Entwickler Warhose Studios ließ uns auf der Gamescom zum allerersten Mal selbst die Maus an ihr Erstlingswerk Kingdom Come Deliverance anlegen. Im Böhmen des 15. Jahrhunderts konnten wir den Überfall auf ein nahes Dorf aufklären. Der Titel setzt dabei weniger den Fokus auf imposante Schwertkämpfe, sondern viel mehr auf die Geschichte, Erkundung und Nachforschung. Wir waren durchaus überzeugt, nur technisch muss noch nachgebessert werden.

Journalisten sind manchmal sehr unfähige Computerspieler. Es dauerte eine Ewigkeit und bedarf der Hilfe der anwesenden Entwickler, um beim Anspieltermin zu Kingdom Come Deliverance die Mission erfolgreich zu absolvieren. Schlussendlich meisterten auch wir und drei weitere Kollegen auf unterschiedlichsten Wegen diese Aufgabe. Denn das Erstlingswerk der Warhorse Studios zeigte in dieser Mission bereits seine Stärken. Individuelle Lösungswege, tolle Vertonung und eine glaubwürdige Darstellung des mittelalterlichen Europas.
Kingdom come deliverance
Publisher: Koch Media / Deep Silver
Entwickler: Warhorse Studios
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Releasedatum: 13.02.2018

 

Welcome to the middle age!

Böhmen, also die heutige tschechische Republik, in den Wirren des Mittelalters. Adelshäuser und deren Fürsten kämpfen um die Vorherrschaft, während Raubritter Angst und Schrecken verbreiten. Nach der Entführung von König Wenzel von Böhmen durch seinen Halbbruder Sigismund herrscht Chaos im Lande. Ständige Überfälle von Sigismund bereiten der Region Probleme und so schließen wir uns als Schmiedesohn Henry dem Herrn Radzik an, um die Invasoren zurückzuschlagen. Nicht ohne persönliche Beweggründe, denn unser Dorf wurde ausgelöscht – wir sinnen auf Rache für unsere Familie. In der Zwischensequenz zum Start unserer Mission, war auch die Rede von einem speziellen Widersacher und einem Familienschwert. Diese Konstellation dürfte dann im finalen Spiel für Spannung und interessante Wendungen sorgen.

Die von uns angespielte Quest spielt dann etwas vor den Ereignissen der Beta, also recht bald im Spiel. Die Pferdefarm Neuhof wird überfallen, von wem und aus welchen Gründen, wissen wir noch nicht. Als Henry schließen wir uns einer berittenen Kompanie unter Captain Bernardt an, um Nachforschungen zu betreiben. Bereits im Innenhof der kleinen Anlage fühlt man sich toll in diese geschichtliche Epoche versetzt. Die Rüstungen und sonstigen Gewänder sehen glaubwürdig aus und auch die Bausubstanz ist plastisch und erinnert an den Geschichtsunterricht. Was uns aber an dieser Stelle aufgefallen ist, technische Probleme. Die Gesichter zuckten beim Reden unnatürlich und auch auf dem gemütlichen Ritt zum Dorf stockte das Spiel immer wieder. Das muss noch ausgebessert werden.

Davon abgesehen können wir technisch nicht meckern. Klar, die Details sind vor allem bei hoher Distanz leicht schwammig, aber das fällt meistens nur wenig auf. Kingdom Come Deliverance vermittelt ein glaubwürdiges, stimmiges und beeindruckendes Bild der damaligen Zeit. Dies mit einer grafischen Leistung, die zwar Grafikfanatiker raunzen lässt, aber weitestgehend up to date ist.

Schmied Henry ist der Hauptcharakter des Titels

Wir begleiten Captain Bernardt nach Neuhof

 

Detektivarbeit anstatt Schwertkampf

Im schönen mittelalterlichen Dorf angekommen zeigt sich ein schreckliches Bild. Getötete Pferde und Bewohner finden sich blutüberströmt auf den Straßen, trotzdem hat es anscheinend keine Plünderungen gegeben, sehr misstrauisch. War reiner Blutrausch der Grund für dieses Massaker? Um das zu überprüfen, sollen wir sowohl Überlebende befragen, als auch die Umgebung erkunden. Hier zeigt sich bereits die spielerische Freiheit. Während wir damit beginnen in Häusern, Wegen und dem nahegelegenen Wald nach Hinweisen zu suchen, wählt der französische Kollege neben uns einen anderen Weg. Er beginnt mit den Befragungen der Überlebenden, um Hinweise zu sammeln. Beide Wege können zum Erfolg führen. Wir folgen aber danach doch dem Vorbild des Kollegen. Die sehr gut vertonten Bewohner geben uns dann neue Hinweise und so entwickelt sich die Quest weiter, bis zum Moment, wo wir im nahegelegenen Wald auf Blutspuren stoßen.

Wir finden zwei Banditen – einer davon bereits verblutet am Baum angelehnt, den anderen bringen wir zur Strecke. Der Kampf fühlt sich angenehm unkompliziert an und ist selbst für uns Journalisten ohne vorherige Erfahrung zu meistern. Wir finden das angenehm. Ob dies dann im fertigen Spiel auch der Fall ist, wird sich zeigen. Sehr spannend ist ein anderer Fakt an dieser Stelle. Denn diese zeigt sehr erstaunlich, wie individuell ein Questverlauf sich in Kingdom Come Deliverance gestalten kann.

Denn genau diese Stelle hat einige andere Variationen. Wer wie wir trotz anderer Order von Captain Bernard alleine auf die Suche nach den Feinden geht, aber früher diesen Ort erreicht, erlebt einen Streit der beiden Angreifer. In diesem fordert einer der beiden den anderen auf ihn zu töten, wir müssen also beide bekämpfen. Wer, wie wir, sehr lange braucht, um die beiden zu finden, erlebt, dass dieser Mord bereits stattgefunden hat. Möglich wäre aber auch, bereits zuvor dem Captain Bericht zu erstatten, was dazu führt, dass wir mit den anderen Soldaten den Hinweisen, die in den Wald führen, nachgehen. Wir finden: eine großartige Designentscheidung, welche die Langzeitmotivation extrem erhöhen wird, mehrmaliges Durchspielen also spannend macht. Denn Entwickler Warhorse Studios betont auf Nachfrage, dass diese Dynamik in unserer Quest keine Ausnahme, sondern die Regel darstellen sollte.

Die Rüstungen sehen großartig aus

Nicht minder stimmig, die Flora und Fauna

 

Fazit

Nach der Gamescom sind wir sehr guter Dinge für den Titel . Kingdom Come Deliverance wird kein mittelalterliches Kampfspiel. Es wird ein Titel mit einem starken Fokus auf der Geschichte, auf eine glaubwürdige Darstellung dieser Zeit und einem starken Fokus auf Erkundung und Erforschung. Eine gute Entscheidung. Die Geschichte um den Schmied Henry klingt spannend und die sehr dynamischen Quests sind großartig. Fragezeichen bleibt aber neben Kleinigkeiten wie der Spiellänge, ob die Geschichte wirklich durchgehend spannend ist. Auch ob die Kämpfe noch spannender und etwas größer werden, wissen wir noch nicht, ist aber anzunehmen. Ein mittelalterliches Spiel ohne Burgbelagerungen würde sich etwas seltsam anfühlen. Technisch muss ebenfalls noch nachgebessert werden, die Fehler in unserer Demo dürfen im fertigen Spiel nicht mehr enthalten sein. Wenn also die Warhorse Studios hier nachbessern und die Qualität unserer 30 Minuten Anspielzeit über die gesamte Spiellänge halten können, wird das ein Hit. Eines unserer Highlights der Messe.

Ein kommentiertes Video mit In-Game Material folgt in den nächsten Tagen!

 

 

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