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Rock im Dorf: Summer of 2018

Musikalisch top präsentiert sich das Rock im Dorf schon seit Jahren – heuer mit dabei Garish, Voodoo Jürgens, 5K HD, Cid Rim, Hearts Hearts und viele mehr. Aber auch neben der Musik hatTE das Festival auch heuer wieder so einiges zu bieten – subtext on Tour war natürlich auch dabei.

Oh liebes Kremstal; wie haben wir dich vermisst. Die fast kitschige Landschaft rund ums Festivalgelände erstaunt uns jedes Jahr wieder aufs neue. Aber auch das Gelände an sich selbst – wie jedes Jahr wurde auch heuer wieder sehr viel Liebe in die Dekoration gesteckt. Nicht nur die besonders schöne Umgebung oder Dekoration sind dafür verantwortlich, dass wir uns am Rock im Dorf so wohl fühlen – sondern auch der Fakt, dass es sich um ein Green Event handelt und vom leckeren Essen bis hin zur Müllvermeidung auch auf die Natur geachtet wird.

Ein andere Wohlfühlgrund ist das vielfälltige Programm. Schon am Nachmittag gab es am Festivalgelände selbst einiges zu erleben. Im DJ-Corner ging es schon ab den frühen Nachmittag heiß her und bei offiziellen Merch-Stand konnte man sich sein eigenes Merch-Shirt siebdrucken. Neben dem reichlichen Angebot möchten wir ganz uneigennützig besonders unser eigenes Erwähnen. Wie schon letztes Jahr waren auch wir heuer wieder mit unserem subtext on Tour-Stand vor Ort, um das 2. Rock im Dorf Flunkyball Tunier auszutragen – es wurde lange um die goldene Bierdose gespielt. Aber wie es so ist im Leben: es kann nur ein Gewinnerteam geben. Wir gratulieren nochmal herzlich den Spieler*innen von Just In Bieber. Natürlich hatten wir auch unsere heißbegehrte Schminkstation und Polaroidfototeam dabei. Kurz gesagt, solltet ihr nach dem Wochenende irgendwo Glitzer finden –  dann freuen wir uns, dass ein Teil von uns es in eure Wohnung geschafft hat und für immer dort bleiben wird.

Parallel zu unserem Flunkyball-Tunier starteten auch schon die erste Band. Das Festival wurde von der Band Lex Audrey eröffnet. Das Projekt von Niklas Apfel (Pichler), Patrick Pillichshammer  und Lukas Staudinger überrascht einen musikalisch immer wieder. Mit ihrer EP „GodGiven“ haben sie einen großartigen Start hingelegt und sich in Österreich bereits einen Namen erspielt. Musikalisch sind die Jungs auch am Rock im Dorf perfekt aufeinander abgestimmt – da sitzt jeder Ton und alles wirkt, als wäre jede Passage bis zum leisesten Ton perfektioniert. Songs wie „All about the inside“ oder „GodGiven“ ließen das Publikum näher zur Bühne rücken und sich den großartigen Indieklängen hingeben.

„MTV ist tot und hat mich belogen!“ – ist wohl die bekannteste Zeile aus dem Lied „Prinzip“ von der zweite Band am Rock im Dorf – Yukno. Die Musik der Jungs aus der Steiermark fordert einfach auf alle Hemmungen fallen zu lassen und auch ausgelassen zu Tanzen – selbst am Nachmittag, wo es draußen noch hell ist. Dieser Tanzaufforderung sind auch einige Besucher*innen nachgekommen. Wie hätte man bei den feinen Sound, der irgendwo zwischen Indie und 90er angesiedelt ist, auch widerstehen können.

Mithalten können da vor allem Hearts Hearts. Bereits am Stream Festival in Linz haben wir uns in die Jungs ein kleines Bisschen verliebt. Ihre aussagekräftigen Indieklänge gepaart mit der eingängigen Stimme von Sänger David Österle geben eine außergewöhnlich gute Mischung ab. Schön zum Lauschen und Tanzen.

Neu war für uns die musikalische Kombination Lea Santee rund um Sängerin Lea Stöger und dem Producer Manuel Hosp aus Wien. Die Beats erinnern etwas an den großartigen Motsa – aber durch die wunderschöne klare Stimme von Lea Stöger entsteht etwas ganz Einzigartiges. Neben dem doch sehr elektronischen Sound war es umso schöner zu sehen, wie die Akustik-Gitarre aus ihrem Versteck hervorgeholt wurde und wir auch diese Seite der Band kennen lernen durften.

Mittlerweile haben wir es ihnen schon fast verziehen, dass sie „Eisenherz“ nicht gespielt haben. Ja, die Rede ist von Garish. Auch wenn der Sänger Thomas Jarmer auf Grund einer Beinverletzung mehr Zeit sitzend verbrachte, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Schon über 20 Jahren ist die Band nun ein Bestandteil der österreichischen Musiklandschaft, die wir auf keinen Fall missen möchten. Eine Band mit so einer bewegten Geschichte wie Garish hat auch so einige zu erzählen, zB. mit den Liedern „Spuk“ oder „Ganz Paris“. Und bei einem kann man sich sicher sein: nicht nur wir in der ersten Reihe sangen bei den „Oh lalas“ kräftig mit. Die Musik packte auch die hintersten Reihen und so erhob der Besucherchor vom Rock im Dorf die Stimme bei fast jedem Lied.

Anderes, aber nicht weniger qualitätsvoll ging es mit 5K HD in der Halle weiter. Zuletzt haben wir die Wiener Band auch am Stream Festival in Linz live erleben dürfen. Wir sind der Band damals schon ziemlich verfallen – und das hat sich auch am Rock im Dorf nicht geändert. Die junge Formation begeistert durch ihre individuelle Mischung, die sich irgendwo zwischen Pop, Elektro, Indie und Jazz bewegt. Nach dem doch eher ruhigeren Konzert von Garish eine willkommene Abwechslung.

Headliner des Abends war Voodoo Jürgens mit seiner Ansa-Panier. Voodoo Jürgens alias David Öllerer hat die Kunstfigur perfektioniert und präsentiert sich in gewohnter Wiener Grantlermanier. Zwischen Liedern wie  „Heute grob ma Tote aus“ oder „Gitti“ gab es wie immer lustige Ansagen, die selbst den Mundl stolz gemacht hätten. Mutig war auch das Cover von Ludwig Hirschs „Omama“ – eine kleine Kostprobe quasi auf das Herbstprogramm, wo Voodoo Jürgens eine gesamte Show dem im November 2011 verstorbenen österreichischen Musiker widmet.

 

Den Abschluss machte am Freitag Cid Rim. Live vor Ort produzierte Beats lassen die Herzen eines jedes Elekro-Fans höher schlagen. Ein perfekter Abschluss für den ersten Festival Tag – und zu 100 Prozent tanzbar.

Tag 2

Nach langem Schlaf und einer guten Dusche starteten auch wir in den zweiten Tag des Rock im Dorf Festivals. Andere Alternative wäre morgentliches Yoga gewesen, denn wie auch am ersten Tag gab es bereits vor den Bands wieder ein vielfältiges Programm. Von dem eben genannten Yoga bis hin zu einer Festival-Millionenshow, Beerpong oder auch Flipcup. Hier konnten sich bei unserem mit Hüpfburg und Wasserrutsche ausgetstateten Parcour wieder das Team Just In Bieber durchsetzten, die damit zweimal die goldene Bierdose errungen konnte. Starke Leistung!

Musikalisch eröffneten um halb acht PauT & The Great Kellys den Konzertabend. Mit Kapitänsmütze und viel Charme präsentierte er am Rock im Dorf gemeinsam mit seiner Band sein Solo-Debütalbum. Irgendwo in den österreichischen 80ern angesiedelt, mit teilweise politischen Texten und einem außergewöhnlichen Sound, und das Ganze in einem leichten Dialekt. Klingt vor allem mit dem auf der Bühne gezeigten Humor ganz ordentlich. Für das Publikum war es wohl dann leider doch etwas zu früh in der Tageszeit. Die darauffolgenden Dives mussten wir leider auslassen, so ein Subtext on Tour-Stand baut sich angeblich auch nicht von selbst ab.

Weiter ging es für uns dann mit unsere Linzer Freunden von FLUT, die mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Rock und Pop und mit dem Song „Linz bei Nacht“ endgültig österreichweit bekannt geworden sind. Ein gewohnt amüsanter und guter Gig. Man kann Sänger Johannes live die stellenweise vorhandene Ähnlichkeiten zu Falco nicht abstreiten, in so schönem leichten Wiener Dialekt redet er mit dem Publikum und manchmal wirkt das auch in Bezug auf Wortwahl und Gestik etwas seltsam. Aber das gehört zum Charme der Band, die viele Besucher vor die Hauptbühne bewegte. Sogar ein neuer Song als Vorbote eines neuen Albums gab es zu hören, um dann mit dem bereits erwähnten Hit glückliche Zuhörer in die weitere Schlierbacher Nacht zu entlassen. Ein gelungener Gig, gerne wieder!

Kurz den Biervorrat auffüllen und danach wieder ab in das Sägewerk zu dem Hip-Hop Duo Kreiml & Samurai. Ich muss ehrlich gestehen: für dieses Genre bin und bleibe ich auch der falsche Kritiker, der Fairness wegen verzichte ich also darauf, diese zu kritisieren. Der vollen Halle hat es aber richtig gut gefallen, man muss den beiden auch lassen: Energie haben sie und davon nicht zu wenig. Wer also ein Freund des Genres ist und mit Dialekt-Hip Hop etwas anfangen kann, ist mit diesem Gig vollkommen glücklich. Ebenfalls ganz großen Daumen nach oben für die Erinnerung und den Shout Out an Huckey. RIP.

Auf Hip-Hop folgte Prog-Rock-Donnerwetter. Das urgewaltige Tiroler Trio Mother’s Cake stand anschließend auf der Hauptbühne und war gekommen um den Rock ‚N‘ Roll der 70er ins Hier und Jetzt zu katapultieren. Funky Gitarrenparts, eine ultra tight groovende Rhythmussektion, lange Mähnen, lässige Outfits und die obligatorische Tschick im Mundwinkel – alles da was man für eine gute Rockshow braucht. Und wer sein Handwerk so grandios beherrscht wie Yves, Benedikt und Jan, der darf auch das eine oder andere Klischee beherzt bedienen. Mittlerweile 3 Studioalben, mehrere Touren um den Globus und auf Auftritte mit großen Nummern wie Iggy Pop, Velvet Revolver, Deftones und Limp Bizkit zeugen von vorhandener Klasse. Auch die ausgelassene Stimmung am Rock im Dorf hat sich die Band mehr als verdient. Wer auf technisch anspruchsvolle Rockmusik steht wird hierzulande weiterhin nicht an Mother’s Cake vorbeikommen.

Etwas gediegener wurde das Abschlussprogramm unter freiem Himmel, wo mit der Mundwerk Crew eine klassische Partyband nochmal in der Hip-Hop Trickkiste wühlte. Motto: „Wir wollen eure Hände sehen!“ und natürlich ordentlich mitspringen. Der Unterhaltungswert war durchaus da und die Crew auf der Bühne bemüht und durchwegs sympathisch. Auf die Dauer wurde uns das lyrische Themengebiet „Hände hoch – Party!“ dann aber doch ein bisschen zu eintönig und es zog uns zum Finale ins Sägewerk zur Crew Love Stage, wo die absolut irren „Daft Punk meets Mötley Crüe“ Gestalten namens Powernerd noch einmal alles zerlegen sollten. Eine seriöse Einschätzung dieses Erlebnis darf man an dieser Stelle aufgrund der Zuvor konsumierten Mengen an Alkohol leider nicht mehr von uns erwarten, es war aber auf alle Fälle ein spätes Highlight eines tollen Wochenendes am Rock im Dorf.

Fotos: Lisa Leeb, Christoph Thorwartl, Andreas Wörister (Homepage)
Text: Lisa Leeb (Freitag), Andreas Wörister, Patrick Datscher (Samstag)

 

 

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