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Architects: die Core-Götter sind noch unter uns

„All The Gods Have Abandoned Us“ – das aktuelle Album der britischen Metalcore-Ikonen Architects hatten viele wohl als letztes ihres Schaffensprozesses erwartet. Kein Wunder: der Krebstod von Gründungsmitglied Tom Searle, Bruder von Drummer Dan, hatte 2016 einen traurigen Schatten über die Band geworfen. Viele fragten sich: würde es weiter gehen? Wenn ja, wie? Zur Freude vieler beschlossen Architects, die Legacy fortzusetzen. Wovon man sich am Sonntagabend im Wiener Gasometer überzeugen konnte: Architects überzeugen noch immer. Vielleicht mehr denn je. 

Sonntagabend, Wien, Gasometer. Die Halle war zu Beginn des Konzertes um 20 Uhr bereits überraschend gut gefüllt, gut 2000 Leute werden es schon gewesen sein. Mit Counterparts war der erste von zwei Supports davon wohl ebenfalls ein wenig überrascht. Die Combo aus Ontario/Kanada ist hierzulande keine Unbekannte mehr – vor knapp zwei Monaten waren sie bereits mit The Amity Affliction im Rahmen deren Tour unterwegs und in Österreich unter anderem im Posthof in Linz zu sehen. „“If you want to get crazy – go ahead. If you don’t, then don’t, because I get paid either way!“ – die Meinung des Publikums dürfte sich ungefähr in der Mitte getroffen haben. Solide.““ Das schrieben wir damals. Nach dem Konzert am Sonntag können wir sagen: Wien hat da eindeutig gewonnen. Denn die Mannen um Rampensau Brendan Murphy schienen durchaus Spaß an dem knapp 30 Minuten dauernden Set zu haben. Aber ein bisserl sudern darf man dennoch. Manchmal wird ja unter Konzertgehern behauptet, dass „der Sound im Gasometer immer Scheiße ist“. Seit Sonntag wage ich zu behaupten: jup, stimmt. Denn schwer verständliche Vocals und Gitarren, die man dann im Soundbrei fast schon suchen muss, sind nicht unbedingt das, was ich von einem Konzert erhoffe. Liegt aber weniger an den Counterparts, denn deren Show selber zauberte durchaus den einen oder anderen ersten Grinser in das Gesicht der Besucher.

Weiter ging es danach mit einer bandgewordenen Urgewalt. While She Sleeps waren als zweiter und letzter Versuch vor den Architects zu sehen. Live sind die eine Band, die man nur unter dem Deckmantel „Wow“ sehen kann. So auch am Sonntag – das Publikum dankt es mit frenetischem Jubel, der das ganze etwa dreiviertelstündige Set nicht abreißen sollte. Der letzte Song „Hurricane“ ist mit Sicherheit als „Name als Programm“ zu sehen – denn das, was Loz Taylor da auf der Bühne veranstaltet, sieht man so sicher kein zweites Mal. Eine Band, der man den Headliner-Slot gerne gegönnt hätte, hätte sie ihn doch imposant ausgefüllt. Da verzeiht man auch die bereits bei Counterparts erwähnten technischen Kritikpunkte.

Wären da nicht Architects gewesen. Deren Show stand nämlich unter dem Motto „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“. Ironisch-traurigerweise, und wohl beabsichtigt, wird mit „A Match Made in Heaven“ ein Konzert eingeleitet, für das das Prädikat „Abriss“ die Untertreibung des Jahres wäre. „All Our Gods Have Abandoned Us“ heißt die eingangs bereits erwähnte aktuelle Platte – und Architects sind damit sich selbst treu geblieben. Sicher mit das Beste, was man im Genre hierzulande zu hören kriegt. Honorary Mention geht übrigens an dieser Stelle an den Tontechniker: hatten wir beim Support noch das Gefühl „Och neee!“, war bei Architects sicher einer der besten Sounds, den ich je in dieser Location hörte, zu bewundern. Thumbs Up dafür. Eine gute Stunde knüppeln sich Sam Carter und Co durch die Bandgeschichte, und klarerweise lag der Fokus im Set auf der neuen Platte. Das Publikum: entuhsiastisch, moshend, glücklich. Mit „Alpha Omega“ und „Black Blood“ sind aber auch ältere Klassiker im Set vertreten, bevor mit „Doomsday“ das Ende des regulären Abrisses eingeläutet wird. Politische Messages und (haufenweise) Pyrotechnik inklusive. Mit „Nihilist“ und „Gone With The Wind“ (welch ein Abschluss nach dem Opener „A Match Made in Heaven“!) wird dann ein Sonntagskonzert beendet, das mit das intensivste der letzten Monate war. Sollte jemand die Angst gehabt haben, Architects wären nach Tom Searle nicht mehr dasselbe: diese Angst war unbegründet. Tom wäre wohl happy gewesen!

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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