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New Native: Asleep

New Native aus Wien (und mittlerweile auch Berlin) sind seit ihrer Gründung 2013 aus der heimischen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Im Untergrund konnte die Band mit ihren drei bisher veröffentlichten EPs, sowie einer Europatour als Support für Pianos Become The Teeth durchaus schon größeres Aufsehen erregen. Das Anfang Februar erschienene Debütalbum sollte sie nun mühelos einige Sprossen auf der Karriereleiter emporklettern lassen. Das Potenzial dafür ist auf „Asleep“ zweifellos vorhanden.

New Native bauen auf ihrem ersten Release auf Albumlänge weiterhin das aus, was ihre Entwicklung über die vorangegangenen EPs angedeutet hat. Das hier ist Gitarrenpop – das kann man so unverblümt sagen – mit Wurzeln im Emo der Spät-90er und frühen 2000er Jahre. Man denke beispielsweise an American Football, nur halt ohne die Math Rock und Jazz Einflüsse, an die Hochzeiten von Death Cab For Cutie oder an jüngere Genreperlen wie „Peripheral Vision“ von Turnover. Alles Referenzen, die einem die Festplatte sofort auswirft. Indie Rock, Emo und ein bisschen Shoegaze machen es sich im gedämpften Licht gemütlich und sinnieren über das Erwachsenwerden, das Ausziehen in die Welt, die eigenen Makel und die ewige innere Zerrissenheit. Das alles tut „Asleep“ in einer enorm geschmackssicheren Subtilität. Man könnte fast schon Eleganz dazu sagen.

Elegisch? Ja. Langweilig? Auf keinen Fall. Songs wie die Single „Until It All Stops Spinning“, „The Captor“ und vor allem das grandiose „By Design“ verdeutlichen wie trittsicher sich New Native sich mittlerweile entlang ihrer zuvor gründlich abgesteckten Pfade bewegen und transportieren Michael Hansers Melodien ohne Umschweife direkt ins Langzeitgedächtnis. Über die gesamte Hördauer wünscht man sich vielleicht noch ein oder zwei Momente mehr, in denen die Intensität etwas erhöht wird, wie beispielsweise am Ende von „The Worst Of All“. Das ist aber auch schon mein einziger Kritikpunkt an der Platte. So ist „Asleep“ eine sehr homogene Angelegenheit geworden. Ein Album, dass ab dem ersten Durchlauf zündet und einen mit Fortdauer immer mehr und mehr in Beschlag nimmt und einen regelrecht einwickelt. Wie ein flauschiger Mantel, der einen vor der Winterdepression abschirmt. Das der Abwechslungsreichtum dafür etwas auf der Strecke bleibt, ist leicht zu verschmerzen.

„Asleep“ ist geprägt von einer durchgehenden Reife und Konsequenz, die man einer Band dieser Altersgruppe wohl nicht ohne weiteres zutrauen würde. Dazu unterstreicht es sein getragenes Songwriting mit einem luftig nachhallendem Soundgewand, welches dem Album bei Ghost City Recordings verpasst wurde. Die Vinyl-Variante ist übrigens ab Ende März bei Midsummer Records erhältlich – Darauf kann man sich getrost freuen. Die digitale Version gibt es natürlich schon seit dem offiziellem Release Date Anfang Februar. Allen Menschen, die ihren Indie Rock gern nachdenklich und gefühlvoll mögen und die New Native bislang noch nicht auf dem Schirm hatten, legen wir diese Platte dringend ans Herz. Alle anderen haben „Asleep“ sowieso schon gehört.

 

Tracklist

01. Awful Thinker
02. Night Scene
03. Until It All Stops Spinning
04. The Worst Of All
05. The Captor
06. By Design
07. Tied Down
08. Wash Away
09. Upside Down
10. Parochial V
11. On A Lighter Note

VÖ: 02.02.2018 via Midsummer Records

Download // Vinyl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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