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Szene Open Air 2018 : Heiß & dreckig – so muss Festival

Kaum zu glauben, aber wahr. Seit bereits 29 Jahren lädt das Szene Openair Festival im westösterreichischen Lustenau zu dem Festival ein, das beim Titel „schönste Location des Landes“ seit jeher ganz weit oben mitspielt. Kein Wunder, liegt das Gelände doch direkt am alten Rhein an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Wenn dann zu Fluss, Sonne und ausgelassener Stimmung auch noch Acts wie Bilderbuch, Kraftklub, Beatsteaks, Mavi Phoenix, Jeremy Loops dazukommen, kann das ganze doch eigentlich nur ein geiles Wochenende werden, oder? Kleiner Spolier vorweg: es war eines. 

Donnerstag

Ja, stimmt: die Anreise von Linz nach Vorarlberg ist immer etwas beschwerlich. Da muss sich der Grund für die 500 km bzw. für die fast sechsstündige Autofahrt dann schon lohnen – und aus Erfahrung wissen wir: beim Szene Open Air ist das immer der Fall. Nach einer einjährigen Pause waren wir heuer mit viel Motivation wieder am Festival und genossen schon vor den Bands die Vorzüge des Alten Rheins.

Die Ehre, als erste Band auf der großen Festivalbühne stehen zu dürfen, hatten letzten Donnerstag die Jungs von Gab & Gal. Lokal verwurzelt, ausgefeilte Songarrangements – ein Act, der wie geschaffen für das Szene Openair scheint. Ein starker Auftakt.

Was uns bei diesem Festival immer sehr gefällt, ist, dass es trotz der internationalen Bands auch regionale Musiker*innen eine Bühne bietet. Die Bands des Jazzseminars Lustenau konnten ihr Können am späten Nachmittag unter Beweis stellen. Ein ganzes Jahr wurde für diesen Gig geprobt – und dann mit viel Erfolg musikalisch einwandfrei bei sengender Hitze dem Publikum präsentiert.

Wahrscheinlich geht der Award für den Künstler mit der weitesten Anreise an Jeremy Loops. Der südafrikanische Singer-Songwriter macht mit seinem neuen Album „Critical as water“ auch in Lustenau Halt. Vor seiner zweijährigen Weltreise hätten wir den großaritigen Musiker beinahe an die Immobilienwelt verloren. Ausschlaggebend für den Karrierewechsel war die bereits erwähnte Reise, wo er den Plan entwickelte, Singer-Songwriter zu werden. Und der Plan funktioniert – zumindest in Vorarlberg, der Platz vor der Bühne war um 17.30 sehr gut gefüllt. Jeremy Loops punktet vor allem mit seinem Charme. Wer den Musiker nicht kennt – Nomen ist Omen ,wie man so schön sagt. Er arbeitet hauptsächlich mit Loops – wobei er auch nicht davor stoppt, das Publikum mit einzubinden, wie dem Song „See I wrote it for you“. Der liebe Jeremy Loops hat somit die Latte für die anderen Acts am Freitag sehr hoch gelegt.

Die Herren Turbobier kennen wir mittlerweile ebenso schon ein bisserl länger. Simmerings Finest‘ ließ sich auch am Szene Open Air nicht lumpen, schickte Vertreter der Bierpartei vorbei und postulierte das offizielle Motto „Nichtstun muss wieder was wert sein“. Rockig, noch immer lustig – und seien wir uns ehrlich, ein Festival ohne Bier ist noch immer schlimmer als ein alkoholfreier Fußballplatz, oder?

Moon Hooch hatten sich derweilen auf der Szene-Bühne eingegroovt. Für das Trio aus Brooklyn hat alles im sprichwörtlichen Untergrund von New York angefangen – in den U-Bahn Plattfomen. Die Musik wird stark von den Instrumenten Saxophon und dem Drumset geprägt und lädt zum Tanzen ein – auch wenn es immer noch gefühlte 41 Grad hatte.

Der erste Headliner des diesjährigen Festival kam aus Berlin. Käptn Peng alias Robert Gwisdek präsentierten sich gewohnt samt den Tentakeln von Delphi und ihrem musikalischen Kuriositätenkabinett. Hört man genauer auf die Texte, so ist die Tatsache, dass Käptn Peng neben seiner Musikkarriere auch noch literarisch als Autor und Schauspieler unterwegs ist, keine Überraschung. Mit ihrer Platte „Das nullte Kapitel“, welche im Frühjahr 2017 erschien, bewies die Band, dass es nicht nur auf einfache Meldien und Textbausteine drauf an kommt, sondern dass der Text und die Botschaft auch anno 2017 bzw. 2018 seine Berechtigung haben. Und dass dieses außerordentliche Bandprojekt auch 2018 begeistert, konnte man an den unzähligen glücklichen Gesichtern am Szene Openair sehen.

Wer versuchte, danach mit der Energie der Jungs von Leoniden mitzuhalten, wurde schnell an seine physischen Grenzen erinnert. Was da am Freitag auf der Bühne abging, ist uns immer noch ein Rätzel. Die blitzschnellen Tanzmoves waren teileweise für unser Kameras nicht dokumentierbar. Die Band bestehend aus Lennart & Felix Eike, Jakob Amr, Djamin Izadi und JP Neumann ist in Kiel beheimatet und kommt ursprünglich aus der klassischen DIY Schiene. Die unzähligen Keller, Garagen- und Club-Konzerte haben sich bezahlt gemacht. Leoniden brachten eine Energie mit auf der Bühne, wo andere große internationale Bands nicht mithalten können, dies kam auch beim Publikum an. Wie das dann klingt? Kurz gesagt: als würden wir Kinder der 90iger Party machen – laut, lauter und hier und da ein bisschen 90er-Charme in Form von Britneys Spears und Co. Wer das erleben möchte, hat bei der bevorstehenden „Kids Will Unite Tour“, die auch einige Stopps in Österreich beinhaltet, die Chance.

Seit nun acht Jahren begeleiten wird die Band Bilderbuch jetzt schon medial auf subtext.at. Und haben somit schon so einige Konzerte der Jungs live miterlebt. Die Show am Szene war die einzige Österreich Show in diesem Sommer – umso mehr Grund ordentlich Gas zu geben. Statt hunderttausenden Sneakers prägten bei der Show am Szene Open Air vertikale Metallstangen das Bühnenbild – passend zum Video von „Eine Nacht in Manila“. Musikalisch war das Konzert wie immer solide. Für jene unter uns, die sich zu den Bilderbuchfans ab der frühen Stunde zählen können, hatte die Zugabe noch ein besonderes Zuckerl parat. Aus der Laune heraus (wurde zumindest so angekündigt) wurde, wenn wir uns nicht verhört haben, der Song „Kopf ab“ seit einer Ewigkeit wieder live auf der Bühne gespielt. Schön, so einen alten Wegbegleiter auf einer großen Bühne zu sehen.

Für alle die von den Bands und der Hitze noch nicht komplett fertig waren ging es in der Fohrenburg mit Conrad Sohm Puzzles und in der Rock City mit Hirit bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Freitag

Ja, es war heiß. Wer es am Freitag länger als bis acht Uhr morgens im Zelt oder Campingwagen aushielt hat unseren größten Respekt. Nach einer kurzen Nacht und einem heißen Morgen ging es nochmal kurz in den mittlerweile nicht mehr so ganz erfrischenden Alten Rhein (26°C bringen leider auch nicht die gewünschte Abkühlung!)bevor es wieder aufs Festivalgelände ging, um die ersten Bands nicht zu verpassen.

Haben wir gerade gesagt, dass es heiß war? Dementsprechend schwer hatte es auch Band #1 an diesem Tage, Reason of Sin. Die Truppe macht Metal, erfindet das Genre nicht unbedingt neu, darf aber gerne als „solide“ eingestuft werden. Der Publikumszuspruch – um 12 Uhr mittags bei 35 Grad halt auch enden wollend.

Unter dem gleichen Schicksal hatten dann Thirsty Eyes zu leiden. Frontmann Samuel ließ das Shirt deswegen auch weg – die Songs vom Album „Slothchild“ machen live aber trotzdem Spaß. Auch wenn die erste Reihe dann halt auch schon wieder die einzige war. Übrigens: am Waves Vienna sind die Jungs wieder live zu sehen – ein Abstecher lohnt!

Nach einigen Songs von Seesa da Vinci ging es wieder zur Hauptbühne. Eher schon als Veteranen ihres Genres darf man die Terrorgruppe sehen. Die Punkrocker aus aus Berlin, oder Aggro-Popper, wie sie sich selber bezeichnen, gibt es dann halt auch schon ein Zeiterl. Gesungen wird gegen Nazis, Ausgrenzung und die aktuelle österreichische Regierung. Westlich des Arlbergs darf man dann Norbert auch mit Andreas Hofer verwechseln, ohne bleibende Schäden davonzutragen. Verwunderlich, eigentlich.

Wie auch am Tag zuvor  gaben die Bands des Jazzseminars Lustenau ihre einstudierten Songs zum Besten. Leider konnten wir diese Band und auch Teile des Sets von Nimo nicht live erleben, da eine Abkühlung im Rhein notwenig war. Was wir aber hörten, war klar: Nimo weiß, die Bühne abzureißen. Ja, wir wissen, der Begriff ist abgelutscht: aber im Fall von Nimo ist der Begriff Gangster-Rap angebracht, hat der gebürtige Karlsruher doch angeblich hinter schwedischen Gardinen mit seiner Musik angefangen. Zwei Jahre und zwei Alben später zeigte sich das Publikum textsicher, in Partymodus und ekstatisch. Wer das Genre mag, kann hier durchaus Spaß haben.

Halbwegs frisch und motiviert für neue Missetaten kamen wir pünktlich zu The Picturebooks retour. Diesem aus Deutschland kommenden Duo würde man es jederzeit abkaufen, dass ihre Wurzeln irgendwo zwischen Las Vegas und Texas liegen. Schlagzeug und Gitarre, mehr braucht es nicht, um sich dem Desert Rock zu verschreiben. Eine geballte Blues- und Heavy-Rock-Energiewolke ausgehend von Sänger und Gitarrist Fynn Claus Grabke und Drummer Philipp Mirtschink überkam das Szene Openair und trotz Hitze gaben sich einige Besucher*innen der Musik hin und tanzten zu der Musik der Beiden.

Oh Wonder aus London waren dann das komplette Gegenteil. Statt lautem Gitarrenrock punktete die britische Band mit sanfteren Klängen. Die Musik von Josephine Vander Gucht und Anthony West ist perfekt für einen schönen Sommernachmittag geeignet – locker, luftig, sommerlich. Dass die Beiden die Musik in ihrem Leben in den Vordergrund gestellt haben, liest man nicht nur in unzähligen Interviews, sondern hört man auch. Das aktuelle Album „Ultralife“ ging nicht nur in Europa durch die Decke, sondern begeisterte auch Musikliebhaber*innen weltweit – so auch am Szene Openair.

Letztes Jahr um diese Zeit galt die Band Naked Cameo noch als Geheimtipp in der österreichischen Musikszene – ein Jahr später war klar, dass so eine großartige Band nicht unbemerkt bleibt. Seit dem Debütalbum „Of Two Minds“ und dem Booking durch Barracuda Music hat sich bei der Band so einiges geändert. Musikalisch hatte der ganze Hype aber kaum Folgen, und wenn, dann nur positive. Die Show am Szene Openair konnte uns auf jeden Fall begeistern.

Der nächste Act ist für für viele „Too much to handle“. Ja, die zwei sind aggressiv, direkt und haben wohl schon länger keine Knigge mehr von innen gesehen – die Rede ist von den zwei deutschen Rapperinnen SXTN. Bei der Musik von SXTN scheiden sich die Geister, die einen verstehen die Texte als Aufforderung, ihre weiblichen Geschlechtsteile der Öffentlichkeit zu präsentieren, Party bis zum St.-Nimmerlandstag zu machen und missachten die leise ironische Botschaft in den Texten. Die anderen freuen sich, dass endlich mal jemand sich traut, das Tabuthema Sexualität auf paradoxe Art und Weis zu diskutieren, und wieder andere können mit den Texten nichts anfangen und finden sie hauptsächlich abstoßend. Egal, was man von ihnen hält – sie können auch bereits vor Sonnenuntergang Party machen, und das, als gäbe es kein Morgen. Trotz des Wespenstiches der Sängerin Nura Habib Omer und der noch immer sengenden Hitze.

Etwas ruhiger gingen es dann Fil Bo Riva an. Fast schon zu kitschig präsentierte die Band bei Sonnenuntergang Lieder wie „Franzis“ – für alle verliebten unter dem Publikum war dies der optimale Zeitpunkt, dem Partner die Liebe zu zeigen. Was bleibt uns dann noch anderes übrig als zu sagen: wow, was für ein schönen Konzert?

Kaum eine Band hat die deutsche Musikszene die letzten Jahre geprägt wie Kraftklub. Seit „Mit K“ 2014 erschienen ist, wurden einfache Melodien wieder salonfähig, und Konzerte werden nicht mehr gespielt, nein, sie werden vielmehr wieder zelebriert. Da wird mit dem Glücksrad „Scheissindiedisco“ in die Setlist aufgenommen, da wird von „Lass mich dein Sklave sein“ und „Unsere Fans“ gesungen, und das Publikum scheint sich kollektiv in einer einzigen Blase zu befinden. Zum Schluss gibt es ein bisschen „Randale“, bevor als Encore noch „Chemie Chemie Ya“ eingeworfen wird, bis Noel wieder Songs für Liam schreibt. Ein geniales Konstrukt eines Livekonzertes, das man sicher nie alleine wegen der musikalischen Darbietung besuchen wird. Aber das wollen Kraftklub auch nicht – unglücklich geht danach aber sicher niemand nach Hause.

Nach diesem kollektiven Abriss auftreten zu müssen, ist schwierig. Zeal & Ardor meisterten diese Aufgabe aber ordentlich. Electro-Soul als Schublade könnte passen. Tanzbar auf alle Fälle, aber auf der kleinen Bühne und nach Kraftklub doch ein ziemlich bescheidener Slot. Macht ja nix – mit ihrem Album „Stranger Fruit“ kommen sie im Herbst eh wieder ins Land.

Eine schöne Überraschung lieferte dann der Late-Night-Headliner ab. Her hieß der, aus Frankreich stammt er. Auch nach dem Tod von Gitarrist und Mit-Mastermind Simon Carpentier begeistern Victor Solf und Co live. Eine gelungene Mischung aus Soul und Dream-Pop, der auf elektronische Elemente setzt. Wunderschön, und gerne nächstes Mal zu einer Uhrzeit, wo noch nicht jeder auf „Party“ gedrillt ist. Ein spätes Highlight!

Wie am Tag davor ging die Party in der Fohren Burg und in der Rock City weiter, bis um 5 Uhr morgens die letzten Lichter erlöschten.

Samstag

Tag Drei am Festival. Da beinahe jedem beim Eingang das Deo und die Parfümfläschchen abgenommen wurden, kann man sich das „Eau de Toilette“ wahrscheinlich bildlich vorstellen. Aber was solls: wir sind jung und den Dreck und den Geruch kauft man doch mit dem Ticket mit, oder? Auf jeden Fall machen sich die zwei Tage Festival bei den Besucher*innen schon etwas bemerkbar.

Etwas verkatert kamen wir beim ersten Act aus Tirol an. K.O. Pilot durften den letzten Tag eröffnen. Das Trio macht Pop-Punk, und erlitt hier dasselbe Schicksal wie Reasons of Sin am Vortag. Der Besucherandrang überschaubar. Auch wir müssen uns hier entschuldigen – die Rehydratation war hier noch wichtiger als die Kamera (soll es auch geben bei uns!)

Moop Mama, Meute und Co haben so ihre Spuren in der Jugend hinterlassen, und wir nehmen mal an, dass sie für die junge Band 9Bar inspirierend sind. Brass, Hip-Hop und ein bisschen Pop gemischt mit alternativer Musik, so könnte man die Band beschreiben – leider hatten die Musiker*innen aus dem Allgäu (DE ) nur einen sehr kurzen Slot, hätte sich die Musik doch bestens geeignet, die müden Knochen wach zu tanzen. Besonders in Erinnerung ist uns noch der Cover-Song von Grossstadtgeflüster „Fickt euch Allee“ geblieben, aber auch Jan Delay und viele mehr wurden durch die Instrumente getrieben.

Kreativ, experimentierfreudig und ungeschliffen wie ein Rohdiamant! So beschreiben sie sich selbst in ihren Pressetext. Neon Diamond begeisterten nicht nur mit ihrem selbst definierten Neo-Pop, sondern trumpften bereits am Nachmittag mit einer grandiosen Lichtershow auf. Leuchtende Menschengroße Diamandkonstrukte sorgten für die passende Beleuchtung. Musikalisch klingen die Jungs aus Deutschland sehr solide – und nach der aktuellen Single „Frequenz“ hoffen wir, noch mehr von der Band zu hören.

Ebenfalls aus der Kategorie „sehr solide“: The Flight of Apollo. Die Astronauten/Pilotencombo existiert seit 2005 und macht sich live mittlerweile rar. Schade: denn rocken können die Herren – und jede Band, die sich traut, am Ende David Bowie zu spielen, ohne dass das unglaublich peinlich wirkt, hat alles richtig gemacht.

Danach ging es mit den Schönbrunner Gloriettenstürmern weiter. Vor dem Konzert kannte ich die Formation nicht, und ich meinte scherzhaft: entweder ist die Band mega schlecht oder verdammt lustig. Das zweitere traf dann schlussendlich ein. Die Schönbrunner Gloriettenstürmer haben sich komplett den Genre Schlager und Trap verschrieben. Wie das klingt sollte man am besten live erleben. Schräg, lustig, unbeschreiblich – fast so, als würden Hansi Hinterseher und Yung Hurn ein gemeinsames Werk veröffentlichen.

Apropos Trap. Dem hat sich auch UFO 361 verschrieben, der aufgrund technischer Probleme nach einem laaaangen Intro die Bühne betrat. Ich sags gleich: ich kann mit dem Genre nichts anfangen und deswegen auch keine Wertung abgeben. Trap ist halt nicht meins. Der großen Meute vor der Bühne und den glücklichen Gesichtern nach zu urteilen dürfte das schon gut gewesen sein.

Fjørt dagegen kennen wir schon einige Zeit. Die Aaachener Post-Hardcore-Truppe hat nämlich spätestens mit dem Album „Coleur“ bleibenden Eindruck bei uns in der Redaktion hinterlassen. Und für einen Slot am späten Nachmittag war auch die Show am Szene Openair ganz ordentlich. Sicher, in einer stickigen Konzertlocation macht das noch mehr Spaß. Angesichts des Traps vorhin aber zumindest für uns willkommene musikalische Therapie.

Mother’s Cake sind wohl eine der Bands, die am steilsten hierzulande aufgestiegen ist. Das Tiroler Trio zählt zu den Stoner-Aushängeschildern des Landes, und das merkte man. Einige waren wohl ausschließlich wegen ihnen gekommen, viele hatten Spaß vor der Bühne. Kurz blieb uns noch der Atem weg, als bereits nach einer halben Stunde der „letzte Song“ angekündigt wurde. Da das Set aber dann doch eine reguläre Länge erreichte, und Mother’s Cake sowieso nie enttäuschen können, waren wir dann aber dennoch happy.

Eins „auf die Fresse“ gaben dann noch die Herren von Adam Angst. Adam Angst? Nein, das war kein Trap. Sondern Punkrock vom Feinsten, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Energie nach drei Tagen Festival schien aber schon ein bisserl nachzulassen in der Meute. Schade eigentlich, denn live sind die Herren immer einen Abstecher wert.

Danach: zurück zu Trap. Seufz. Hier gilt das gleiche wie bei UFO 361. Ich kann mit dem Genre nichts anfangen, aber angesichts der Reaktionen im Publikum wird das schon gut gewesen sein.

Nach dem gesamten Trap und Rock freute sich unser Indieherz besonders auf Giant Rooks. Wie eine Rakete sind sie in den letzten vier Jahren die Musikkarriereleiter steil bergauf geklettert. Zugegeben: auch wir outen uns doch ein wenig als Fanboys/Fangirls der Band und die EP „New Estate“ lief bei uns auf Dauerrotation. Deswegen fanden wir es besonders schade, dass es während dem Konzert immer wieder zu Problemen mit der Tontechnik kam und das Konzert auch für einige Minuten unterbrochen werden musste. Durch diese Nebengeräusche war es leider nicht möglich sich komplett der Musik hinzugeben – aber wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen, wo wir uns dann in Songs wie „Bright Lies“ und, wer weiß, vielleicht auch in neue Lieder verlieren können.

Den Headliner an diesem Abend durfte ein Act geben, den wohl viele der älteren Besucher bereits in ihrer Jugend auf und ab gehört haben: die Beatsteaks. Kein Wunder, gibt es die Berliner Punkrocker doch schon seit 23 Jahren. Wahnsinn eigentlich – wenige Bands halten sich konstant so lange auf diesem Niveau. „Yours“ heißt die aktuelle Platte, die auch 2017 wieder durch die Charts ging. Kaum eine Band schafft es, den Spagat zwischen „kommeziell erfolgreich“ und „trotzdem respektiert“ so mühelos zu meistern. Spätestens bei „Let Me In“ liegen sich alle in den Armen, und wenn zum Schluss die Pixies gecovert werden, hat hier sogar Frank Black nix dagegen. Man könnte fast etwas sentimental werden, aber nur fast. Dennoch live immer wieder ein absolutes Brett.

Es ist immer wieder schön, weit weg von zu Hause Künstler*innen aus der eigenen Szene so sehen. Angekündigt wurde Mavi Phoenix mit den Worten „Momentan österreichs beste weibliche Rapperin“. Wir können da nur zustimmen. Die Linzerin Mavi Phoenix besuchte gemeinsam mit Alex the Flipper das Szene Open Air. Wir durften das Duo zum ersten Mal mit intsrumentaler Begleitung (Drums und Bass) erleben. Und unter uns, das klingt ziemlich fett – perfekt für den (Pre)-Festivalabschluss, den dann das Ski-Schuh-Tennis Orchestra auf der Hauptbühne machte.

Aber: ein Festival ohne HELGAAAA ist kein Festival, oder? Deswegen gibt es heuer beim Szene in der Rock City den Programmpunkt HELGAAAA rockt! Wo am Samstag das Festival nochmal gebührend gefeiert wurde – bevor es endete.

Hitze, alter Rhein, drei Tage Musik. Das Szene Openair hat uns nach einem Jahr Abstinenz heuer wieder begeistert. Wir sehen uns im nächsten Jahr zum runden Geburtstag!

 

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