Spät aber doch. Gemeinsam mit den Nihils flohen wir aus der Kälte am Noppen Air in ein warmes Hotelzimmer und quatschten dort ein wenig über die musikalische Wende, die die Band in den letzten Jahren erlebt hat, über das neue Album „Perspectives“ und auch ein wenig über Berlin als Inspirationsquelle für Musiker. 

subtext.at: Kann man euch zu der Menschengruppe Festivalgeher oder Festivalverweiger zählen?
Ramon: Dadurch, dass wir Musiker sind, spielen wie einfach lieber auf den Festivals, weil es ein doppelter Bonus ist. Man kann selbst spielen, sieht auch andere Bands und bekommt das gesamte Ambiente mit. Aber klar, wenn wir sonst nichts zu tun haben, gehören wir schon zu den Festivalgehern. Auf jeden Fall.

subtext.at: Könnt ihr Konzerte eigentlich noch genießen, oder funkt euch da euer Musikergehör oft dazwischen?
Flo: Ja, eigentlich schon. Ich finde, man kann die Konzerte sehr genießen. Natürlich hört man auch anders zu oder schaut auch anders zu. Man achtet natürlich mehr auf das, wie die Musiker das machen oder wie die Lichtshow wirkt. Da schaut man natürlich auch aus Interesse. Aber es ist definitiv so, dass man die Konzerte genauso genießen kann.
Thomas: Wobei es manchmal schon so ist, dass man nachdenkt und sich denkt „fuck“, man hat sich schon wieder zu viele Gedanken gemacht. Kommt halt mir so vor.
Flo: Findest? Okay, es fallen einem dann wahrscheinlich andere Sachen auf, gegenüber jemand anderen. Aber zum Beispiel auf Fehler achtet man nicht.

subtext.at: Ihr könnt ja schon auf eine längere Bandgeschichte zurückblicken. Ich habe euch kennengelernt, als gerade die Indie-Schiene einen extremen Aufschwung hatte, wo Bands wie „The Beth Edges“ groß wurden. Wie hat sich eure Musik seit dem „Boom“ verändert? Gab es da eine musikalische Weiterentwicklung?
Ramon: Viel. Wir waren ja auch total auf dem Indie-Weg – vor einigen Jahren. Und bei uns hat sich hat sich viel verändert, auch vom Sound und vom dem, was wir auf der Bühne bringen. Unser Album ist jetzt eigentlich ein komplett anderer Sound als vor 4 Jahren. Und es war für uns die letzten Jahren ein Findungsprozess, deswegen haben wir im Verhältnis relativ wenig releast. Aber jetzt mit dem neuen Album haben wir endlich das Gefühl den Sound gefunden zu haben, der uns ausmacht und den wir auch wiedergeben möchten.

subtext.at: Wie hat bei euch der Prozess ausgeschaut, dass ihr diesen Sound gefunden habt?
Thomas: Viel probieren in verschiedenste Richtungen und Einflüsse sammeln. Ein riesiger Punkt war es, unseren Produzenten kennen zu lernen. Nico Stössl, der hat mit uns das aktuelle Album produziert, das in Berlin aufgenommen wurde. Der Umzug nach Berlin, der war auch sehr spannend und hat uns auf jedenfalls beeinflusst. Ich glaube, dass uns das Experimentieren einfach gut getan hat.

subtext.at: Das heißt, euer Dauerstandort während diesem Prozess war der Proberaum?
Alle: Ganz genau.
Flo: Ja, wir haben uns einfach alles offen lassen, wohin es gehen könnte – und das war für uns das Wichtigste. Dass wir uns im Vorhinein nicht etwas aufdrängen, was sich dann vielleicht nicht ergibt. Solche Phasen hatten wir auch , wo wir uns dachten: „Ja, wir machen jetzt das!“ – und dann später herauskam, dass es uns doch nicht so interessierte. Wir haben es dann abgehakt und vielleicht noch ein bisschen was mitgenommen von dem. So ist auch der Titel vom Album treffend, „Perspectives“, weil wir schon in jede Richtung ein bisschen geschaut haben, und wir uns von allem das herausgepickt haben, wo wir uns am meisten wohlfühlen.

subtext.at: Ihr habt damals mitten in einem „Boom“ angefangen. Und auch jetzt ist ein Hoch der österreichischen Pop-Musik festzustellen. Was war für euch ausschlaggebend, nicht auf den Zug der „Deutschprachigkeit“ aufzuspringen.?War das für euch ein Thema?
Flo: Dass wir auf Deutsch singen, nein, das war für uns nie Thema. Wir fühlen uns wohl im Englischsprachigen. Das schöne an dem Englischen ist, dass man eben keine Grenzen hat, dass man es nur im deutschen Markt verkaufen kann, oder halt nur in Österreich. Somit haben wir da ein bisschen mehr Freiraum – und wir merken, auch online ist es total spannend zu sehen, wie viele Länder irgendwie dann reinklicken und sich die Songs anhören. Das fängt bei uns jetzt erst an. Diesen „Boom“ bekommen wir natürlich auch mit, und es ist großartig, jetzt gerade ein Musiker aus Österreich zu sein. Vor allem Österreicher, die in Berlin leben. Also da merkt man schon, dass Leute offener sind und nach Österreich schauen – und da jetzt auch gute Musik erwarten, was früher eher verwunderliche Reaktionen auslöste. Aber den Wandel merkt man auf alle Fälle.
Thomas: Zur Sprache noch: Ramons Muttersprache ist Englisch, von dem her macht es auch Sinn, dass er auf Englisch schreibt.

subtext.at: Wohnt ihr alle drei in Berlin?
Alle: Ja, genau.

subtext.at: Habt ihr so „Hauptquellen“, woher die Einflüsse kommen ? Oder ist es eher so quer durch den Gemüsegarten?
Thomas: Das ist eigentlich so das Schöne. Vor allem in Berlin bekommt man von der Technoszene natürlich sehr viel mit. Also was sich in den den ganzen Clubs so abspielt. Aber ich glaube, das ist eben das, was Nihils ein bisschen ausmacht. Dass wir alle nicht unbedingt das gleiche hören. Jeder bringt seine eigenen Einflüsse rein und somit ergibt sich halt der Mix. Aber als größter Einfluss kann man schon die Stadt Berlin benennen. Auch der Nico beeinflusste uns, halt auf einer anderen Ebene. Oder eh andere Konzerte, aber auch Ausstellungen.

subtext.at: Das heißt, ihr nehmt euch auch Sachen von Ausstellungen mit, die ihr in eure Musik einfließen läßt und nicht nur Konzerte, sondern auch eben so künstlerische Dinge…
Flo: Definitiv. Ich glaube, es ist generell so, wenn dich etwas inspiriert, dass dann so etwas genauso am Album wiederzukennen ist. Vielleicht erkennt man die Inspirationsquelle im Song selbst nicht, aber die Kunststücke lösen in einem ja etwas aus –  und das kann wurde schon auch in unserer Musik mitverarbeitet. Man kann es selbst teilweise nicht definieren, was der Grund für das Transferieren in die eigenen Musik ist, weil es teilweise doch sehr unbewusst funktioniert.

subtext.at: Euer neues Album ist schon am Markt. Es wurde in Berlin aufgenommen und war denk ich schon für 2016 geplant. Aber wie ist es dann, dass Album jetzt komplett fertig zu haben, und zu wissen, dass sich jeder die Musik anhören kann?
Alle: Das ist super.
Thomas: Wie die CDs geliefert wurden, war es gleich so, dass wir uns umarmt haben. Das Ding vor einem liegen zu haben, wo man so lange daran gearbeitet hat, lange an allen Feinheiten gefeilt hat, viele Songs geschrieben hat, die dann wieder verworfen worden sind, weil es dann doch nicht die richtige Richtung war. Und ja, jetzt sind wir an dem Punkt, dass es veröffentlicht wurde, und sind total happy . Der Release ist schon eine Befreiung, kann man zumindest ein bisschen behaupten.

subtext.at: Habt ihr Angst, dass euer „Baby“ von Kritikern zerrissen wird ?
Ramon: Mhm. Die Angst war glaub ich eher, dass wir es nicht schaffen, es zu releasen. Aber jetzt wo wir das geschafft haben, bekommt es ein Eigenleben – das Ding als Platte selbst. Man muss es an so einem Punkt auch loslassen können. Und wir sind ja happy mit dem Ergebnis. Natürlich freut es uns, wenn Menschen genauso eine Freude haben mit dem Album wie wir. Wenn nicht, können wir das genauso akzeptieren, aus jetziger Sicht.
Thomas: Wir schreiben ja schon wieder an neuen Songs, die auch wieder in eine neue Richtung gehen. Ein weiteres Level quasi, wo wir einige Stils verfeinert haben und eben weitergegangen sind. Das Album präsentiert halt unsere Zeit zwischen 2014 und 2016 bzw. 2017, so waren wir eben zu dieser Zeit, und jetzt sind wir wieder auf einem neuen Zug.
Flo: Wir freuen uns, endlich die Songs auch live performen zu können, und den Leuten zeigen zu können, an was wir so lange gearbeitet haben. Das ist schon ein cooles Gefühl.
Ramon: Das Album ist eben eine Momentaufnahme, das darf man nie vergessen.

subtext.at: Könnt ihr die Songs selbst noch anhorchen?
Alle: Eigentlich ja. Sehr gut sogar.
Ramon: Das ist für uns auch ein Zeichen. Wir haben zwar keine Ahnung, wie lange es andauert, aber ja, momentan kann ich unsere Songs noch hören. Obwohl wir zwischen Studio und jetzt auch eine gewisse Distanz bekommen haben – was wahrscheinlich auch nötig war.

subtext.at: Gab es bei euch eigentlich auch Shows, wo ihr nicht so happy wart, dass ihr sie habt spielen müssen? Dass es mehr Pflicht als Kür war?
Thomas: Ja, das hat es schon auch gegeben. Wobei ich weniger sagen würde, dass es eine Pflicht war. Also nicht so, dass das Management entschieden hat, dass wir spielen. Aber natürlich hat es immer wieder Konzerte gegeben, wo man im Nachhinein betrachtet gedacht hat, dass das jetzt doch suboptimal war, oder dass wir uns die Arbeit hätten sparen können. So Dinge, wo man eben einen Anreisetag von acht Stunden hat, und kaum was bei einem Gig verdient, wie es jetzt oft war, und dann sind kaum mehr als 20 Leute da. Oder die Technik passt nicht. Da regt man sich schon mal auf, wobei ich denke, wir regeln das dann meistens mit uns selbst, bevor man zum Veranstalter geht. Aber das sind alles Erfahrungen, die auch gemacht werden müssen. Ich glaube sowas macht dich im Endeffekt dann auch wieder stärker.
Aber es waren jetzt keine Extreme dabei, wo wir „reingedrängt“ wurden.

subtext.at: Abschließend, was steht bei euch so in nächster Zeit an?
Flo: Ja genau. Wir gehen mit Claire auf Tour. Da haben wir einige Deutschlandshows, so 14 oder 15. Im Sommer natürlich sehr viele Festivals. Jetzt mal viel live spielen und im bestenfalls bald wieder an neuem Material arbeiten. Also neben den Live-Auftritten.

Mehr Informationen über die Band findet ihr HIER.

Nächste Konzerte:
– Out of the Woods-Festival in Wiesen
– Waves Vienna- Festival

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