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Auf neuen Pfaden – Life is Strange 2 – Episode 1: „Roads“

Die Zeiten von Polaroidkameras und blauen Haaren sind vorbei. Liebe und Freundschaft werden ersetzt durch Hass und Rassismus. Malerische Strände durch eisige Wälder. Life is Strange 2 ist hier, und schlägt mit der ersten Episode „Roads“ äußerst passend zum Titel ganz neue Wege ein. Wie bisher kein anderes Spiel zeigt Entwickler Dontnod unglaublichen Mut zur realistischen Darstellung, lässt keine kritischen Themen außen vor. Denn in dieser Welt, und diesem Seattle, ist alles politisch. Was bleibt ist die Hoffnung auf ein sicheres Zuhause, in einer Welt, in der dies unmöglich scheint. 

Wie auch bei unseren bisherigen Life is Strange Reviews enthält dieser Review große Spoiler auf die Handlung von Life is Strange 2 – Episode 1: Roads!

Seattle, im Herbst 2016. Wir erleben in Life is Strange 2 zwei die Reise dem 16-jährigen Sean Diaz, und seinem kleinen Bruder Daniel – Söhne eines mexikanischen Einwanderers. Zeitlich spielt die Geschichte nur wenige Wochen, vor der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten dessen Wahl mit einem großen Versprechen gewonnen wurde: dem Bau einer Mauer an der mexikanischen Grenze. Niemals hätten wir gedacht, dass ein Spiel es wagt, derart politische Themen nicht nur anzusprechen, sondern direkt offen darzulegen.

Life is Strange 2  – Episode 1: Roads
Publisher: Square Enix
Entwickler: DONTNOD Entertainmentlife
Plattformen: PC, PS4, XBOX One
Metacritic-Score: 85%
Preis: 39,99€ (für alle 5 Episoden)

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Sean und Daniel Diaz – Brüder, gezeichnet vom Schicksal

 

(K)eine schöne heilen Welt!

Das Seattle welches sich uns zeigt, ist kein Beispiel des typischen, amerikanischen Traums. Es ähnelt dem Arcadia Bay aus dem ersten Teil auf keiner Eben – gibt es weder elitäre Schulen auf denen ein heiles Weltbild prophezeit wird, noch die trügerische Idylle der malerischen Strände mehr. Dieses Seattle, ist der Schauplatz von zahlreichen Hasstiraden und Rassismus, von Kriminalität und Polizeigewalt. Versuchen Spiele uns sonst, eine Ausflucht von der Realität zu bieten, macht Dontnod das genaue Gegenteil. Die Entwickler beweisen Mut zum Realismus, und scheuen vor kritischen Themen nicht zurück. Hatte auch Life is Strange schon ernste Themen angesprochen, war dies dennoch in einer leichteren Verpackung zu finden, und der Anfang sehr zurückhaltend.

Episode 1 – „Roads“ – lässt hier dem Spieler nur kurz Zeit, sich in einer scheinbar heilen Welt einzufinden. Wir schlüpfen in die Schuhe von Sean, dem ältesten der zwei Diaz-Brüdern. Er und Daniel leben behütet von ihrem Vater ein scheinbar unbeschwertes Leben. Wir erleben ihren Familienalltag, und sehen dass Sean aktuell nur davon beschäftigt wird, wie er denn das Mädchen seiner Träume auf ein Date ausführen kann.

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Der Schein der Idylle trügt

Doch die Idylle nimmt nach nur einigen Minuten bereits ein jähes Ende: ein Polizist erschießt Seans Vater – den Mexikaner, welcher friedlich in Ko-Existenz in der kleinen Vorstadt von Seattle lebte. Dies passiert direkt vor den Augen der zwei Brüder. Dabei geschehen unglaubliche Dinge: in seiner Verzweiflung, erwachen verborgene Kräfte in dem kleinen Daniel. Er schleudert das Auto des Polizisten mit Hilfe von Telekinese durch die Luft – und erschlägt somit den Polizisten.

Das Leben der zwei Brüder wie sie es kannten, ist nun für immer vorbei. Aus Angst, für den Tod des Polizisten verfolgt zu werden, entscheidet Sean mit Daniel auf einen Roadtrip aufzubrechen – Ziel: Mexiko. Ihre ursprüngliche Heimat, in Hoffnung dort ihre entfernte Familie zu finden.

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Vorbei ist die Zeit der behüteten Familie

 

Zwei Brüder auf der Flucht

Es beginnt ein komplett neuer Weg für Sean und Daniel – ängstlich, und auf der Flucht. Dem Spieler bleibt lediglich eine kleine Chance, Seans Rucksack zu packen. Er hat hier mehrere Auswahlmöglichkeiten, Essen, Trinken, ein Seil und vieles mehr. Die Gegenstände welche hier gewählt werden, sind unser einziger Anhaltspunkt und haben eine große Auswirkung, wie sich der Überlebenskampf der Jungs entwickelt.

Doch nun ist es vorbei mit den Samthandschuhen. Das Leben als mexikanischer Einwanderer ist hart, und man bekommt es an jeder Ecke zu spüren. Rein aufgrund unserer Herkunft, werden wir hierbei von wildfremden Menschen beschimpft, wird uns Gewalt angedroht. Uns zeigt sich hier ein komplett neues Weltbild im Vergleich zur Geschichte des Vorgängers – düster, und dennoch realistisch. Sowohl verbal, als auch physisch, werden die zwei Brüder auf ihrer Reise geschlagen. „Für Abschaum wie euch bauen wir die Mauer“ – ist nur eine der Feindseligkeiten, welche wir erleben. Dies löst unglaublich viel Emotionen beim Spieler aus, Gänsehaut pur.

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Hass und Abneigung erwartet uns an allen Ecken

 

Und wie auch schon beim ersten Teil,  sind es die emotionalen Momente, welche Life is Strange 2 so wunderbar machen. Die Reise der Brüder bietet hierfür eine tolle Bühne. Man erlebt das starke Band, welches die Geschwister verbindet. Wie sehr der Hass der ihnen entgegenschlägt, sie zusammenschweißt. Man spürt, wie schwer es Sean fällt, für seinen Bruder stark zu sein. Dies unterstreicht diesmal das Spielprinzip der Serie besser denn je.

Die Entscheidungen, welche uns in Life is Strange 2 erwarten sind hart. Möchte ich meinem Bruder die harte Wahrheit sagen? Daniel ist nicht bewusst, dass ihr Vater bei dem Fall ums Leben kam. Soll ich ihn vor der Realität beschützen?

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So schwer die Reise auch sein mag – die Brüder schaffen es gemeinsam

 

Eine gefühlvolle Welt in einer kalten Realität

Auf der Reise erwarten uns malerische Landschaften, und ein erneut wunderschöner Soundtrack. Wie auch Life is Strange wurde der Nachfolger unter anderem von der Band Syd Matters insziniert. Dies führt zu viel Nostalgie in Bezug auf den ersten Teil – spielt doch der Nachfolger genau in der Stadt, in welcher Max jahrelang vor ihrer Rückkehr nach Arcadia Bay lebte.

Beschrieb sie damals noch Seattle als idealen Ort für Künstler, eine freie Stadt, wo nicht gar Träume wahr werden können, erleben wir hier den harten Boden der Realität. Die Grafik hat hierbei nochmal einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht seit dem Vorgänger, und man merkt den Einsatz von Unreal Engine anstatt Unity.

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Das Abenteuer hat grade erst richtig begonnen!

 

Fazit: Unglaublich mutig, unglaublich schön!

Wir in der Redaktion, waren von Life is Strange 2 – Episode 1: Roads , gleichermaßen begeistert als auch geschockt. Wir hätten niemals erwartet, dass in so einem Spiel soviel Mut zur offenen Kritik und Realismus gezeigt wird. Dass wir in die Schuhe von Leuten mit Migrationshintergrund treten, und am eigenen Leib erfahren wie schlecht man sich fühlt, wenn dir Hass und Rassismus entgegenschlägt. Obwohl im ersten Teil bereits erste Züge einer Gesellschaftskritik zu spüren waren, nimmt Dontnod hier wirklich kein Blatt mehr vor dem Mund. Denn in diesem Seattle gilt, wie auch in der Episode angesprochen: „Alles ist politisch“.

Die Geschichte von Sean und Daniel ist bereits jetzt absolut fesselnd und emotional. Wir sind sehr gespannt auf die nächste Episode!

Bereichswertungen

Story & Atmosphäre 95%
Gameplay & Steuerung 70%
Umfang 90%
Grafik & Design 90%

Gesamtwertung

86%
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Written by

Mediendesign Studentin | Liebhaberin von jeglicher guten Livemusik - der Fotografie speziell bei Sonnenuntergang - Sarkasmus - guten Videospielen - und einer heißen Tasse Kaffee am Morgen!

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