Eine ungewohnte Herangehensweise zu Kultur haben die Fabrikanten und KomA vergangenes Wochenende für ihre Spotter Trips gewählt. Bei diesen waren Schiffe und Fähren die zentralen Veranstaltungsorte, auf denen Besucher_innen Einzelbegegnungen mit Künstler_innen erleben konnten. Wie die Idee dazu entstanden ist, ob die Spotter Trips als „Kultur für alle“ gedacht waren, aber auch ob Kulturpolitik im aktuellen Wahlkampf überhaupt ein Thema ist und welche Auswirkungen Kürzungen des Kulturbudgets haben werden, hat subtext.at jetzt bei Gerald Harringer, Mitbegründer der Fabrikanten, nachgefragt.

subtext.at: Wie seid ihr auf die Idee zu den Spotter Trips gekommen?
Gerald Harringer: Das war ein dreiteiliger Prozess. Zuerst wurde die Spotter-AG, eine Arbeitsgemeinschaft mit einer internationalen Runde aus Künstler_innen, gegründet. Dabei haben wir gemeinsam Interessen abgesteckt. Als nächstes haben wir die Spotter Night im Raumschiff organisiert, die eine Kombination aus intimer Liva Art, Konzert (GRAN, Rummelsnuff) und Partyambiente war. Den Abschluss des Prozesses machten jetzt die Spotter Trips. Insgesamt hat die Planung und Organisation etwa 14 Monate gedauert.

subtext.at: Was ist das Besondere an Schiffen und Fähren als Veranstaltungsort?
Gerald Harringer: Dort sind klare Kapazitäten vorhanden. Man kann nicht kommen und gehen wie man möchte, oder nur vorbeischauen. Das Vorbeischauen empfinde ich als immer stärker werdende Unart, bei der man sich auf nichts einlassen muss. Die Bühnen sind außerdem schwimmend und im Fall der Fähre fast lautlos gleitend und mystisch anmutend. Ein Beispiel für einen Vergleich ist der Fährmann auf Styx (Anmerkung: Styx ist in der griechischen Mythologie ein Fluss der Unterwelt, auf dem der Fährmann Charon die Seelen der Toten schifft). Auf dem Fluss „kommt man leichter in Fluss“ und kann den Verführungen der multioptionalen Gesellschaft etwas entkommen.

 subtext.at: Sollten die Spotter Trips „Kultur für alle“ sein oder eine bestimmte Zielgruppe ansprechen?
Gerald Harringer: Der Begriff „Kultur für alle“ ist gut gemeint, aber sehr problematisch. In quotengetriebenen Zeiten und bei moralisierenden Shitstorms kann man jetzt von „Kunst trotz aller“ sprechen, wenn das Format widerspenstig ist. Die Senkung von Barrieren wie Eintrittsgeldern hat zum Teil dazu geführt, dass Kunst nicht mehr nur „nicht viel kostet“, sondern auch nicht viel wert ist. Die Eintrittsgelder bei den Spotter Trips waren sicher für viele Menschen eine Hürde, aber auch schon bei der Spotter Night, die wesentlich günstiger war, gab es bezüglich des Preises Reklamationen. Nur wenn einem sehr junge Menschen erklären, dass sie nicht so viel Geld haben, gleichzeitig aber das neueste iPhone bei sich haben, geht es einfach um Prioritätensetzungen. Wir lassen ansonsten bei Preisen mit uns reden beziehungsweise haben auch im Rahmen der Aktion „Hunger auf Kunst“ freie Zutritte angeboten.

subtext.at: Was sind die Herausforderungen dabei, „Kultur für alle“ zu schaffen?
Gerald Harringer: Es ist nicht unser Anspruch, „Kultur für alle“ zu schaffen.  Auch die zuständigen Politiker_innen und Kulturverwalter_innen wären gut beraten, das zu überdenken, zum Beispiel bei dem Linzer Kulturentwicklungsplan.

subtext.at: Das Kulturbudget in Oberösterreich soll nächstes Jahr gekürzt werden, laut Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) um maximal 10 Prozent. Welche konkreten Auswirkungen wird das auf Kulturinitiativen und speziell die Fabrikanten haben?
Gerald Harringer: Das werden wir erst bei den Verhandlungen für unsere Förderungen 2018 bemerken. Die stagnieren und sind so niedrig, dass in absoluten Zahlen die zehn Prozent gar nicht mehr beängstigend wirken. Konkret sind es 1.680 Euro. Tragisch ist viel mehr, dass wir auch bisher keine Budgets haben, die ordentliche Finanzierungen zulassen und dass wir ständig mit der Prekariatsfalle kämpfen.

 subtext.at: Ist Kulturpolitik im aktuellen Wahlkampf überhaupt ein Thema?
Gerald Harringer: Hast du im Wahlkampf etwas davon gehört? Außer Kurz- sorry, Kürzungsszenarien, die in Sparzeiten sowieso rundum beklatscht werden? Und da sind wir wieder beim „Kultur für alle“ – Begriff und der fehlenden Wertschätzung von Kultur.

Die Fabrikanten (1990 gegründet) verwirklichen Kulturprojekte und sind zugleich eine Kommunikationsagentur in Linz.

Über den Autor

Katharina Wurzer

Katharina hat einen Abschluss in Soziologie und studiert Politische Bildung in Linz. Darüber hinaus ist sie regelmäßig journalistisch tätig, z.B. in Form von Praktika (Radio Oberösterreich, Neues Volksblatt,…) und derzeit als Redakteurin für FROzine, das Infomagazin von Radio FRO. Sie beschäftigt sich vor allem mit gesellschaftlichen und kulturellen Themen.

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