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THIRTY SECONDS TO MARS: Da waren’s nur noch zwei

Musik für jeden und erst recht für niemanden. Diesen auf Hochglanz polierten Schmonz braucht man nicht zu würdigen. Jared Leto, die hollywoodsche Verkörperung der Ein-Mann-Demokratie, versucht sich an der Simulation einer Rockband – und scheitert kläglich. „America“, das fünfte Album von Thirty Seconds To Mars, hat einen verheißungsvollen Titel, besteht inhaltlich jedoch nur aus heißer Luft. Zwölf austauschbar klingende Titel, definiert im Alleingang durch die Megalomanie des Frontmanns, wieder verpackt in ein grellbunt billiges Cover, welches jeder nach Lust und Laune im Internet mit Begriffen beschriften darf. Clever gemeint, furchtbar langweilig. Vision, wo bist du?

Bescheidenheit und Zier waren nie Begriffe im Universum von Thirty Seconds To Mars. Wo fängt die Selbsteinschätzung bei diesem gelebten Gigantismus an, wo hört er dann mal auf? Je erfolgreicher Aushängeschild Leto in den letzten Jahren wurde, desto banaler klangen die Platten. „America“ setzt dem nun die sprichwörtliche Krone auf. Auf der letzten Tour, die sie auch nach Österreich führte, trug er sie ja schon auf dem Kopf. Es lebe die Selbstironie. Schade, dass die beiden Mitmusiker Tomo Miličević (Gitarre/Bass/Keyboards) und sein Bruder Shannon Leto (Schlagzeug) dem Ganzen keinen Riegel vorschieben konnten. Bei den Liner notes zeigt sich, dass sie bei der Baukasten-Produktion der Platte nicht involviert waren. Stattdessen: Mundgerechtes für den Mainstream mit EDM-Produzenten wie Zedd und bloß nicht auf den eingängigen Refrain vergessen! Miličević ist überdies nicht mehr Teil der „Band“, wie die jüngsten Fotos zeigen. Ob er selbst das Handtuch geworfen hat oder gegangen wurde, darüber hüllt man sich in Schweigen.

Die talentierte Vielseitigkeit, die das Debüt vor 16 Jahren aus der Nu Metal-Maße hervorstehen ließ und auch noch das Folgewerk „A Beautiful Lie“ in der damaligen Emo-Welle ein Stück weit über den Durchschnitt hob, ist mittlerweile verloren gegangen. Überraschungen bleiben Mangelware, belanglose Nichtigkeiten werden abgearbeitet. Texte wie „You are insane, my desire, a dangerous game, love, love“ sind mau, Plattitüden wie „Into the great wide open, across a land of blood and dreams, I will save your heart from breaking, won’t you stop, please“ nicht der Rede Wert, die Metaphern enervierend. Einen aktuellen Slogan wie „Make America great again“ beispielsweise popkulturell auf Albumlänge zu hinterfragen, kommt nicht in Frage. Leto arbeitet sich lieber an Pop-Standards ab und will Hoffnung spenden mit einem hoffnungslos nichtssagendem Konsens-Pomp. Der eigenen Vergangenheit wird man damit nicht gerecht werden und man gewinnt den Eindruck, 30STM wissen einfach nicht mehr, wofür sie früher standen. Damit hat das Duo auch das letzte bisschen Rock in sich beseitigt und es sucht lieber einen gemeinsamen Nenner, auf den sich alle Welt einigen kann. Thirty Seconds To Mars‘ Darbietung auf „America“ versumpft im eigenen Mittelmaß ohne jemals konkret Stellung oder Position für oder gegen etwas zu beziehen. Klare Standpunkte sind gefragt, überhaupt Standpunkte. Vor allem ist das Album aber eins: Unfassbar beliebig.

Tracklist:
01. Walk On Water
02. Dangerous Night
03. Rescue Me
04. One Track Mind (feat. ASAP Rocky)
05. Monolith
06. Love Is Madness (feat. Halsey)
07. Great Wide Open
08. Hail To The Victor
09. Dawn Will Rise
10. Remedy
11. Live Like A Dream
12. Rider

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Foto: Universal Music

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