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Antilopen Gang: die Rückkehr der linksextremen Hassband

Danger Dan, Koljah und Panik Panzer – die drei Hauptprotagonisten hinter der Antilopen Gang. Kaum eine Band schaffte während der letzten zwei Jahre mehr Aufmerksamkeit und Diskrepanz in der Außenwahnehmung. Am vergangenen Samstag konnte man sich im Posthof in Linz von den Livequalitäten der Pizza-Liebhaber überzeugen.

Gut 500 Leute werden es schon gewesen sein, die nach dem Gastspiel im letzten Jahr während der Bubble Days dem aktuellen Linz-Gastspiel der Antilopen Gang beiwohnen wollten. Support kam an diesem Hip-Hop-Abend von „Gossenboss mit Zett“. Gemeinsam mit MC Hartmann (ich hoff das stimmt jetzt so mit der Schreibweise!) bot der aus Dresden stammende, selbstbetitelte „schlechteste Rapper Deutschlands“ einen ironisch-sarkastischen Blick auf die aktuelle Hip-Hop-Kultur. „Das unantastbare Einkaufswagenimperium“ und „100 Kilo schlechter Rap“ als Albumtitel zeugen davon. Eine lustige Dreiviertelstunde Einstimmung auf die Antilopen Gang, wo man sich mehr als nur einmal kurz vor einem Lachflash wiedergefunden hat. Interaktion mit dem Publikum? Ja, eh vorhanden. Enthusiasmus sollte erst nach Free-Gurken-Wodka-Shots aufkommen. Gehört wohl zum Business, oder so.

Um einiges mehr an Enthusiasmus konnte man danach beim Headliner bewundern. Kein Wunder, sind die Antilopen doch live eine Wucht. Im Gegensatz zu den Bubble Days ohne Wassergraben zwischen der Bühne und dem Publikum – was es auch ihrer Meinung nach einfacher machte – ließen sie auch wenige Zweifel aufkommen, wie der Abend auszusehen hat. Egal, ob beim Klavierintro, der Huldigung an das Abwasser, goldene Presslufthammer und die unweigerliche Pizza – die Herren wissen, wie man einen Abriss veranstaltet. Ab gut einem Drittel des Sets auch mit Liveband macht das durchaus Laune, auch und gerade dann, wenn das Trojanische Pferd in der Zugabe in den Saal geschoben wird. Sicher nicht jedermanns Sache, aber die Sache eines offensichtlich breitgefächtertem Publikum. Von Familie mit Kleinkind bis zu Anarchist war alles vertreten – und wenn die, wie sie die zweitgrößte Linzer Gemeinderatsfraktion bezeichnet hat, „linksextreme Hassband“ solche Gruppen zusammenbringt, kann ja nicht alles schlecht gewesen sein. Eine gute Brise Anarchie im musikalischen Alltag – Prädikat: sehenswert!

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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