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Sunnseitn: bunt wie eh und je

Kaum ein Event im heimischen Kulturkalender bringt so viele verschiedene Zielgruppen auf einmal zusammen wie die Sunnseitn in Freistadt. Auch heuer wieder lud ein buntes Programm auf insgesamt sieben Stages – oder Tanzböden, wie sie hier bezeichnet wurden – zur musikalischen Verbindung ein. Wie immer: ein Highlight!

Zugegeben, ganz unvoreingenommen können wir an die Sunnseitn in Freistadt nicht herangehen: liegt doch das Festivalgelände mitten auf dem Areal der Freistädter Brauerei, die uns das ganze Jahr mit feinstem Gerstensaft versorgt. Einmal im Jahr, Ende Juli, versorgt die Local-Bühne Freistadt hier aber auch ihre Gäste mit feinster Musik. Vom Volkstanz in der Gaststube des Braugasthofes Freistadt über Tanzprogramm im Garten bis hin zu „alternativerem Geschmack“ in der Lagerhalle – hier dürfte wirklich für absolut jeden was dabei sein.

Naturgemäß zog es uns natürlich in die „alternativere“ Gegend, das Getränkelager der Brauerei. Inmitten einer herrlichen Kulisse von leider meist leeren Bierkisten standen dort zuerst Beetroot Lab auf der Bühne. Ein von Posaunist Matthias Zeindlhofer zusammengestelltes Musikerkollektiv, das seine Wurzeln in HipHop, Funk & Fusion hat, und auch den Jazz nicht verleugnen kann. Gepaart mit Rap-Parts ein gelungener Einstieg in den Tanzboden 6, wie der Floor offiziell hieß. Neben Abstechern in die Gaststube, wo ältere Semester bei Volkstanz auf ihre Kosten kamen, und in den Gastgarten, wo internationale Gäste aus aller Welt ihre Heimat musikalisch nach Österreich kamen, blieben wir dann bei Cavesja am Brauereivorplatz hängen. Eine italienische Tanzgruppe, wo man schnell merkte, was die Sunnseitn seit Jahren so einzigartig macht: Jung und Alt tanzen gemeinsam, und etwaige persönliche Differenzen scheinen zumindest für die Dauer eines Konzertes überwindbar zu sein.

Doch zurück zu unserem „Mainfloor“: dort war, wie so oft heuer auf Festivals, Voodoo Jürgens samt seiner Ansa-Panier zu Gast. Die Setlist bot Gewohntes: morbid, bitterböse, zynisch. Gepaart mit einem einzigartigen Ambiente umringt von Bierkisten ein idealer Aufguss zu dem, was sich davor auf einem Bierlastwagen abspielte. Der gute Herr Arnaud Methivier überzeugte uns nämlich da mit der wohl einzigartigsten Mischung aus Akkordeon, Jazz und Tanzbarkeit, die wir je gesehen haben. Sicher mit das Highlight auf der heurigen Sunnseitn 2018. Ebenfalls überzeugend: Buntspecht. Die Herren waren bei uns ja schon im April zu Gast am Noppen Air Warmup, und deswegen wussten wir bereits, worauf man sich bei einem Konzert der Combo freuen darf: pure Ekstase. Das dürften auch die Freistädter TänzerInnen so gesehen haben: ausgelassenere, befreitere Stimmung haben wir noch selten auf einem Konzert erlebt. Da wurde der Waschmaschinentango noch wörtlich genommen!

Neben weitere Abstecher in die Weltmusik – unter anderem zur ukrainischen Hudaki Village Band – und zur Wiener MusikarbeiterInnenkapelle, die wohl wie keine zweite Rage Against The Machine covern kann – ging es zum letzten Mal in die Getränkehalle. PÆNDA (sprich: Pända) stand dort auf der Bühne, und wenn man der offiziellen Homepage Glauben schenken darf, dann ist das „Pop aus Ottakring“. Zuletzt einen Namen machte sich die Dreierkombo als Support von Jessie J in der Wiener arena. Wie das ganze Set dann live klingt? Nunja – nicht nur Pop, und wenn doch, dann sehr, sehr elektronischer Pop. Was ja per se nichts Schlechtes ist. Denn tanzen kann man zu PÆNDA auf alle Fälle – und spätestens dann, wenn der Bass so drückt, dass wir in der ersten Reihe fast von einer herunterfallenden Monitorbox erschlagen werden, hat man Vieles richtig gemacht.

Doch damit nicht genug: denn auch danach konnte man sich noch bis in die frühen Morgenstunden vergnügen. Wir taten das dann noch am „Juchee“ bei Plattenjoe und DJ Dan, die im zum Dancefloor umfunktionierten Stüberl auflegten, ehe wir uns dann wieder zurück in die Stadt begaben. Fazit? Wie jedes Jahr: die Sunnseitn ist wohl das verbindenste Festl des Sommers. Allein dafür: ad multos annos – vielleicht derzeit wichtiger zu betonen denn je.

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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