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Musikclub Open Air Lembach: Hupf in Gatsch!

Festivalsommer 2018 – wohl der Sommer, wo sich die wenigsten Veranstalter über schlechtes Wetter beschweren durften. Kein Wunder, waren die doch eher gefordert, Hitze und Kreislaufkollaps vorzubeugen als Glühwein und Regenponchos auszuteilen. Am Musikclub Open Air in Lembach durfte man am vergangenen Wochenende sein Festivaloutfit – Gummistiefel und Regenjacke – einer Belastungsprobe unterziehen. Gemeinsam unter einer gemütlichen Gaslaterne durfte man zwei Abende lang hochkarätiger Musik lauschen.

Seit 30 Jahren bringt der Musikclub im mühlviertlerischen Lembach bereits Farbkleckse in die hiesige Kulturlandschaft. Fünf Jahre lang tut er das zum Ende des Sommers auch Open Air. Auch heuer hatten sich illustre Gäste eingefunden, um das Ende der Festivalsaison langsam, aber sicher einzuläuten. Zumindest witterungstechnisch klappte das von Anfang an: 15 Grad an einem Freitagabend sind dann doch eine Ansage.

Aber zum Wesentlichen, der Musik. Den Anfang durften Blechsalat machen. Die Jungs aus (zumindest ursprünglich) aus Linz begleiten uns schon eine ganze Weile lang. Dass Brass – oder der in letzter Zeit viel zitierte „Urban Brass“ – wieder im Kommen ist, wurde auch in Lembach deutlich. Ihr Album ist fertig, und so kann man Blechsalat auch im Autoradio genießen. Wobei man das doch eher live tun sollte – denn selten braucht man derart geringe Hemmungen zu haben, um zu „Toxic“ und Co abzugehen. Sehr solider Gig – wie eigentlich eh immer.

Erst in diesem Jahr so richtig durchgestartet sind die Herren von Buntspecht. Ein bisschen Gypsp, ein bisserl Swing, ein bisserl Bossanova – und Sänger Lukas Klein kommt sowieso in Höhen, die andere Frontmänner wohl so nie trällern können. „Großteils Kleinigkeiten“ heißt die hierzulande durchaus gefeierte Debutplatte, und Songs wie „Brennnesseln“, der „Waschmaschinentango“ und viele mehr sind eigentlich sehr, sehr tanzbar. Das Publikum war geteilter Reaktion – vielleicht waren einige ja auch nur festgefroren oder im Matsch versunken.

Eines der Highlights folgte danach: Faela! Die schwedisch-englisch-argentinische Combo, die Latin wieder cool macht. So oder so ähnlich könnte man wohl eines der ungewöhnlichsten Crossover-Projekte bezeichnen, die wir seit Langem gesehen haben. Spaß? Machen sie! Musikalisch gut? Auch. Und an dieser Stelle mal ein Lob an den Veranstalter: es gehört dann doch ein bisschen Mut dazu, eine hierzulande noch nicht totgespielte Band auf den Headliner-Slot zu setzen. Der Reaktion am Abend nach zu urteilen: zurecht. Sicher nicht das letzte Faela!-Konzert, das wir besucht haben.

Und wer danach noch Energie hatte, konnte sie in der Indoor-Musikclub-Sauna, die passenderweise mit allerlei Schnäpsen für den Aufguss aufwartete, loswerden. Ein stimmiger Abend in nur wetterbedingt kühler Umgebung, der zu Hause in einer heißen Dusche endete!

Samstag. Haben wir gestern mit „kühler Umgebung“ unsere Review beendet? Was für eine Untertreibung. 10 Grad und strömender Regen erwarteten uns am Samstag. Wohl auch der Grund, warum die Linzer Indie-Aufsteiger Portrayed dann doch vor schütterlicher Kulisse den Abend eröffneten. Die EP ist heuer erschienen, und darf als Lebenszeichen der hiesigen Indie-Landschaft verstanden werden. Übrigens: auch am 25. Oktober werden Portrayed wieder in Linz zu sehen sein – wir freuen uns schon auf ihren Auftritt bei unserem Geburtstagsfest!

Echte Lembach-Veteranen waren danach am Start: Back To Felicity. Oder auch: back to the roots, spielten sie doch sechs Jahre nach Bandgründung dort, wo alles begann: im Musikclub Lembach. Ihre Platte „Dystopia“ wurde zurecht gefeiert, live hatten sie sich in letzter Zeit rar gemacht. Macht ja nichts – denn live sind die Herren und die Dame nach wie vor mit das beste, was die heimische Indie-Landschaft zu bieten hat. Gerne wieder öfters auf den Bühnen des Landes.

Immerhin neun Grad zeigte das Thermometer dann an, als die bayrischen Gäste von Impala Ray die Bühne enterten. Strömender Regen, durchnässte Kleidung – yay, ideale Voraussetzungen für Scheiss-Drauf-Attitüde. So tanzten die – ob der Umstände in beachtlich großer Zahl erschienenen – Besucher dann auch, als gäbe es kein Morgen mehr. Auch die Band schien Spaß zu haben, kleiner Ausflug ins Publikum inklusive. Auch beim dritten Mal, wo wir Impala Ray live gesehen haben: Hut ab!

Gekommen waren viele dann aber doch wegen des Headliners, Krautschädl. Eh klar, sind Mölgi und Co seit guten zehn Jahren die Aushängeschilder des heimischen Mundart-Rocks geworden. „Sei amoi leiwand“, „Da Wein“, „Khoids Wossa“ und Co sind Hymnen einer ganzen Generation geworden, und funktionieren anno 2018 noch immer, nicht erst seit dem Gabalier-Rant vor kurzer Zeit. Eine Band, wo man sich wundert, warum sie eigentlich nie noch höher in den Musikolymp aufgestiegen ist. Vielleicht aber auch gut so – denn so darf man sie auch in intimen Open Airs noch erleben. Solide, wie immer, der Regen auch wurscht: passt scho!

Indoor ging es danach weiter – wo BBOU die Tanzbeine schwingen ließ. Es war uns, wie jedes Jahr, eine Ehre: auf die nächsten 30 Jahre, lieber Musikclub!

Foto: Christoph Thorwartl, Andreas Wörister

 

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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