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Paul Plut: Lieder vom Tanzen und Sterben

Der Steirer Paul Plut dürfte hiesigen Indie-Pop-Konsumenten zumindest ein Begriff sein. Mit seiner Band VIECH umtriebig, ist der Musiker auf Solopfaden mit seiner Platte „Lieder vom Tanzen und Sterben“ unterwegs. Die wohl düstereste, morbideste Platte, die der hiesige Musikmarkt derzeit zu bieten hat, wird zur Zeit auch Live präsentiert. Auch in einem Linzer Gewölbe hatte der geneigte Zuhörer die Möglichkeit, eines der wohl österreichischsten Konzerte ever zu erleben. Wenn man Klischees folgen möchte.

Auch eine lokale Musikerin hatte sich an diesem kalten Mittwochabend eingefunden. Bianca Ortner war nicht nur bei einem unserer Acoustic Qlashes in der KAPU zu Gast, sondern ist als Frontfrau von Bands wie Melody Current und der Stoner-Rock-Band Intra nicht nur in der Stahlstadt Linz ein Begriff. Die Musikerin, der man ihre gesangliche Ausbildung vom ersten Ton an anmerkt, überzeugt bei jedem Gig. Lieder über das „Wurscht sein“, das „Fallen Lassen“ und mehr gehören zum Repertoire der gebürtigen Mühlviertlerin, der man nur allzu gerne lauscht, während man in seinen eigenen Gedanken versinkt.

Der eingangs erwähnte Paul Plut präsentiert sein aktuelles Album auf Tour als Trio. Gemeinsam mit Kontrabassistin und Drummer ist es eine ganz, ganz eigene Welt, in die Paul Plut entführt. Egal, ob „Lärche“, der omnipräsente Teufel, der Umgang mit seinem Vater – Paul Plut ist morbid, zynisch, dabei mit seiner rauchigen Stimme immer präsent, aber dennoch angenehm im Hintergrund. Einflüsse seiner Aufenthalte in Spanien und Graz hat Paul Plut ebenfalls in „Lieder vom Tanzen und Sterben“ eingebaut. Während des gut eine Stunde lang dauernden Sets verliert man sich in den Tiefen seiner Seele, gelegentlich von Plut’schen Ausbrüchen unterbrochen. Klischeehaft: die österreichische Seele wird selten so gut interpretiert wie in diesem Album, der Humor ist schwärzer als schwarz. Ein starkes Konzert einer starken Stimme und mit einer Platte, die man jetzt schon als eine der besten der letzten Jahre bezeichnen kann!

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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