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Welcome to Sodom – dein Smartphone ist schon hier

Schwarze Rauchwolken steigen auf über den Müllbergen von Agbogbloshie. Hier in der Hölle von Accra wird unser westlicher Elektroschrott verarbeitet, der illegal seinen Weg nach Afrika findet. Unter schwersten Bedingungen versuchen 6.000 Menschen, davon zu leben – Welcome to Sodom!

Florian Weigensamer und Christian Krönes zeigen in ihrem Dokumentarfilm die Kehrseite unserer Wohlstandsgesellschaft. „Sodom“, so wird die Müllablagerung in Agbogbloshie einem Stadtteil von Accra in Ghana von den einheimischen Menschen genannt. Rund um das Jahr 2000 startet Europa an diesem Ort ein Hilfsprogramm mit dem Deckmantel „Secondhand“, schnell wurde aus ein paar Container 250.000 Tonnen pro Jahr. Agbogbloshie gilt als die weltgrößte Elektroschrottmüllhalde. Der europäische Schrott wird illegal dort hin transportiert, wider der Basler Konvention, die die Kontrolle der grenzüberschreitenden Transporte gefährlicher Abfälle regelt.

Die ausrangierten elektronische Geräte wie Computer, Drucker, Smartphones usw. treffen auf mehr als 6000 Frauen, Männer und Kinder, welche dort arbeiten und leben. Die Menschen zerkleinern und schmelzen den Schrott und versuchen so, aus dem europäischen Müll ihr Leben zu finanzieren. In der Dokumentation wird gezeigt, unter welchen Lebensbedingungen der Recyclingprozess in Ghana stattfindet.

Recycling selbst in ist in Europa ein sehr positiv behafteter Begriff, Nachhaltigkeit, Sauberkeit und „Greenlife“ gehen oft mit dem Wort einher. Ohne den notwendigen Technologien, Filtern und Maschinen gestaltet sich Recycling als eine sehr schmutzige, für den Körper und Umwelt schädliche Angelegenheit. Mit Hilfe von Feuerstellen, kleinen Magneten und Handarbeit werden die wertvollen Rohstoffe wie Kupfer, Eisen, Aluminium etc. aus den Schrott geborgen. So wurde nicht ohne Grund der Ort „Sodom“ 2013 von der Umweltorganisation Blacksmith Institute zu einem der am schlimmsten verseuchten Orte der Welt gewählt. Die schädlichen Stoffe findet man in der Luft, im Boden und auch im Grundwasser.

Mit eindrucksvollen Bildern werden die scheinbaren endlosen Schrotthügel den Zuschauer*innen näher gebraucht. Der Fokus der Filmproduzenten liegt klar in der Beobachtung. Im Vordergrund steht der Alltag der dort in Blechhütten lebenden Menschen. Ihre persönlichen Geschichten rücken in den Vordergrund und Zahlen und Fakten werden kaum transportiert. Florian Weigensamer und Christian Krönes differenzieren sich mit dieser Tatsache etwas von dem klassischen Genre der Dokumentation. Das Werk erinnert etwas an den Film von „Untitled“ von Monika Willi, die in ihrer Dokumentation die letzten Aufnahmen von Michael Glawogger verarbeitete. Auch hier steht die objektive Beobachtung im Vordergrund. Verantwortlich für die beeindruckenden Aufnahmen ist Christian Kermer, der mit langen Einstellungen und detaillierten Ausschnitten die Handlungsstränge dokumentierte.

Ein Film zeigt in anschaulichen Bildern, unter welchen Umständen Menschen am Ende der Wertschöpfungskette des Technologiezeitalters leben. Im Vordergrund steht die generelle Sensibilisierung der Menschen zum Thema Müll, genauer Elektroschrott.

Wie die Faust aufs Auge passt auch der österreichische Kinostart am Black Friday – vielleicht ist ein Kinoticket die bessere Alternative zum neuen Smartphone.

Persönliche Meinung:
Für mich gilt der Film als gelungene Beobachtung der Geschehnisse in „Sodom“. Gerade die detailgenauen Aufnahmen haben mich berührt. Sowie auch die einzelnen Geschichten der Protagonisten. Persönlich fehlte mir jedoch etwas der Dokumentationscharakter, der Film zeigte zwar das Leben in Agbogbloshie, gab jedoch nur wenig allgemeine Informationen. Erst bei der Recherche für diesen Artikel zeigten sich für mich so einige Zusammenhänge. Deswegen ist meine Empfehlung, sich vor dem Film kurz in das Thema einzulesen.

Mehr Informationen findet ihr hier.

Spielzeiten:
23.11- 27.11 im Moviemento

Fotos: www.welcome-to-sodom.de

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Studentin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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