Einen lebenden Ramone sieht man ja nicht alle Tage. CJ Ramone bot einen ordentlichen Anlass, um mal wieder einen sommerlichen Donnerstagabend im Konzertsaal des Kulturgasthauses Auerhahn zu verbringen. Obwohl es im Gastgarten wohl etwas gemütlicher gewesen wäre, hat sich der Besuch wieder mal ausgezahlt. Die Supportslots übernahmen zwei Salzburger Bands: 7 Dials Mystery und 3deutige Aussage.

Es will schon etwas heißen, wenn der Fotograf mit drei Ersatz-Shirts beim Konzert aufkreuzt. Man will ja vorbereitet sein. Auf die Bands traf das zur eigentlichen Beginnzeit um 20:30 noch nicht so wirklich zu. Da wurde noch fleißig der Sound gecheckt. Machte aber nichts. So konnte man zumindest noch ein halbes Stündchen mit einem kühlen Bier im Gastgarten verweilen. Der Schweiß sollte später sowieso noch fließen. 3deutige Aussage eröffneten dann das bunte Treiben. Die konnte man in Linz auch schon letztes Jahr im Vorprogramm der Terrorgruppe sehen (zum Review). Das Fazit fällt auch diese Mal ähnlich aus. Ja, solche Punkbands gibt es auch noch. Einfach gestrickte Texte, mal als politischer Mittelfinger („Sprache, verpiss dich und halt’s Maul!“), mal als Saufhymne zwischen rumpelndem, straighten Punkrock und tanzbaren Ska-Ausflügen. Wenn es sein muss auch mit einem kleinen Ausschnitt von Falcos „Ganz Wien“ als Intro. Wenn auch manchmal etwas holprig vorgetragen, kann das durchaus Spaß machen. Zu mehr als dem Prädikat „Spaßband“ reicht es dann aber doch nicht. Extra punk points für die mit Abstand besoffenste Anhängerschaft.

7 Dials Mystery kommen wie gesagt ebenfalls aus Salzburg und machen Punkrock. Das wars dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Musikalisch steht das Quartett eher im einem Naheverhältnis zu Bands wie Sum 41, den frühen 3 Feet Smaller und ASTPAI. Am 09. Juni ist ihr aktuelles Album „Bubbles And Guns“ erschienen, von dem auch ein Großteil der an diesem Abend gespielten Songs stammen. Handwerklich gab es hier absolut nichts zu meckern und auch die Energie mit der Herren zu Werke gingen passte. So taute zum Ende hin auch das Publikum immer mehr auf und fand Gefallen an dem was es zu hören bekam. Dazu gehörten als letzte beiden Songs mit „Give It All“, ein Rise Against Cover (dafür ebenfalls Extrapunkte vom Autor), und der erste deutschsprachige Song der Band, „Krieg Ist Frieden“.  Alles in allem ein gutes Warm-Up Programm. Sollte man sich bei Gelegenheit auf jeden Fall mal zu Gemüte führen.

Von 1989 bis 1996 war CJ Ramone (bürgerlich: Christopher Joseph Ward) als Bassist Teil der legendären New Yorker Punk-Urväter. Seit 2012 veröffentlicht der Herr Soloplatten und tourt mit seiner Gruppe Jungspunden, die ihn auf der Bühne verstärken, auch immer wieder mal durch Europa. Erlebt hat dieser Mann garantiert so einiges. Konzerte im Hinterzimmer eines österreichischen Gasthauses dürften aber auch für ihn ein Novum sein. Spaß gemacht haben dürfte es ihm allemal. In Sachen Bewegungsdrang und Motivation stand er seinen deutlich jüngeren Bandkollegen nämlich um nichts nach. Ein routiniertes Punkrock-Set, bei dem alle Fanwünsche brav erfüllt wurden. Natürlich wurden mit „I Wanna Be Sedated“, „I Wanna Be Your Boyfriend“ und dem abschließenden (what else?) „Blitzkrieg Bop“ eine Reihe von Ramones-Hits zum Besten gegeben. Dazwischen wurde sich durch einen Querschnitt der drei eigenen Albumwerke gespielt. Das aktuelle aus dieser Reihe heißt „American Beauty“ und ist dieses Jahr im März erschienen. Das Publikum nahm alles dankend an tanzte und sang (natürlich hauptsächlich bei den Ramones-Songs) was das Zeug hielt und auch gecrowdsurft wurde. Eine heiße Sache und wieder mal ein mehr als solider Konzertabend im Auerhahn. Übrigens noch lange nicht die letzte Veranstaltung aus dem Hause SBÄM in diesem Sommer. Von 20. bis 22. Juli geht im GEI Timelkam das SBÄM Fest mit Bands wie Ignite, Teenage Bottlerocket und Leftöver Crack über die Bühne und auch im Auerhahn ist den ganzen Sommer über Vollbetrieb mit Gästen à la Face To Face, Good Riddance, Useless ID, The Real McKenzies und vielen mehr. Einen Überblick und Tickets gibt es hier.

Fotos: Christoph Thorwartl / subtext.at

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