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„After the party it’s me and you…“ The Menzingers im Flex

Ob Sonntage oder Montage die unbeliebteren Zeitpunkte für die Ansetzung eines Konzertes sind, darüber könnten wir in der subtext-Redaktion wahrscheinlich auch lange diskutieren. Die Besucher im Wiener Flex wirkten vergangenes Wochenende jedoch verdammt frisch, motiviert und ausgeruht. Der Anlass dazu waren drei der vielleicht spannendsten zeitgenössischen Acts aus dem Punk Spektrum, die der nordamerikanische Kontinent derzeit zu bieten hat. Wir waren vor Ort um das Geschehen für euch festzuhalten.

The Menzingers, PUP und Cayetana. Erstere kehrten nach 2 Jahren Abstinenz nach Österreich zurück. Für die PUP und Cayetana war es überhaupt das erste Gastspiel. Mit dem Unterschied, dass man auf die einen bereits seit einigen Jahren sehnsüchtig gewartet hatte (die Show im Vorjahr wurde gecancelt), während man bei den anderen vielleicht noch gar nicht so genau wusste, worauf man da gewartet hat. Wie dem auch sei… es hat sich in allen drei Fällen gelohnt.

Es spricht Bände, dass Cayetana derzeit einer der am meisten gefeierten Acts in der überquellenden Musikszene Philadelphias sind. Die Kompositionen der Band, die irgendwo zwischen Indie Rock und Punk herumtingeln, mögen sehr einfach gestrickt daherkommen, sind aber nun einmal auch überaus catchy, sympathisch vorgetragen und textlich höchst relevant.  Was die drei Damen tun und sagen, ist gewiss nicht bahnbrechend und revolutionär. Die Magie rührt eher von dem her, wie sie es sagen: Roh, pur und ungefiltert. „We can only hurt ourselves for so long.“

Höchst sympathisch – Cayetana

PUP könnte man dann als die jungen Wilden, aber doch bereits etablierten Vertreter in dieser running order bezeichnen. Zwei viel umjubelte Alben hat das Quartett aus Toronto bisher veröffentlicht und damit besonders in Kanada und den USA bereits hohe Wellen in Form von zahlreichen Musikpreisen und ausverkauften Touren geschlagen. Dabei sind ihr hyperaktiver, hibbeliger Punkrock und das schrille Organ von Lead-Schreihals Stefan Babcock sicher nicht jedermanns Sache. Müssen sie aber auch nicht sein. PUP sind eine überfällige frische Brise, die durch ein angestaubtes Genre weht, dass sich für gewöhnlich so gerne auf die guten, alten Tage rückbesinnen möchte. Ihr Gespür für mitgrölverdächtige Refrains und Texte die das Herz am rechten Fleck tragen (oder einfach nur sau komisch sind; siehe „If This Tour Doesn’t Kill You…“) tun ihr übriges. Fazit: Verdammt guter Auftritt und eine Wiedergutmachung dafür, dass der Auftritt in Wien vergangenes Jahr gestrichen werden musste. Außerdem gibt es an dieser Stelle den Sonderpreis für die beste Bühnenansage des Abends: „Vienna is fucking beautiful…and we don’t say that about every city we go to. A few nights ago we were in Karlsruhe…and man, that place sucks!“

Wien ist besser als Karlsruhe – Pup

The Menzingers verarbeiten auf ihrem aktuellen Werk „After The Party“ ihren Eintritt in den „post 30 club“ und entkräften darauf das Klischee der alternden, lahm werdenden Punks noch, ehe man es ihnen an den Hals werfen kann. Wo sie sich den Sarkasmus nicht als Schild vorhalten, da berühren die Vier aus Pennsylvania immer noch mit entwaffnender Ehrlichkeit. Dass sie dabei auch noch verdammt gute Hymnen schreiben können hat ihnen ebenfalls noch nie geschadet. Von Katerstimmung konnte an diesem Sonntag absolut keine Rede mehr sein, denn war das Publikum zuvor bei PUP schon recht aktiv am Mitsingen, so wurde spätestens beim Headliner amtlich Pogo getanzt und gesungen. Die stimmliche Unterstützung kann Greg Barnett gut gebrauchen. Er wirkt etwas angeschlagen und plagt sich bei der ein oder anderen höheren Note, was der Stimmung aber auch nichts anhaben kann. Ganze 20 Songs packen The Menzingers in das 75-minütige Konzert. Der Großteil davon stammt von den letzten beiden Platten, oder dem mittlerweile Bandklassiker „On The Impossible Past“. Sogar ein Bouncing Souls Cover („Kate Is Great“) und eine liebenswert hingerotzte Kurzversion von „The Joker“ finden in der Zugabe noch Platz, ehe The Menzingers ihr zufrieden grinsendes Publikum in den Feierabend entlassen. Es gibt wahrlich schlechtere Arten, seinen Sonntag zu verbringen.

Fotos: Andreas Wörister / Slih’s Photography

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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