kann auch nur diese Band Outfits anziehen, die so gar nicht zusammenpassen. SXTN? Leider verpasst – aber eine Band, die um 15 Uhr das Zelt an die Kapazitätsgrenzen brachte, konnte nichts falsch machen!

Weiter ging es dann mit einer Live-Urgewalt, die man so kein zweites Mal sieht: Gogol Bordello. Ich gebs zu: für mich war das Southside Festival 2017 die Gogol-Bordello-Entjungferung. Schade, hätte ich gewusst, wie viel Spaß die machen, ich hätte sie mir viel früher gegeben. Die Gypsy-Punks aus New York stehen nun seit 18 Jahrne auf der Bühnen, und der gute Eugene Hütz an den Vocals ist ein Testimonial für alle, die eine Referenz für „ich scheiß mir nix auf der Bühne“ suchen. Auch Sergey Ryabtsev an der Geige ist eine Offenbarung für sich – und kaum eine andere Band schafft es, „Start Wearing Purple“ so zu zelebrieren, dass kein Fremdscham angesagt ist! Danach gab es zur Abwchslung Deutschlands wohl besten Rapper zu sehen: Fatoni. Der gute Herr Schneider ist eigentlich Schauspieler, macht da auf der Bühne auch gehörig aus seinem Repertoire Gebrauch, und macht live einfach unendlich viel Spaß. „Benjamin Button“, „ADHS“ und Co sind Werke, die nur von Ironie getränkt sind. Solider Auftritt vor einem gefühlt 80 Grad heißen Zelt!
Konzert #2062 spielte danach Frank Turner mit seinen Sleeping Souls. Es gibt wohl europaweit kein Festival, wo der gute Frank noch nicht geträllert hat. Mit gut 2000 Konzerten im Rücken, „Recovery“,  „Josephine“, „Photosynthesis“ und „I Still Believe“ im Gepäck hat er auch eine Discographie, die sogar das Crowdsurf-Verbot am Southside außer Kraft setzte. Auch Frank selbst machte davon gehörig Gebrauch – Frank Turner ist ein Act, der nicht enttäuschen kann!

Nach dem Auslassen von Neonschwarz und Haftbefehl – eine hopfengetränkte Stärkung war von Nöten – ging es weiter mit Flogging Molly. Die Dauergäste auf Festivalbühnen enttäuschten ebenfalls nicht – auch wenn man das Gefühl hat, zu „Drunken Lullabies“ wohl schon zum unzähligsten Mal auf einem Festival abgegangen zu sein. Aber, aber: keine Kritik – wer sich wie Dave King zwanzig Jahre lang durch die Gegend trällert, kann nicht viel falsch gemacht haben. So wie auch OK Kid im Zelt – eine Band, die zu den interessantesten der Bundesrepublik zählt. „Stadt Ohne Meer“, „Kaffee Warm“, „Gute Menschen“, „Ich kann alles“ – die Band ist zu einem Sprachrohr einer ganzen Festivalgeneration geworden. Live sind Jonas, Moritz, Raffael und Co ebenso einen Abstecher wert – wenn man in Kauf nimmt, nach 20 Sekunden schweißgebadet im Zelt zu stehen. Auch das Schweizer Duo „Boy“ ist spätestens mit „We were Here“ in die europäische Indie-Spitze vorgedrungen. Irgendwie wollte der Funke auf der Blue Stage aber dann doch nicht so zünden – schade eigentlich. Ob der vorangegangenen Acts aber wahrscheinlich erklärbar – gegen OK Kid waren Boy, sorry, dann doch einfach nur langweilig.

Echte Legenden konnte man danach bestaunen: Rancid. Die Truppe aus Berkeley war mit hauptverantwortlich dafür, dass Punk in den 90ern wieder cool wurde. Tim Armstrong, Lars Frederiksen, Matt Freman und Branden Steineckert lieferten auch am Southside ab. „Trouble Maker“ heißt die neueste Platte – eine Hommage an Donald Trump etwa? Wie auch immer, Rancid können es auch anno 2017 noch. „Roots Radicals“, „The 11th Hour“, sowie die All-time-Hymne „Time Bomb“ fehlten in der Setlist natürlich nicht – fast schon sentimental konnte man werden. Ad multos annos, Rancid! Danach: Achtung, Stilbruch: die Antilopen Gang lieferte ihre Pizza im trojanischen Pferd aus. Selbstbewusst mit Queens „We are the champions“ als Intro, bringt die „Linksextreme Hassband“, wie es die Linzer Rechts-Partei FPÖ bezeichnet, ihre Lieder gegen Deutschland zum Besten. Schließlich muss Deutschland ja sterben, damit wir leben können! Mehr muss man dann auch nicht mehr zu dieser Band sagen, oder?! Nach dem konditionsbedingten Auslassen von Milky Chance ging es dann auch zum Headliner des Abends, Green Day. Hurra, Green Day! Zweieinhalb Stunden Set waren angekündigt – und die anfängliche Skepsis nach dem Einspielen der „Bohemian Rhapsody“ – der Herr Mercury muss am Samstag gehörig rotiert haben – und dem etwas peinlichen Intro mit einem rolligen Duracell-Hasen betreten die Punk-Veteranen auch schon die Bühne. Alles wird geboten, was eine Rock-Show braucht: Leute dürfen on Stage, dürfen mitträllern, kriegen Gitarren geschenkt, dazwischen Billy mitten im Publikum. „Holyday“, „Boulevard of Broken Dreams“, „When I Come Around“, „St. Jimmy“, „Basket Case“ – alle Klassiker wurden verbraten. Ein Medley mit „Shout“, „Always Look on the Bright Side of Life“, „I Can’t get no satisfaction“ und „Hey Jude“ dürfte Herrn Lennon im Musikhimmel aber doch zu viel gewesen sein. Bei „Still Breathing“ war der Atem der Bühne weg – Stromausfall. Das wars dann auch mit der Show – Billy dürfte nicht amused gewesen sein. Da hilft auch ein semi-akustisches „American Idiot“ nichts mehr. Naja, es wär ja kein Southside, wenn alles klappen würde!

Nach der zugegebenermaßen großen Enttäuschung wurde ich aber entschädigt. Ich hatte nie viel auf die Imagine Dragons gehalten – aber halleluja, war das großartig, was da zum Schluss des Tages abgeliefert wurde. Eine Lichtshow zum Niederknien, eine Audience, die zum Besten gehört, was ich je gesehen habe, und Lieder, die zwar auf Platte nervig klingen, live aber ein großes „Wir“-Gefühl auslösen. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass das bei einem Imagine Dragons-Konzert mir mal so gehen würde, ich hätte ihn für komplett irre gehalten. Sorry, ich war der, der irrte! Und spätestens, wenn um 2 Uhr morgens 20000 Leute „Radioactive“ mitträllern, hat man unweigerlich Gänsehaut.

Sonntag

Sonntag. The final Southside-Tag. Guten Morgen, Campingplatz! Die Herren von Montreal spielten den Bundesheer-Aufseher, der den Festivaltag mit einer schönen Tagwache eröffnete. Mit ihrer neuen Platte „Schackilacki“ sind die Hamburger bald auch auf Tour zu sehen – live unglaublich lustig, unglaublich trinkfest (wie sich auch nach ihrem Gig herausgestellt hat) und sicher eine Band, auf die man gerne mehr als ein Ohr werfen darf! Danach: eine kleine kulinarische Stärkung am „Pasta“-Stand (auch seehr lecker!), bevor es dann zu DER Überraschung des Festivals ging: Dave Hause & The Mermaid. Der Amerikaner aus Philadelphia ist vielleicht noch nicht allen Menschen ein Begriff – höchstens eingefleischten Fans von Chuck Ragan oder Brian Fallon. Aber: bist du deppert, wie wir Österreicher sagen, hat der Herr eine gute Stimme. Ein brachiales Organ, untermalt von einer großartigen Begleitband „The Mermaid“ – Alternative-Rock mit Indie-Pop-Einflüssen, dass es eine Freude ist. Eine klarere Empfehlung als Dave Hause zu folgen, können wir hier nicht aussprechen. Während danach nebenan Heisskalt das Zelt abrissen, führten wir uns derweilen Kontra K zu Gemüte. Kontra K – der Berliner tourt ab Herbst mit neuem Album auf „Gute-Nacht-Tour“. Nunja, Kontra K ist ein Artist, der Polarisiert. Ein klarer Fall von „Man liebt ihn, oder man hasst ihn“ – ich bin da noch etwas hin- und hergerissen. Überaus gute texte paaren sich dann halt doch noch mit einer Attitüde, die so gar nicht meins ist. Macht ja nix – den Leuten hat es am Southside Festival sichtlich Spaß gemacht.


Jimmy Eat World konnten uns allerdings nicht vom Hocker reißen. Zu austauschbar, zu uneigenständig klang der etwas härtere Pop-Rock. Klar, für Fans ok, klar sind sie Kult, aber nein, sorry, da fehlt ein wenig das Alleinstellungsmerkmal. Mein zweiter Griff ins musikalische Dixi-Klo, am Sonntag naturgemäß auf einem Festival noch grausamer als am ersten Tag. Leider wurde ich auch von Twin Atlantic nicht unbedingt entschädigt. Die Glasgower Indie-Shootingstars klingen ungewohnt hart, sind mit „GLA“ 2016 eigentlich durch die Decke gegangen – und dann wieder ein wenig in der Versenkung verschwunden. Merkwürdig – eigentlich ist ja alles da. Mit „Heart and Soul“ eine Hymne, genug Background (Tour mit 30 Seconds to Mars!), aber dann doch nur eine überschaubare Menge am Southside vor der Bühne. Schade! Entschädigt wurde ich allerdings mit Lorde und Royal Blood. Lorde einerseits wegen ihrer unverwechselbaren Performance – die Neuseeländerin räkelt sich auf der Bühne wie keine zweite – und andererseits mit Alben wie „Melodrama“, die garantiert kein Melodram sind. Elektro-Pop at its finest! Andererseits wurde ich wie erwähnt auch von Royal Blood entschädigt.Die beiden Briten hatten einerseits eine massive Produktion auf der Green Stage aufgebaut, andererseits mischen sie Garage- und Bluesrock, dass es eine Freude ist. Eine Band, von der man noch viel hören wird!

Danach eine weitere Hui!-Überraschung: Joris. Klar, in Deutschland bekannt, sind Joris in unserer Alpenrepublik noch keine Nummer. Das sollte sich schleunigst ändern – Joris erfindet Gefühlskino auf der Bühne neu. „Sommerregen“, „Bis ans Ende der Welt“, „Schwarz-Weiss“ – nicht ohne Grund läuft die Platte seit dem Southside auf Dauerrotation. Wird das dann auch noch so energiegeladen vorgetragen, wie es am Southside der Fall war, bin ich sicher: da kommt noch mehr Großes! Apropos „Groß“: groß sind A Day to Remember auf jeden Fall schon. Pop-Punk, nicht jedermanns Sache, live aber eine  Macht. Quasi das Aushängeschild des Post-Hardcore, sind ADtR Ikonen einer treuen Fanbase geworden. Eine Fanbase, die auch am Southside die Lautstärke bewies. Nicht jedermanns Sache, aber durchaus zu ertragen.

Vor dem letzten Headliner, Linkin Park, gab es für die Pop-Freunde noch zwei Leckerbissen. Zum einen: Maxïmo Park. Paul Smith und Co sind seit 2003 Aushängeschilder des britischen Indie-Rocks. Tracks wie „Apply Some Pressure“, „I Wand you to Stay“ und „Our Velocity“ haben sich im vergangenen Jahrzehnt schnell in die Gehörgänge eingebrannt. Auch 2017 macht die wohl bestangezogenste Band der Welt noch Spaß – auch wenn sie an frühere Erfolge nicht mehr anknüpfen konnten. Am Southside? Solide. Nichts besonderes, aber eine große Crowd, die Herrn Smith & Co dankend zuhörte. Andererseits gab es noch die Aushängeschilder des New Wave, die Editors, zu hören. Eine Band, die mich wohl nie enttäuschen kann. 30 Grad in der Sonne, Blink-182 auf der anderen Bühne, und dennoch hatte ich nie das Bedürfnis, weggehen zu wollen: Maximo-Park-Namensvetter Tom Smith ist einer der Frontmänner, die mich immer wieder begeistern. Ein Spektrum in der Stimme, die unverwechselbar und sofort nach „Editors“ klingt. Mit „An end Has a Start“, „In This Light and on This Evening“ und „The Weight of Your Love“ drei Platten, die (zurecht) auch nach dem Debut „The Back Room“ die britischen Charts erstürmten. Auch wenn sie mit „In Dream“ nicht mehr ganz so unverwechselbar klingen – live wird man von den Editors nie enttäuscht werden.

Eine unfreiwillige Tortur für die Ohren waren dann allerdings Blink-182. Natürlich sind die Herren Kult. Natürlich sind „Bored to Death“, „She’s Out of Her Mind“, „Sober“, „Family Reunion“, sowie das unweigerliche „All the Small Things“ Punk-Hymnen, natürlich machen die Songs Spaß. Machen sie am Southside allerdings nicht. Ich sah die Band nach dem Editors-Konzert kurz hinter dem Wavebreaker – das klang allerdings derart dumpf und leise, dass das keinen Spaß machte. Da kann auch die großartige Produktion nichts mehr retten – Pyrotechnik ersetzt halt noch immer keinen Gesang. Angesichts der doch unmotiviert scheinenden Crowd, die abgesehen von den Klassikern eher still verharrte, war ich mit dieser Meinung wohl nicht alleine. Fotos waren übrigens nicht erlaubt – stellt euch das Konzert bitte so vor:

Fotos waren keine erlaubt: Blink-182 auf dem Southside! (Symbolbild)

Nachdem dann noch Axwell und Ingrosso die Pyrotechnik- und Feuerwerksvorräte des Festivals leeren durften, stand mit Linkin Park der letzte Headliner auf der Bühne. Eine Band, zu der Viele eine Hassliebe entwickelt haben. Zumindest hat es schon etwas Surreales an sich, wenn Frontmann Chester mit Hugo-Boss-Kappe auf der Bühne steht. Sellout könnte man da sagen. „Talking to Myself“, „Burn It Down“ und „The Catalyst“ sind die ersten drei Songs – das Publikum dankt mit artigem Applaus. Ein wenig besser wird es erst, als Chester auf Tuchfühlung mit der Crowd geht. Spürbar besser wird es bei alten Tracks wie „One Step Closer“, sowie später im Set mit „Breaking the Habit“, „What I’ve Done“ und „In the End“. Solide, aber halt eine Band, die die Fanbase mehr als einmal gespalten hat. Ich bin ein Anhänger der frühen Linkin Park: deswegen das Urteil als solider, wenn auch weit nicht überragender Gig!


Liebes Southside, es war uns eine Ehre – und hoffentlich sind ob des Zugsunfalles am Heimweg auch alle gut nach Hause gekommen!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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