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Anomaly Cassandra Prime: Linz im Ingress-Bann

Am letzten Wochenende fand ein besonderes Event in der Stahlstadt Linz statt. Entwickler Niantic, die Schöpfer von Pokémon GO, veranstalteten ein zweitägiges Event ihres Erstlings Ingress. Wir haben am Sonntag, dem kleineren Tag des Events, eine Gruppe Spieler begleitet und auch mit den Entwicklern gesprochen.

Das Wetter war an diesem Wochenende nicht gerade ideal für jegliche Aktivität die einen aus den eigenen kuschelig warmen vier Wänden bewegen will. Sei es jetzt bei Krautschädl am Musik Open Air Lembach oder eben auch bei der „XM Anomaly Cassandra Prime“ in Linz.

Die Technik hinter Pokemon Go

Kurz zum Spiel an sich. Niantic kennt man ja in der Masse durch Pokémon GO. Die Augmented Reality Monsterjagd war der große Hype des Jahres 2016 und für viele Menschen eine neue Erfahrung. Neu war die Technik dahinter jedoch nicht, fernab vom großen Hype kam diese nämlich zum ersten Mal beim vier Jahre zuvor erschienen Ingress in Einsatz. Zwei Fraktionen kämpfen darin um die Vorherrschaft in der Welt. Durch eroberte Portale werden Punkte für die eigene Fraktion gewonnen und das eigene Spielerlevel erhöht. Ebenfalls von Bedeutung sind die von den Spielern eingereichten Missionen, die sehr schön sind, zumindest in den Missionen, die wir am Sonntag begleiten durften, ebenso das Erkunden der Stadt mit dem Konkurrenzkampf zwischen den Fraktionen und Geschichteunterricht durch die zu beantworteten Fragen. Genug aber von der Spielmechanik, das kann sich jeder selbst beispielsweise bei den Kollegen der Gamepro durchlesen. Viel wichtiger ist das Event an sich, zu dem sich trotz der widrigen Verhältnisse in etwa 1.200 Spieler einfanden, um die „Casanda Prime Anomaly“, die der Widerstand für sich entscheiden konnte und den darauffolgenden Mission Day zu absolvieren.

Die Tabakfabrik war am Samstag der Startpunkt für die Spieler

Leidenschaft ohne Nerdigkeit

Man muss auch sagen: für die Spieler wurde mit Schauspielern, dauerhafter Betreuung durch das anwesende Entwickler-Team und sogar einer Ingress-Party am Samstagabend viel geboten. Die große Frage ist natürlich: was ist der Reiz an so einem Event? Gemeinschaftsgefühl und den Wunsch andere Spieler kennen zu lernen, steht hier unserer Beobachtung nach an erster Stelle. Denn sprachlich war uns schnell klar: die große Menge an Spielern die wir an diesem Sonntag trafen – wir wurden sehr herzlich empfangen –  war aus den umliegenden Ländern angereist. Eine große Gruppe aus Tschechien und viele Bundesbürger aus Deutschland nur als Beispiel. Eine bunte und äußerst nette Truppe, die für ein Spiel dieser Art, wie man es beispielsweise aus Online-Rollenspielen kennt, bereits eine eigene Sprache entwickelt hat, der zu folgen wir uns als Außenstehender manchmal schwierig taten. Eindeutig sichtbar und beeindruckend war die Leidenschaft, welche die Spieler in Ingress stecken. Gar nicht auf hier Spielstunden bezogen, hier wird Ingress primär auf dem Weg ins Büro oder zur Uni gespielt, sagten uns die Spieler. Vielmehr auf die Kreativität der Bekleidung, dem sichtbar machen der Teamzugehörigkeit. Wohlgemerkt alles selbst gemacht, denn Niantic bestätigte uns, dass man selbst kein Merchandise zum Verkauf anbietet. Die Spieler dementsprechend alles, sei es T-Shirt, Tuch oder Mütze selbst gestalten und produzieren, eine wirklich schöne Sache und ein commitment zu einem Spiel, das man sehr selten sieht. Das auch ohne jetzt nerdig oder irgendwie klischeehaft zu wirken – hier geht es den Spielern nicht um die teilweise übertriebenen Exzesse, die es bei Pokémon GO gab. Leidenschaft, die sympathisch ist, ohne aufdringlich zu sein. Leidenschaft, die nicht durch einen Publisher künstlich erzeugt wurde und eine Leidenschaft, die greifbar ist. Denn so ehrlich muss man sein: Spieltiefe ist auch bei Ingress wie bei vielen Mobile-Titeln nicht unbedingt sehr stark gegeben. Klar, die starke Einbindung der Spieler durch die von diesen erstellten Missionen erzeugt eine Tiefe und Interaktion zwischen den Spielern, wie es sie beispielsweise Pokémon GO nie gegeben hat, trotzdem ist die Mechanik zu simpel, um wirklich auf Dauer zu motivieren.

Bunt gemischte Truppe aller Altersklassen – die Teilnehmer beim Linzer Ingress Event

Ingress Prime

Auch ein Thema bei unserem Termin war das nächste große Spiel von Niantic, Ingress Prime. Wobei der Name verwirrend ist, es handelt sich nämlich nicht um einen neuen Titel. Vielmehr ist es ein Update, eine Version 2.0. Eine neue App ist damit nicht notwendig und auch die Spieler behalten Spielerlevel und Gegenstände, nur der Gesamtscore wird wieder auf Null gesetzt. Das passt auch dahingehend, da Prime jetzt kein neues Spiel aus Ingress macht. Es soll auf einer neuen AR-Plattform basieren, die Technik dahinter also von Grund auf neu erstellt und auf den aktuellen Stand angepasst worden sein, auch um die Kompatibilität mit den modernsten Smartphones zu garantieren. Denn auch ein kleines Missgeschick begleitete unseren Termin, denn das private Huawei P20 funktionierte mit der aktuellen Ingress Version nicht. Ansonsten soll es neue Stor- Stränge geben und auch ein neues UI. Alles keine weltbewegenden Änderungen, die wohl ende Oktober auf die Spiele zukommen.

Alles in allem konnten wir an diesem Sonntag gute Eindrücke sowohl über das Spiel und die Gamer dahinter gewinnen und danken an dieser Stelle nochmal unserer Gruppe für die gezeigte Gastfreundschaft.

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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