Wer zu einer Veranstaltung geht, ist oft bereits im Vorhinein über ihren Inhalt informiert und gewohnt, dass das Programm nicht speziell an sie_ihn angepasst wird. Eine gegensätzliche Herangehensweise wählten jetzt die Kulturvereine Die Fabrikanten und KomA bei ihren Spotter Trips am 23. und 24. September von Linz nach Ottensheim. Dabei galt es, sich auf ein nicht festgelegtes Geschehen einzulassen, es gar selbst zu beeinflussen und so zu intimen Begegnungen mit Künstler_innen zu gelangen.

Linz, am späten Nachmittag des 23. Septembers 2017 – Während manche Menschen an der Donaulände spazieren oder auf dem Salonschiff Fräulein Florentine die Sonnenstrahlen genießen, stellen sich andere beim Bus der Fabrikanten für Tickets an oder steigen gleich in eines von zwei Spotter-Schiffen (von engl. to spot = „beobachten, erkennen“) ein. Darunter befindet sich zum Beispiel die „MS Art“, die über eine Wohnküche, einen Schlafbereich sowie eine Toilette verfügt und sich mit einer Kleingruppe aus etwa 12 Kulturinteressierten, einem Kapitän und der Clownin, Akrobatin und Komikerin Martha Labil auf den Weg macht. Nach Ottensheim geht es mit Taschentüchern zum Winken; verteilten Fahrtenbüchern, die Platz für Notizen, aber auch eine Vorlage für ein Papierschiff bieten; mit Steinen, die ins Wasser geworfen werden dürfen sowie Raum zum Malen und die Gegend beobachten. Das alles passiert in ungewohnter Ruhe; ohne Musik und ohne Handys, da die Besucher_innen gleich zu Beginn der Fahrt dazu aufgefordert werden, persönliche Gegenstände einschließlich der Mobiltelefone abzugeben. Knappe zwei Stunden sind es, die nicht durchgeplant sind; bei denen offen ist, ob Gespräche entstehen, wer mit wem in ein Gespräch kommt, wer welches Angebot ausprobiert und ob Rückzugsgebiete geschaffen werden oder nicht. Ein Abendessen, bestehend aus gekochten Kartoffeln mit Dip und Butter, Käse und Salat, rundet den ersten Teil der Veranstaltung ab, bevor das kleine Schiff anlegt.

Die Besucher_innen, die das Schiff verlassen, haben nun die Auswahl zwischen einem Aufenthalt auf der angelegten MS Sissi mit Barbetrieb – Dort tritt zwei Stunden später der Musiker BRUCH, angesiedelt zwischen Rock ’n’ Roll, Postpop und grummeliger Stimme, auf- , Pizza und Getränken aus dem Polymobil und intimen Theaterminitaturen. Die sind das hervorstechende Highlight des Abends und laden jede halbe Stunde zu den unterschiedlichsten Begegnungen ein. Dabei zeigen nummerierte Karten an, wer in welches Auto auf der angelegten Fähre in Ottensheim steigt. Auf dem Programm stehen pro Interessierte_r_m einzeln zwei Kunstexperimente mit der Performance-Gruppe Club Real, dem Tanz-/Theater-Ensemble Zigurrat Project und vielen anderen. Sound- und Live Art Projekte, die etwa aus einem freundlichen Gespräch über Musik und damit verbundenen Erinnerungen, aber auch aus Begegnungen, die die Nerven einzelner Besucher_innen mehr strapazieren können, bestehen. Künstler_innen tragen Masken, verbinden ihrem Gegenüber die Augen und führen es in Wagen, in denen geschrien und geweint wird. Dabei ist das fünfzehnminütige Geschehen immer auch von den Reaktionen des_der Besucher_s_in abhängig. Eine Variante war es beispielsweise, dass ein Künstler jemanden in den Arm genommen und gestreichelt hat. Wer das Geschehen zu beunruhigend fand, konnte es aber auch vorzeitig beenden.

Insgesamt waren die Spotter Trips gut organisiert. Das fing damit an, dass die Kultur auf der Donau von Anfang bis Ende mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen war und dass sich der Bus der Fabrikanten sowohl in Linz als auch in Ottensheim für Tickets und Fragestellungen vor Ort befand. Zuletzt achteten die Fahrer_innen der Shuttle-Busse schließlich auch darauf, alle angemeldeten Fahrgäste wieder nach Linz zu bringen. Die Gespräche im Shuttle-Bus und der Besucher_innen zuvor in Ottensheim lassen darüber hinaus erahnen, dass die Spotter Trips einen ungewohnten, aber doch abwechslungs- und ereignisreichen Abend, der vielen in Erinnerung bleiben wird, boten. Kunst und kulturelle, experimentelle Konzepte sind mit Kulinarik verbunden worden. Kritisch anzumerken ist nur, dass eine Viertelstunde sehr kurz ist, um sich auf Neues einzulassen, und die Pausen für Besucher_innen, die erst für späte Begegnungen bis 23.30 Uhr ein Ticket hatten, lange waren. Am Sonntag fand zudem kein Konzert mehr statt. Hier hätte es sich angeboten, das Rahmenprogramm durch Ausstellungen, Musik, Theater oder kurze Performances zu erweitern.

Die Spotter Trips waren eine kommunikative Veranstaltung der Fabrikanten in Linz, die seit 25 Jahren Projekte, sowohl für Auftraggeber_innen als auch aus freien Stücken, realisieren.

 

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