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LaBrassBanda: bayrischer Blasmusik-Tsunami

Blasmusik – ein Thema, wo Musikfans oft emotional werden. Entweder man mag sie, oder man verabscheut sie. Nur wenige Bands schaffen es, sowohl Anhänger als auch Kritiker glückselig zu hinterlassen. Einer dieser Vertreter sind LaBrassBanda, die am vergangenen Freitag im Linzer Posthof einmal mehr deutlich machen, warum Zigtausende zu ihren Konzerten pilgern. Ein schweißtreibender Abend, den man wohl so schnell nicht vergessen wird. 

Auch den Support wird man durchaus länger in Erinnerung bleiben: Gringo Bavaria hieß der. Nur zum Verständnis. Auf dem Weg vom Posthof-Beisl in den ausverkauften großen Konzertsaal musste man an einem Mike-Singer-Konzert vorbei, der den ebenfalls ausverkauften mittleren Saal bespielte. Dem Kreischgewitter nebenan entkommen war es dementsprechend mehr als versöhnlich, was während der ersten Dreiviertelstunde geboten wurde. Stilistisch sind Gringo Bavaria eher im Rock als in der Blasmusik zu Hause – tragen aber ihre Texte genauso ironisch vor wie die folgenden LaBrassBanda. Man hatte das Gefühl, dass die Herren auf der Bühne einen Riesenspaß haben, vor einer mit 1200 Leuten ausverkauften Hütte zu spielen. „Handgmach’t und Boarisch“ schreiben sie über ihre Musik – geerdet wirken sie als Personen ebenso. Tosender Applaus und Zugabe-Rufe schaffen dann halt nicht alle Support-Bands. Gringo Bavaria schon. Thumbs up!

LaBrassBanda bewiesen danach, warum sie zurecht als eine der besten Blasmusik-Livebands gelten. Stefan Dettl und Co sind in ihrer Bandhistorie auch schon herumgekommen – und damit meint man übrigens nicht den Weg zwischen Rosenheim und Fürstenfeldbruck. Nein, die ganze Welt durfte ihrer Blasmusik schon lauschen, passenderweise heißt auch das aktuelle Werk „Around The World“ – und nur wenige bringen Touranekdoten so pointiert an das Publikum wie es Stefan Dettl kann. Egal ob bei „Ujemama“, dem bekannten „Cadillac“ oder dem „Bayrischen Techno“ – LaBrassBanda schaffen es, das Publikum niemals zum Stillstand zu bringen. Auch die – betont – überaus freundlichen Securities werden eingebunden, um etwaigen Kollateralschäden im Publikum aus der Patsche zu helfen. Aufgesetzt wirkt bei „LaBrassBanda“ wenig – auch dann nicht, wenn der „Huaba“ notgedrungen einen Witz erzählen darf, soll, oder muss. Je nachdem. Knapp zwei Stunden brettern LaBrassBanda wie ein Schneepflug durch ihre Discographie. Blasmusik als Bewegungstherapie, quasi. Eine Bewegungstherapie, die nicht nur gut für den Kalorienverbrauch war, sondern auch im Ohr angenehme Schwingungen hinterlassen hat, und wo auch notorische Blasmusik-Verweigerer auf eine Wiederholung hoffen.

Foto: Christoph Thorwartl, Andreas Wörister (Slihs Photography)

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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