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Metaldays 2018: heuer mal dekadent / Tolmin, Slowenien

Metaldays 2018: heuer mal dekadent / Tolmin, Slowenien

Wenn schon Festival, dann Metaldays! Bereits zum zweiten Mal zog es mich in die kleine Stadt Tolmin in Slowenien, in der das 15. Metaldays stattfand. Mit ca. 14.000 Besuchern zählt es zu den eher kleineren mehrtägigen Festivals. Direkt am Gebirgsfluss Soca gab es wieder Musik, Spaß und Entspannung in Kombination. Auf Bands wie Behemoth, Alien Weaponry, Judas Priest oder Darkened Nocturn Slaughtercult waren wir mehr als gespannt. Was ihr unbedingt bei eurem nächsten Festivalbesuch beachten solltet und was für spektakuläre Shows wir noch gesehen haben, erfahrt ihr hier.

Die erste Frage, die in uns aufkam, als wir dieses Jahr in Tolmin ankamen: Was haben wir uns eigentlich dabei gedacht, gleich drei Tage vor offiziellem Festivalbeginn hier aufzuschagen? Zum Wandern, so wie wir es vor hatten, war es definitiv zu heiß. Trotzdem erwies sich unsere frühe Anreise letztlich doch als absolut vorteilhaft.

Bis man nach der Ankunft endlich seine Bändchen und Ausweise hat, hin und her geschickt wird, kostet es auch als Frühanreisender ein paar Nerven und vor allem Zeit. Endlich im offiziell beschrifteten Presse-, Crew- und VIP-Campingbereich angekommen, dachten wir zuerst, wir wären irgendwo falsch abgebogen. Denn auf der grünen, mit Plastikbändern abgegrenzten Wiese stand nichts und niemand! „Da is ja nix, kein einziges Zelt in Sicht!“ Auch zwei Rundgänge in dem Areal und Telefonate mit später anreisenden Pressekollegen brachten uns nicht viel weiter. So wie es aussah waren wir tatsächlich die allerersten dort. Irgendwer muss ja wohl anfangen, oder? Sobald man diese ungewohnte Situation mal verarbeitet hat, sucht man sich so schnell wie möglich den besten Platz und fängt mit dem Zeltaufbau an.

Wenn ich letztes Jahr eine Sache übers Festivalleben gelernt habe, dann ist das, dass natürlicher Schatten eine absolut geile Sache für Zeltbewohner ist. Dabei gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, denn die Plätze unter den Bäumen sind schnell vergriffen. Freitags anzukommen hat sich letztendlich doch gelohnt. Für traumhafte 18 Grad im Zelt hätte ich wahrscheinlich sogar Geld gezahlt, oder meine Seele verkauft.

Der VIP-Campingbereich liegt auf dem Hügel neben der Mainstage. Letztes Jahr, waren wir noch mitten im Getummel des regulären Zeltplatzes, dieses Jahr wollten wir etwas mehr Entspannung und Ruhe. Man wird schließlich auch weiser (und älter…). Vom Zeltplatz zum Hauptteil des Festivalgeländes gelangt man über die Lieferanten- und Bandzufahrt, welche hinter der Hauptbühne vorbeiführt. Mit der Kirche ums Kreuz, wäre auch eine passende Schilderung, da man für den Zugang zur Mainstage und zum Pressebereich erst um das große Verwaltungsgebäude herum musste. War allerdings kein Drama und die paar Extraminuten Gehweg waren bei dem ganzen Essen wahrscheinlich eher von Vorteil.
Was ich aber wirklich nicht verstanden habe, war die Tatsache, dass es auf dem VIP-Campinggelände keine Wassertoiletten gab, wie beim regulären Camping, sondern ausschließlich Dixiklos. Bei diesen Plumpsklos wusste man auch nie wirklich, zu welcher Tageszeit sie – wenn überhaupt- geleert werden. Zu unserem Glück gab es dann aber unten im Hauptgebäude gut klimatisierte Toilettenräume mit extra viel Glitzer an den Wänden.

Wir waren dann aber doch nicht die einzigen, die bereits Freitags ihre Zelte aufschlugen. Gerade als wir damit fertig geworden sind unser Heim für diese Woche einzugsbereit zu machen, machten sich direkt neben uns bereits die nächsten Camper daran schnellstmöglich ihr Lager aufzubauen. Denn über den Berggipfeln bahnte sich bereits ein Unwetter an. Unsere neuen Nachbarn, Thomas und Doro, war mit dem Flieger aus Paris angereist und hätten sich wahrscheinlich auch eine etwas angenehmere und vor allem trockenere Ankunft erhofft. Als nette Menschen, die wir ja sind, halfen wir natürlich gleich bei dem Expresszeltaufbau im Regen mit wo wir konnten und hatten mit unseren Nachbarn auf Zeit Freundschaft geschlossen. Bier, Jägerbombs und Musik aus der Konserve haben natürlich auch was dazu beigetragen.

Am Samstag begann für uns schon der normale MetalDays-Tagesablauf. Tagesordnungspunkt eins: Die Kühle im Zelt genießen (wenn der ausgewählte Platz es einem möglich macht). Ich verstehe wirklich nicht diejenigen, die meinen, ein Platz unter Bäumen wäre schlechter als mitten in der prallen Sonne zu campen. Dafür hatte ich nicht bereits um acht Uhr Morgens das Gefühl in meinem eigenen Schweiß zu ertrinken oder mich übergeben zu müssen ohne davor etwas getrunken zu haben.

Wofür ich die Männerwelt wieder mal äußerst beneide, ist die Fähigkeit nicht unbedingt ein Dixi in Anspruch nehmen zu müssen. Wofür man noch dazu ein Mal über den gesamten Campingbereich latschen muss. Mit voller Blase ist das echt kein Spaß. Allerdings hätte ich mir von den meisten Herren der Schöpfung schon genug Hirn erwartet, dass sie nicht direkt hinter die Zelte schiffen, wo es dann zu stinken anfängt. Jetzt mal ernsthaft?!

Ein bisschen spießig find ich mich im Vergleich zu anderen Campern ja schon. Frühstück unter der Sonnenplane, mit Kaffee und Obst, gemeinsam mit den Campnachbarn, das kann halt schon was. Im Vergleich zum restlichen, mittlerweile etwas dichter besiedelten VIP-Campinggelände erschien das allerdings auch nicht mehr allzu dekadent. Da saßen dann andere mit der Morgenzeitung vor ihrem Wohnmobil, der Hund unterm Frühstückstisch. Puh, da gehen die Trvenesspunkte wieder auf unser Konto zurück.

Allerdings kann man auch nicht den ganzen Tag lang vorm Zelt hocken, wo bleibt denn da der Spaß? Also, was macht man sieben Tage auf einem Festivalgelände, wenn grad keine Bands spielen, die man unbedingt sehen möchte? Richtig, man geht zum Strand runter und bestellt sich einen June Bug Cocktail und dann noch einen. Das lässt sich auch kombinieren während man sich gemütlich auf dem Fluss hinuntertreibend lässt. Sei es mit aufblasbarem Einhorn, Donut, Pizzaschnitte oder einfachem Gummiboot. Wer mutig genug ist, bzw. sowieso kein Gefühl mehr in den Gliedmaßen besitzt, kann sich auch komplett in die neun Grad kalten Fluten stürzen.

Ich war nie ein Fan von großen Gruppen von Menschen. Lieber ganz entspannt mit ein paar Freunden nach dem Rumgammeln am Fluss nach was essbarem im Foodcourt Ausschau halten und anschließend die Konzerte unsicher machen. Genauso wie beim Abendprogramm war auch Kulinarisch wieder für jeden etwas dabei. Ich bilde mir ein, dass es sogar mehr Auswahl als letztes Jahr gab.
Zwischen Burgern, Nudel, Kichererbsencurry Pizza und Kebab konnte ich mich kaum entscheiden. Also lieber ein Mal ein paar Euro mehr auf die Karte buchen. Dein quengliger Magen wird es dir Danken.

Merchshopping ist dabei meiner Meinung nach genauso wichtig wie ein Nickerchen am Fluss und das Schlemmen im Foodcourt. Einen June Bug davor getrunken zu haben ist ratsam, denn dein betrunkenes Selbst kennt dich besser als du vielleicht denkst. Patches sind in diesem Fall erste Wahl. Klein, leicht und falls man sie auf dem Weg zurück ins Zelt verlieren sollte, ist es am nächsten Morgen nicht ganz so tragisch, als wenn man ein neues Paar Springerstiefel für 200 Euro angebaut hat. Unsere rund 20 neuen Patches sind glücklicherweise alle heil zuhause angekommen.

Falls es aber doch die Springerstiefel werden, oder das Bandshirt um das die Mama gebeten hat, geht man lieber doch noch mal zum Zelt zurück, zieht die Badeschlapfen aus und die Abendgarderobe an, denn anschließend geht es los mit Feuer, Rauch und viel Geschrei. Wirklich jeder Abend hatte etwas spektakuläres zu bieten.
Zumindest da kann man auch schon mal aufs Bier in der Dose verzichten und sich ein frischgezapftes Laško im Plastikbecher munden lassen, bevor man sich in den Moshpit schmeisst.

Was waren also meine Bandhighlights vom diesjährigen MetalDays?

© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at<br /> NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

BEHEMOTH!

Behemoth: Auch wenn ich schon seit einiger Zeit ein großer Bewunderer der polnischen Black/Death Metal-Band mit Kultstatus bin, kam ich dieses Jahr zum ersten Mal in den Genuss einer Liveperformance. Ich erwartete mir zwar, dass es etwas mehr Tamtam auf der Bühne geben würde, der Sound hat mich aber alle Male auch live überzeugt. Genau genommen hat es in mir ein Gefühl ausgelöst, welches ich aus meiner Kindheit kenne. Schaurig und gleichzeitig schön, wie ein Cerberos, der das Tor zu meiner persönlichen Hölle bewacht, wusste ich, dass alles gut ist, genau so wie es ist. (cheezy, i know)

Carpathian Forest: Mal ganz im ernst, es ist auch mal schön, wenn man im Black Metal Bands sieht, die die ganze Show nicht so unglaublich ernst nehmen. Musikalisch haben die Norweger wirklich was hergemacht.
Die exhibitionistischen Ausschweifungen von Sänger Nattefrost, hat zumindest er selbst anscheinend für äußerst wichtig empfunden. Anschauen würde ich sie mir trotzdem bestimmt nochmal (Allerdings nicht unbedingt in der ersten Reihe).#

WATAINs Feuerteufel und Sänger, E.

Watain: Die schwedischen Black Metaler haben am MetalDays wahrscheinlich eine der besten Shows in der Festivalgeschichte geliefert. „Welcome To Hell“ wär ein passendes Motto gewesen, denn die Pyromanen um Sänger „E.“ setzten fast die ganze Bühne in Brand. Heil Seitan-Grillwürste! Doch nicht nur für Benzinfanatiker war diese Show empfehlenswert. Auch musikalisch macht die Band einiges her und zeigt ganz klar, warum man sie zu den ganz großen des Genres zählen kann.

Igorrr: Meiner Meinung nach ist Igorrr moderne Kunst in seiner reinsten Form und wirklich einmalig in ihrem Stil. Härtester Metal, elektronische Explosionen, Operngesang und Barock-Klänge – einen wilderen Mix gibt es kaum. Allerdings bekommst du vor der Bühne ein Gefühl, ähnlich dem bei einer Achterbahnfahrt. Du willst eigentlich und es macht Riesenspaß aber nach einer halben Stunde kannst du einfach nicht mehr. Dein Hirn gibt einfach auf. Trotzdem war es für mich bestimmt nicht die letzte Achterbahnfahrt mit ihnen.

Harakiri for the Sky: Besonders den Leuten der heimischen Metalszene sollte dieser Name geläufig sein. Die Alben des Post-Black Metal Duos (und Gastmusiker) sind absolut mein Fall, allerdings habe ich mir vom Auftritt doch etwas mehr erwartet. Wenn Harakiri jetzt eine Black Metal Band mit dunken Roben, Weihrauch und Kerzen wäre, deren Ziel es ist das pure Böse zu verkörpern, dann ist es schon klar, dass nicht unbedingt viel Interaktion mit dem Publikum stattfindet. Dem ist aber nicht so. Der Auftritt an Sich war echt gut und das Können von Gitarrist Matthias hat mich schwer beeindruckt. Nach dem letzten Song wurde dann allerdings so abrupt zusammengepackt, als hätten man ihnen in der gleichen Sekunde den Saft abgedreht. Zumindest gab es danach noch Fotos mit den Fans.

Der Backdrop verrät es: ALIEN WEAPONRY!

Alien Weaponry: Mit Abstand die Band, auf die ich am meisten gespannt war. Das junge Thrash-Metal Trio aus Auckland in Neuseeland haben richtig Feuer unterm Hintern.
Sowohl Sound als auch Gesang sind merklich gut beim Publikum angekommen. Das Bestehen der Band reicht bis ins Jahr 2010 zurück, als die Gründungsmitglieder Lewis und Herny de Jong gerade mal zehn und acht Jahre alt waren. Seit 2016 stauben sie gemeinsam mit Bassist Ethan einen Preis nach dem anderen ab. Da kann man auf die nächsten Jahre noch sehr gespannt sein.

Wiegedood: Zugegeben, ich hatte davor noch nie etwas von Wiegedood gehört. Aber bei dem was mir erzählt wurde, dachte ich, dass es nicht verkehrt wäre sich die drei durchaus bekannten Black Metaler aus Belgien mal anzuhören. Ganz ehrlich, so wirklich hat es mich jetzt leider nicht vom Hocker gehauen. Falls Gilles, Wim und Levy es allerdings mal wieder nach Wien schaffen sollten, werde ich nochmal ein neues Urteil fällen.

© Markus Wetzlmayr / @wetphoto / www.wet-photo.at NO USE WITHOUT PRIOR WRITTEN PERMISSION // KEINE VERWENDUNG OHNE VORHERIGE SCHRIFTLICHE ERLAUBNIS.

„If you thing you’re too old to rock, you are.“, sagte schon Lemmy. JUDAS PRIESTs Rob Halford zeigt, wie man auch im fortgeschrittenen Alter noch die ledergekleidete Sau rauslässt.

Judas Priest: Ja, ich gehöre zu dieser Art von Personen, die alten/gebrechlichen Menschen gerne über die Straße helfen und ich kann es nur schwer mit ansehen, wenn ein kleiner gebeugter Mann ganz alleine an einem Tisch im Restaurant sitzt und seine Suppe löffelt. Da blutet mir einfach das Herz. Als Rob Halford an diesem Abend auf die Bühne kam, war mein erster Gedanke, „Oh bitte bitte, dua da ned weh!!“ Doch Mister Halford belehrte glaube ich nicht nur mich eines Besseren. Spätestens nach den ersten paar Takten sieht man regelrecht das Adrenalin aus jeder Pore strömen, wenn dieser Mann ins Scheinwerferlicht hervortritt.
Es gab so viele Bühnenoutfits, man hätte denken können, Beyoncé selbst wäre die Tourmanagerin. Das Motorrad, auf dem er zum Abschluss auf die Bühne gerollt kam, war dann allerdings nochmal ein Extra für sich. Was man bei Judas Priest an Bühnenshow und Entertainment noch herausholen kann ist einfach unglaublich! Eine herausragende Leistung, wir waren begeistert!

Darkened Nocturn Slaughtercult: Ganz im Ernst, der Name schreit förmlich nach Random Black Metal Band Name Generator (#sorrynotsorry). Da stellt sich die Frage, ob der Name vielleicht doch absichtlich so gewählt wurde, weil sich der durchschnittliche Black Metal Hörer denkt: „Das klingt so abgedreht, das müssen wir uns anschauen!“ So wars jedenfalls bei uns. Wenn man dann dort ist, Woah…Absolut geil! Diese Deutsch-polnische Band hat doch mehr drauf, als was der Name erahnen lässt. Sängerin Onielar tritt wie eine Geistererscheinung auf die Bühne und lässt ein Kreischen los, dass es einem die Nackenhaare aufstellt. Mit Abstand eines der besten Konzerte in diesem Jahr!

Copia: Wie bereits angekündigt, waren Copia eine Pflichtband in dieser Woche. Großer Restpekt an die Melbourner Jungs, da steckt Herzblut drinnen! Auch die Zuschauermenge war ziemlich groß für die New Forces Stage. Was mich allerdings am meisten faszinierte war Sänger Andrew, der es schaffte bei der Hitze, noch so viel Bewegung in die Show einzubringen. Aber ja, Australier sind glaub ich schlimmeres gewohnt..

So schön es auch war, fast acht Tage später, konnten wir es dann doch kaum erwarten endlich wieder die Heimreise anzutreten. Bereits sichtlich angeschlagen und erschöpft krochen wir Samstag Früh beim ersten Weckerklingeln aus dem Schlafsack klemmten uns so schnell wie möglich hinters Steuer um nicht in den Abreiseverkehr zu geraten. Wir hatten Glück, der Pass war noch so gut wie leer. Die Ruhe im Auto war ungewohnt aber mit den malerischen Klängen von Bathory fuhren wir ganz entspannt gen Norden, zurück nach Österreich.

Fotos: © Markus Wetzlmayr

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