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Merry Christmas mit Porn To Hula!

Merry Christmas mit Porn To Hula!

„Have yourself a merry little Christmas Day“ – was Judy Garland als Einstimmung auf besinnliche Weihnachten gemeint hatte, konnten Weihnachtsverweigerer am vergangenen Samstagabend in der bummvollen Stadtwerkstatt auf eine ganz eigene Art und Weise erleben. Die Linzer Veteranen von Porn To Hula hatten sich angesagt, und mit Wipeout gleich weitere bekannte Gesichter im Linzer Underground eingeladen. Für all jene, die Weihnachten gerne mit einem Brummschädel verbringen wollten, die ideale Einstimmung.

Pünktlich um 22 Uhr – also für Linzer Konzert-Verhältnisse pünktlich – standen mit Wipeout mehr als bekannte Gesichter auf der Bühne. Auch wenn der musikalische Kontrast zu den folgenden Porn To Hula stärker nicht sein hätte können, waren Wipeout mehr als einen kurzen musikalischen Abstecher wert. Unter dem Motto „Oldies but Goldies“ luden Fuckhead-Urgestein und lebende Bühnenperformance Didi Bruckmayr an den Vocals, Fadi Dorninger an den Synthies und Didi Kern an den E-Drums zum weihnachtlichen Abshaken. Dass sich dabei elektronische Musik und gesellschaftskritische Texte nicht ausschließen, verstand sich dann schon fast von selbst. „Würdelos, aber fröhlich altern mit Wipeout!“ – so las sich der Ankündigungstext auf Facebook zum dazugehörigen Konzert. Nunja, würdelos sollte man das nicht bezeichnen, aber diese brachiale Abfolge von Kickdrums, Bass und Synthie-Pop darf man gerne eine Stunde seiner Lebenszeit schenken.

Apropos „brachial“: ja, das sind Porn to Hula noch immer. Und unter uns gesagt: in diesem Land gibt es garantiert nur einen Frontmann, der das Outfit tragen darf, ohne peinlich zu wirken: Phil Sicko. Und Porn To Hula verkörpern auch 2017 noch das, was sie sympathisch macht: dass sie sich auf der Bühne aber sowas von nicht ernst nehmen. „Big Cups ’n‘ Refills“ heißt das neueste Hard-Rock-Werk, das im vergangenen Jahr das Licht der Plattenwelt erblickte. Der Inhalt? Laut, rumpelnd, drückend, schweißtreibend. Klingt scheiße? Ist es aber nicht. Spätestens nach einer zwei Nummern dauernden kleinen Aufwärmphase nimmt die Hula’sche Dampfwalze Fahrt auf. Kein Hard-Rock-Klischee, das nicht durch den Kakao gezogen wird, und eine Bühnenpräsenz, die jungen Bands als Beispiel dienen sollte. Zumindest dann, wenn man länger in Erinnerung bleiben möchte. Zugaben? Gibts natürlich – mit der wohl ungewöhnlichsten, naja, sagen wir mal Acoustic-Nummer dazu, die Linz dieses Jahr gesehen hat.  20 Jahre werden es, die Porn to Hula jetzt schon auf der Bühne stehen. 20 Jahre, die zwar ohne sie möglich gewesen wären, aber die Linzer Musiklandschaft um einiges langweiliger gemacht hätten. Bitte weiter „Dickheads by the balls grabben“!

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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