Welchen Stellenwert haben Bush im zeitgenössischen Rock? Die britische Formation rund um Aushängeschild Gavin Rossdale, die in den USA mehr Erfolg als in ihrer Heimat Großbritannien genießt, bietet dem Wiener Publikum Musik aus einer Zeit an, als die Band das Königszimmer des Grunge mit kernig-pointiertem Alternative Rock vermählte. Nach Jahren trifft dieser Habitus abermals ins Schwarze.

Auf Platte basteln Bush weiterhin eifrig an einer Art Renaissance ihrer Karriere. Standardisierte Power-Balladen und Alibi-Rocker, die mal mehr, mal weniger überzeugen, hat das aktuelle Werk „Black And White Rainbows“ zu bieten. Man könnte auch sagen, dass der mittlerweile 51-Jährige und seine drei Mitstreiter Robin Goodridge (Schlagzeug), Chris Traynor (Gitarre) und Corey Britz (Bass) mit recht vorhersehbaren Angelegenheiten um sich schmeißen. Rossdale, der zuletzt Liebling der Boulevardmedien innerhalb und außerhalb von Europa war, scheint den Songwriting-Faden ein Stück weit verloren zu haben. Das eigene Leben als Inspirationsquelle sollte eigentlich genug Stoff liefern, um zwingendes Material abzuliefern. Dem ist leider nicht so, sind doch aktuelle Songs wie „Lost In You“ oder „Mad Love“ bei Weitem nicht so überzeugend ausgefallen wie sie sollten.

Das sieht die Band wohl nicht ganz unähnlich. Vom Comeback-Album nach der Trennung „The Sea Of Memories“, dem darauffolgenden „Man On The Run“ und dem aktuellen Werk, schaffen es gerade Mal drei Songs ins Set. Stattdessen: Ein Greatest Hits-Programm, das keine Wünsche offen lässt. Zuvor zelebrieren die britischen RavenEye wüsten wie lässigen, vom Blues infizierten Hardrock, der mal an Soundgarden, mal an Wolfmother erinnert. Das Trio, welches schon mit Bands wie Aerosmith, Deep Purple oder Blues Bills unterwegs war, tritt sympathisch auf, mit viel Spielfreude und Witz, der an manchen Stellen jedoch etwas aufgesetzt wirkt.

Die nachdenklich-lauten Rocksongs , die mit hohem Pop-Appeal glänzen wie „Swallowed“, „The People That We Love“ oder „Machinehead“, werden anschließend wie alte Freunde begrüßt und wohlwollend aufgenommen. Es braucht zwar ein paar Songs, bis sich der Ton im Wiener Gasometer einspielt, doch anschließend ist das Eis gebrochen. Spätestens als Rossdale einen Ausflug in die Menge macht, auf Körperkontakt mit dem Publikum geht und gemeinsam mit den Besuchern „Litte Things“ anstimmt, gibt es bei den Fans kein Halten mehr.

Bush, die 2017 auf Platte ziemlich verloren auf der Suche nach dem richtigen Pfad sind, bieten zumindest live keinen Grund für Zynismus. Bush überzeugen. Der Sound kommt zwar anfangs viel zu laut, sehr wuchtig und eher matschig aus den Boxen, doch er bessert sich, gerät klarer. Die Flirts mit elektronischen Produktionsmöglichkeiten, die Bush auf dem dritten Album „The Science Of Things“ gekonnt zelebriert haben, wurden im Laufe der Jahre auch nicht weiter aufgegriffen. Mit dem sperrigen „Prizefighter“, der Großtat „The Chemicals Between Us“ und dem gefühlvollen „Letting The Cables Sleep“ gibt es zumindest drei Lieder aus dieser Schaffensperiode zu hören. Das R.E.M.-Cover „The One I Love“ fügt sich auch perfekt ins Set ein.

Es ist nicht ganz zu leugnen, dass Bush mit ihrem jüngsten Werk „Black And White Rainbows“ auf der Stelle treten. Zielsicher zwischen den Stühlen müssen sie sich zurechtfinden. Die Band kann das besser uns das werden sie in Zukunft hoffentlich auch zeigen. Wohin rudert diese Band nun, die früher mit zahlreichen Alternative-Hits beim Publikum punkten konnte? Im Sommer 2018 will das Quartett nach Österreich zurückkommen. Es bleibt abzuwarten.

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Gavin Rossdale im Interview mit subtext.at
bushofficial.com
facebook.com/BushOfficial

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