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Clueso: einmal Freidrehen mit Handgepäck, bitte!

Einer der umtriebigsten Figuren in der deutschen Musikszene war am vergangnenen Freitag in Linz zu Gast. Clueso. Der Erfurter Künstler ist aktuell „nur“ mit „Handgepäck“ unterwegs – seine aktuelle Platte präsentierte er vor gut 500 Leuten im Linzer Posthof. Ein Abend für Fans, der es sich aber lohnte, entdeckt zu werden. 

Vorband? Gibts keine an diesem Abend. Braucht man auch nicht, wenn man Clueso heißt. Thomas Hübner, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, ist seit Jahren Stammgast in diversen Charts der Bundesrepublik. „Handgepäck“ heißt seine neue Platte, intimer als gewohnt sollen die Arrangements sein. Dass dem durchaus so ist, wird im Rahmen des Auftrittes im Linzer Posthof deutlich. „Love the People“ ist nicht nur ein Song, sondern scheint immer noch die Einstellung des Musikers zu sein. Die Lacher hat Clueso aber spätestens mit dem Udo-Lindenberg-Cover „Cello“ auf seiner Seite. Man braucht schon einiges an Eiern, um einen der polarisierendsten Künstler der deutschen Musikgeschichte zu covern und dabei trotzdem gut zu wirken. Auch Features mit Kat Frankie kommen gut an – kein Wunder bei der Urgewalt an Stimme, die diese Frau auf die Bühne bringt. Aber auch international wird sich an einem Artist bedient, der den Titel „Boss“ nicht zu unrecht trägt: „Es brennt wie Feuer“ klingt dann beinahe fast so gut wie das Springsteen’sche Original, und „Zusammen“ der Fanta4 meistert man ebenso bravourös

Ebenfalls ein Shoutout wert: Drummer Tim Neuhaus, bei dem man zurecht den Wunsch hatte, er hätte das Konzert mit einem Solo-Set eröffnet. Der Mann ist nämlich ein begnadeter Solo-Artist – entschädigt wurde man immerhin mit einem Duett im regulären Clueso-Set. Gänsehaut-Potenzial und ein Artist, der durchaus den einen oder anderen Abstecher wert ist. Naturgemäß am ausgelassensten ist die Stimmung bei den Klassikern „Achterbahn“, dem noch immer ohrwurmverursachenden „Freidrehen“ und dem abschließenden „Chicago“ – ja, Clueso weiß, wie man unterhält. Zwei Zugaben später wird ein knapp zweitstündiges Set beendet, das für Fans zwar nicht überragend, aber sicher befriedigend war. Alle anderen sollten Clueso dann aber zumindest in die Spotify-Standardplaylist aufnehmen. Denn enttäuscht wird man bei ihm nie.

Foto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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