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Die Beste aller Welten: großes Kino

Die Beste aller Welten: großes Kino

Bewegend und voller Emotionen wird die Geschichte von Adrian Goiginger erzählt. Ein autobiographischer Film über die wunderbare Liebe seiner Mutter zu ihm und ihren Kampf gegen die Heroinsucht. 

Adrian Goiginger wollte, wenn er groß ist, Abenteurer werden. Sein Traum war es auf Spurensuche durch verzauberte Welten wandern und dort die Ungeheuer zu bekämpfen. Seinem Traumberuf ist er mit diesem Langspiel-Filmdebüt ein Stückchen näher zu kommen. Adrian ist nicht nur einer der Hauptprotagonisten im Film „Die Beste aller Welten“, sondern auch gleichzeitig der Filmemacher. Der Tod seiner Mutter 2012 war für Adrian der Anlass, den Film über seine Kindheit zu machen. Ein Film, wo die Beziehung zwischen ihm und seiner heroinabhängigen Mutter im Mittelpunkt steht. Die Beste Aller Welten ist kein typischer Drogen-Film, wo jemand mit gehobenen Zeigefinger darauf hinweist, dass Drogen schlecht sind, sondern mehr ein Film, wo es um die Stärke, um die Kraft und um die Liebe der Mutter zu Adrian geht.

Der Film spielt in einem Vorort der Stadt Salzburg.  Adrian lebt mit seiner Mutter und dem Freund seiner Mutter in einer kleinen heruntergekommen Wohnung. Adrian geht noch in die Volksschule und seine Freizeit verbringt er hauptsächlich mit seiner Mutter, die trotz ihrer schweren Abhängigkeit das Beste für ihren Sohn gibt und ihn unheimlich liebt. Aus der Sicht von Adrian, gespielt von Jeremy Miliker, bekommt man einen Einblick in die Salzburger Drogenszene und in seine Kindheit. Helga, die Mutter, wird von der bekannten Salzburger Schauspielerin Verena Altenberger verkörpert.

Hart ausgedrückt kämpft Helga in zwei Welten um ihr Leben. Eine Welt ist die Sucht, die Flucht in die Drogenexzesse, in die Blase des Vergessens und benebelnde Räusche. Die andere Welt besteht aus der Liebe zu Adrian, der großen Aufgabe, eine fürsorgliche Mutter zu sein und für Adrian eine Umgebung schaffen, in der er sich entfalten kann. Den Kampf in beiden Welten kann Helga nicht gewinnen. Im Film werden die beiden Paralleluniversen abwechselnd gezeigt, die Sucht wird durch einen gefangen Dämon verkörpert, der kurz davor steht auszubrechen und sein Unheil zu verbreiten. Die andere Welt zeigt liebevolle Szenen am Fußballplatz, beim Spazierengehen oder beim gemeinsamen Kochen. Helga weiß: sie muss den Kampf gegen die Sucht gewinnen und für ihren Sohn clean werden – doch dazu muss sie den Dämon besiegen.

Für Adrian ist seine Kindheit ein einzigartiges und aufregendes Abenteuerland. Er darf lange aufbleiben, hat viele Kontakte mit Erwachsenen und darf mit Feuerwerkskörpern hantieren. Für das seltsame Benehmen der Freunde ihrer Mutter gab es märchenhafte Begründungen – erzählt von Helga. Die Tür zu der Welt der Abenteuer war für Adrian immer geöffnet, sein Zimmer ist voller Entdeckungen, die er auf seinen „Expeditionen“ gemacht hat. So wird die Kindheit von Adrian aus seiner Sicht als sehr positiv wahrgenommen – bis auf die Übergriffe eines Dealers, der ihn mit Wodka abfüllen wollte. Aus der heutigen Sicht des erwachsenen Adrians würde er seine Kindheit als sehr behütet betrachten.

Die berührende und schonungslose Hommage an seine Mutter zeigt diese als starke Frau, die trotz dem Kampf mit der Sucht alles für ihren Sohn tut.

Dieses autobiographische Werk ist etwas ganz Besonderes. Mit dem Film machte Adrian Goiginger einen mutigen Schritt und gab nicht nur der Mutter-Kind-Beziehung und seiner Kindheit eine Bühne, sondern auch den Menschen im Drogen-Milieu. Er bietet mit dem Film ein wunderbares Beispiel für die eigene Widerstandskraft, die eigene Motivation etwas zu ändern. In einem Interview erzählte er, dass er seine alten Freunde im Zuge der Recherchen wieder besucht hatte und die alle im Sumpf der Drogenszene feststecken. Kaum jemand außer ihm hätte den Absprung geschafft – auf dies ist er sehr stolz.

Ein Film der noch lange nach wirkte und teilweise Tage später immer noch sehr bewegend ist. Der Film wurde als Eröffnungsfilm des heurigen Heimatfilm-Festivals in Freistadt gezeigt und kann schon auf unzählige Preise zurückblicken. Und glaubt man dem Filmfestival-Gossip, wäre dies durchaus ein Anwärter auf den Oscar für „den besten fremdsprachigen Film“.

Die Beste aller Welten
Mehr Informationen zum Film findet ihr auf der Homepage.

Drehbuch und Regie: Adrian Goiginger.
Schauspieler: Verena Altenberger, Jeremy Miliker, Lukas Miko, Michael Pink u. a.
Seit 8.9.17 in den österreichischen Kinos

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Studentin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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