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SBÄM Fest Fall Edition: Abriss mit Millencolin und Anti-Flag

13 Artists waren am Freitag bei der SBÄM Fest „Special Fall Edition“ auf 2 Bühnen verteilt im Einsatz. Das hieß vor allem eines: ein Nachmittag/Abend mit verdammt viel Punk Rock. Richtig gut war das meiste davon noch dazu! Starke Auftritte von Anti-Flag und Frenzal Rhomb, sowie ein die äußerst würdigen Headliner Millencolin sorgten einmal mehr für fantastische Stimmung im Alten Schlachthof Wels.

Gemäß dem Motto „It’s a dirty job, but someone’s gotta do it“ muss so ein Festivaltag von irgendjemandem eröffnet werden. Beim herbstlichen SBÄM Fest (mit Temperaturen um die 25 Grad – lol) wurde diese Ehre der Band Worriers aus Brooklyn zuteil. Die gaben sich bemüht und namen ihr Rolle routiniert an, was sicher nicht selbstverständlich ist wenn man die Bühne betritt und einen (noch) leeren Konzertsaal vorfindet. Aber keine Angst! Mit den ersten Akkorden um Punkt 14 Uhr kamen schnell die ersten Schaulustigen in den Saal gepilgert und wurden mit geradlinigem, melodischem Punk, angelehnt an die jüngeren Lehrbeispiele von Against Me belohnt. Solider Auftakt!

Eine Neuerung gab es auch – nämlich die zusätzliche „small stage“, wo sich abwechselnd Künstler mit Akustikgitarre (Jon Snodgrass, KJ Jensen,…) und junge, unbekannte Bands wie Hurricane Season aus Klagenfurt beweisen durften. Eine lobenswerte Sache, auch wenn so ein Non-stop-Programm auch dem Publikum durchaus Energie kostet, wenn die Bühnen durchgehend abwechselnd bespielt werden.

Es folgte mit Consumed die erste SBÄM „Haus- und Hofband“. Das letzte Album erschien 2002, ein Jahr vor Auflösung der Band. 2015 begann man wieder vereinzelte Konzerte zu spielen und heuer erschien doch tatsächlich eine neue EP mit dem Titel „A Decade Of No“ auf – richtig! – SBÄM Records. Liebenswürdig britischer Humor trifft auf Skatepunk-Hymnen der frühen 2000er („Wake Up With A Smile“): ein Genuss!

Swallow’s Rose aus Niederbayern feierten am Freitag die Veröffentlichung ihrer ersten Platte namens „Live, Love, Hate & Hope“ (klarerweise auf SBÄM Records) und hatten sichtlich Bock darauf, diesen Anlass mit einigen ihrer Idole zu feiern. Eine junge Punk Rock Band, die man auf alle Fälle im Auge behalten sollte. Das hat Potenzial!

So hundertprozentig ins Line-Up passen wollten die Cancer Bats nicht, aber herauszustechen ist ja per se nichts schlechtes und immerhin sind diese kanadische Hardcore/Sludge/Metal-Dampfwalze gerade mit Anti-Flag und Silverstein (die ja auch nur bedingt ins Beuteschema passten) auf Tour unterwegs. Machte also Sinn und war auch eine willkommene Abwechslung. Leider machten sich bei diesem Auftritt die recht kurz gehaltenen Umbauphasen und die suboptimal angelegte Beschallung im Schlachthof stark bemerkbar. In den vorderen Reihen konnte man wahlweise, je nachdem ob man links oder rechts stand, entweder nur Bass oder nur die Gitarre hören. Ein kaputtes Mikrofon kam dann noch dazu. Die Band selbst störten die Soundprobleme weniger. Die Cancer Bats zogen ihr Ding unbeirrt durch. Gemessen am Geschehen auf der Bühne mit Sicherheit die energiegeladenste Band des Tages.

Yotam Ben Horin kommt aus Irael und ist normalerweise Frontmann der Band Useless ID. Aktuell ist er wieder einmal solo unterwegs. Am Wochenende zuvor konnte man ihn übrigens auch schon im „El Mariachi“ in Linz bewundern. Seit knapp 10 Jahren tourt dieser Herr als standesgemäßer Singer/Songwriter umher und versucht sich recht erfolgreich an folkigen Akustiknummern. Seit etwa Frank Turner oder Chuck Regan diesen Werdegang so erfolgreich vorgemacht haben, ist die Erzählung vom Lagerfeuer-Punk vielleicht ein kleines bisschen zum Klischee verkommen. Wer es aber gut macht, wird immer ein Publikum für sich finden. So der Fall bei Yotam Ben Horin.

Wie feiert man als größtes lebendes Understatement der Punkrock Szene eigentlich gebührend seinen 30sten Geburtstag? Die Liste an 90er-Jahre-Legenden, die sich 2018 ein Stelldichein in Wels gegeben haben, wird immer länger. Auch Samiam haben sich nun dazugesellt. Mit Alben wie „Clumsy“ und „Astray“ und ihrer Mischung aus melancholischem Indie und rumpeligem Punk Rock haben sie Generationen von Bands beeinflusst, von denen einige (z.B. Green Day) bis heute kommerziell in ganz anderen Sphären schweben. Bleibt fraglich, ob Billy Joe Armstrong um 17:30 auf einem Indoor Festival in Oberösterreich spielen würde und dabei auch noch annähernd so viel Spaß hätte wie die Herren von Samiam – chapeau!

Das Gegenteil von Understatement betreiben Frenzal Rhomb. Die Australier sind seit den frühen 90ern ein Flagschiff des „Melodycore“ und seit der Veröffentlichung ihrer ersten Platte seit 6 Jahren („Hi-Vis High Tea“, 2017) wieder vermehrt aktiv. Die vier Aussies gaben sich deutlich härter, dynamischer und durchgeknallerter – kurz genau das, was das SBÄM Fest Publikum brauchte um so richtig in Partystimmung zu kommen. Denn langsam aber sicher näherten wir uns den Hauptacts des Abends…

Danach verschlug es uns aber nochmal kurz zur kleinen Bühne, wo KJ Jansen spielte. Auch der sympathische Kanadier ist mittlerweile ein alter Bekannter bei SBÄM Veranstaltungen, war schon mehrmals mit seiner Pop-Punk-Band Chixdiggit! zu Gast. Mit der vollen Band machen seine Songs zwar deutlich mehr Spaß als mit der Akustikgitarre, wer aber auch nach über 25 Jahren Musikgeschäft seinen pubertären Schmäh noch in derart purer Form erhalten kann, der verdient nichts als Liebe und Anerkennung.

Silverstein war, neben den bereits erwähnten Cancer Bats, die zweite Band die ziemlich aus dem Line-Up herausragte, werden die Kanadier doch eher der Emo/Post-Hardcore Schublade zugeordnet. Das war Sänger Shane Told natürlich bewusst. „We know we’re not a punk rock band. But this scene is where we grew up and it still means a lot to us.“, ließ er wissen und war wohl selbst ein bisschen überrascht, dass eine sehr textsichere und Bewegungsdrang versprühende Meute zu den Bandhymen „My Heroine“ und „Smile In Your Sleep“ so richtig aufdrehte.

Die Show von Anti-Flag fiel dann in die Kategorie „bistdudeppad“, denn Justin Sane, Pat Thetic und die Herren Chris #1 und #2 hatten mal so richtig Bock und feuerten angefangen bei „Die For Your Government“ aus allen Zylindern. Selbiges galt aber auch für das Publikum. Im Sekundentakt flogen Bierbecher und Schuhe hin und her, waren Crowdsurfer unterwegs und wurde gemosht, wie es der Schlachthof wohl schon länger nicht mehr gesehen hat.

Nun, was sollte da noch kommen? So ein Abend braucht natürlich einen gebührenden Headliner – und auch den hatte man mit Millencolin parat. Dazwischen wurde aber in Windeseile eine knapp zwei Meter breite Absperrung zwischen Bühne und Publikum errichtet. Ob auf Wunsch der Band, oder einfach als Reaktion darauf, dass es vorhin vielleicht ein bisschen zu wild zuging? Darüber könnten wir jetzt nur mutmaßen. Fakt ist, dass Millencolin den immensen Energiepegel nicht auf gleichem Level halten konnten, was alleine schon an der sparsameren Publikumsinteraktion der Schweden lag. In den vorderen Reihen steppte bei Hits wie „No Cigar“, „Farewell My Hell“ aber definitiv der Bär und den besten Sing-along-Moment des Abends konnte mit Sicherheit „The Ballad“ verbuchen. Guter Abschluss für eine pickepackevolle SBÄM Fest Fall Edition.

PS: Ja, die Essenspreise waren dieses Mal echt okay!

Fotos: Andreas Wörister, Christoph Thorwartl

 

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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