Arcade Fire in der Stahlstadt. Die Kanadier kommen jedoch nicht alleine – mit dabei „Get Well Soon“, „Steaming Sattelites“, „Timber Timbre“ und „Explosions in the Sky“. Eine sehr gelungene zweite Ausgabe des Ahoi! The Full Hit of Summer, wo auch selbst für Musikliebhaber noch Überraschungen zu finden waren.

Pünktlich um 15 Uhr eröffneten Get Well Soon den Konzertnachmittag. Live hat sich die Band rund um das Mannheimer Mastermind Konstantin Gropper in letzter Zeit sehr rar gemacht. Schade eigentlich – kann man von Get Well Soon doch quasi nie genug bekommen. Die ersten Alben wurden noch im eigenen Schlafzimmer produziert – aber auch live am Ahoi! The Full Hit of Summer sorgen Get Well Soon noch immer für musikalische Träumereien. Ausgefeilte Arrangements, eine Stimme, die es so wohl kein zweites Mal gibt – bitte, Herr Gropper, gerne mehr neues Material und gerne mehr Touren!

Eigentlich nicht mehr groß vorstellen muss man die Steaming Satellites. Ihr Debutalbum „The Moustace Mozart Affaire“ war wohl eine der besten Platten, die die österreichische Musikszene in der letzten Dekade hervorgebracht hat. Mittlerweile ist die Diskografie gewachsen, und Max Borchardt und Co haben live nichts von ihrem Können verloren. „Witches“, „How Dare You“, „Rocket“ – Musik zum Dahinschmelzen, die trotzdem tanzbar ist. Ein ob der frühen Uhrzeit und ob des großen Ansturmes sehr gelungenes Konzert, das definitiv Lust auf das nächste Album, zu dem schon Vorbereitungen laufen, machte.

Die kanadische Band „Timber Timbre“ legte nach den wunderbaren Steaming Satelites ordentlich nach. Ihr Ding ist jedoch eher der smoothe Sound – gemütlich und chillig wird man auf den Headliner vorbereitet. Ruhigere Sounds verbreiteten sich auf der sonnigen Donaulände, ohne Stress und Hetzte gaben sie dem Publikum eine kurze Verschnaufpause. Die Band war mir vorher nicht bekannt – und auch für nähere Bekannte war der Live-Auftritt ein Novum. Neu heißt aber nicht schlecht, und immer noch Hut ab vor den Veranstaltern, endlich auch mal was hierzulande verhältnismäßig Unbekanntem eine so große Bühne zu bieten. Westlich von Europa sind sie jedoch schon sehr bekannt, nicht einfach so schafft man über 1,2 Mio. Klicks auf Youtube. Bekannte Lieder – das sagen zumindest die Views beim Video – wie „Black Water“ oder „Hot Dreams“ waren natürlich Teil der Setlist. Also: wer die Band noch nicht kennt und auf der Suche nach dem perfekten Sound für einen lauschigen Sommertag ist hat ihn mit den sechs Alben von „Timber Timbre“ gefunden. Denn auch auf Platte versprühen sie die Gelassenheit.

Nach so einem Set wirkte die nächste Band schon fast aggressiv. „Explosions in the sky“ schlossen die Gabel zwischen gemütlicher Musik am Nachmittag und Party am Abend. Ohne Gesang, dafür mit viel Hingabe lieferte die texanische Band eine solide Show. Post Rock würde die Schublade meiner Meinung nach heißen, wenn man sie schubladisieren müsste. Das Set fing sehr gut an und konnte zu Beginn noch sehr motivieren, gegen Ende hatte es jedoch schon einige längere Durststrecken, die nicht komplett überwunden wurden. Auch die Jungs von „Explosions in the Sky“ zählen als zweite Band zu den (immer relativ gesehen) Unbekannten und Neuentdeckungen.  Schon alleine deswegen, dem Kennenlernen von neuer Musik, kann das Ahoi! The Full Hit of Summer als voller Erfolg verbucht werden.

Apropros Erfolg. Arcade Fire waren das lange Warten auf jedenfall wert. Zugegeben, bei untergehender Sonne zu den Hits seiner „Jugend“ zu tanzen, hat schon so einen eigenen Flair. Noch dazu wenn es der Band sichtlich Spaß macht vor einem mit 8000 Leuten ausverkauften AFHOS zu spielen. Bald kommt es ihr neues Album, in genau 16 Tagen am 28.7 soll es erscheinen. „Everything Now“ wird der Titel sein. Die Tour quer über den Globus heißt genauso. Extra angefertigte gebrandete Tourklamotten machten den Auftritt umso glamouröser. Gründer und Sänger der Band, Win Butler, spiele das Beste aus den mittlerweile 5 Studioalben, darunter Songs wie „Creature Comfort“, „Signs of life“ oder „The Suburbs“ . Ein Zeichen für eine gelungene Show ist es, wenn auch neue Songs mindestens genauso gefeiert werden wie die altbekannten. Dies konnte man schon beim ersten Lied „Everthing now“ beobachten.

17 Songs waren der Band jedoch noch nicht genug, als Sahnehäubchen oben drauf gab es noch „Neighborhood #3“ und „Rebellion“.
Ein Konzert, welches lange erwartet wurde, und wo die Fans unter uns bestimmt nicht enttäuscht wurden. Aber ehrlicherweise muss man auch schon zugebe: mit der Dramaturgie von „Sigur Ros“, dem Headliner vom Ahoi! The Full Hit of Summer 2016 im strömenden Regen, konnten die Kanadier jedoch nicht mithalten.

Wer nach dem Konzertmarathon immer noch nicht genug hatte, bekam bei der Aftershow-Party im Brucknerhaus die Gelegenheit bei „Leyya“ und „König“ noch einmal ausgiebig das Tanzbein zu schwingen, um dann mit DJ Gerd Janson den Abend ausklingen zu lassen.
„Leyya“, die mit ihrem aktuellen Album „Spanish Disco“ und der neuen Single „Zoo“ so ziemlich alle Musiknerdherzen zum Schmelzen gebracht haben, konnten auch gestern noch einiges am Stimmung machen. International ist die ursprünglich aus Eferding stammende Band schon länger bekannt, und spielt(e) heuer auch bei den großen Festivals wie Primavera oder Sziget.

„König“ muss man wohl nicht extra vorstellen. Ein Teil von König Leopold, die mit ihrem Lied „Kohlhauser“ auch Schlagzeilen in Boulevardblättern machten, stand gestern auf der „Red Bull Stage“ und zog mit seinem elektronischer Musik noch den Rest an Energie von den FestivalbesucherInnen, bevor DJ Gerd Janson endgültig den musikalischen Reigen beendete.

Ahoi! The Full Hit of Summer: in der zweiten Runde wurden einige Kinderschuhproblemchen wie die Wasserversorgung vorbildlich gelöst. Umso mehr konnte man sich heuer zu 100 % auf die Musik konzentrieren. Und ein Vögelchen hat uns schon gezwitschert, dass an einer dritten Auflage gearbeitet wird.

Fotos: Christoph Thorwartl, Andreas Wörister

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