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Tonträger Records: ein blecherner Jahresausklang

Samstag, letztes Wochenende im alten Jahr. Umso erfreulicher, dass die Linzer Hip-Hop-Allstar-Crew Tonträger Allstars zum beatlastigen Jahresausklang in die Linzer Tabakfabrik lud. Ebenfalls dabei: Chill-Ill mit neuem Projekt „Dynamic Drift“, sowie Hörspielcrew-Member P.Tah samt dem Linzer Dancehall-Aushängeschild Kinetical. Ideale Voraussetzungen für ein Konzert also. Ja, eh. Wenn denn da nicht der Sound gewesen wäre, der das Konzerterlebnis dann doch etwas trübte.

Eins vorweg: Schuld kann man hier keinem zuweisen. Denn wenn die Linzer Tabakfabrik eines nicht mehr wird in ihrer derzeitigen Form, dann ist es eine hervorragende Konzertlocation. Die beschallungstechnischen Herausforderungen in der alten Fabrik wurden im Rahmen dieses Konzertes einmal mehr deutlich. Das musste auch Chill-Ill anerkennen, der um ca. halb zehn Uhr abends die Bühne betrat. „Dynamic Drift“ heißt der neue Output des Wahllinzers – dass er seinen Fokus auf durchdachte Texte legt, weiß man auch. Klang halt alles ein bisserl sehr fragwürdig, und manchmal tat man sich schwer, auch bekannte Lines zu verstehen. Da hilft dann leider auch ein (gelungenes!) Feature mit Kinetical am Ende nix mehr – aber trotzdem Thumb Up für den Artist. Aus schwieriger Situation noch das Beste gemacht – next time bitte aber wieder in der KAPU, oder so.

Auch P.Tah und Kinetical hatten danach zu kämpfen, das Publikum zu motivieren. „Ghost“ heißt deren EP, die sie zusammen auf Duzz Down San veröffentlicht haben. Tanzbar, mit ein bisserl Dancehall-Einlagen, der Beat drückte auch. Die Lyrics aber auch hier schwer bis nicht verständlich, was wiederum, und es kann nicht genug betont werden, nicht an Technik und Artist gelegen ist. Besonders gelungen: Linz-Urgestein Def Ill auf der Bühne.

Gekommen waren die knapp 200 Leute dann aber doch wegen der Quasi-Gesamten-Hip-Hop-Szene der Stahlstadt: den Tonträger Allstars. „Chefpartie“ heißt das Kollabo-Album, dass Kayo, Texta, Average, Hinterland und Da Staummtisch gemeinsam aufgenommen haben. Besonders pikant: „Chefpartie“ ist auch das letzte Werk, wo Huckey zu hören war. Das dazugehörige Konzert löst immer noch mehr als bedrückende Gefühle in uns aus, und wird wohl ewig in Erinnerung bleiben. Die akustischen Probleme nahmen die Herren an diesem Abend in der Tabakfabrik sportlich: zwei Stunden lang wird ein buntes Potpourri der Tonträger-Artists geboten. Von Soloprojekten wie „Pistoin“ von Da Staummtisch, „Voixsmusik“ von Hinterland, „I woa a amoi jung“ von Kayo bis hin zu Texta-Klassikern wird alles geboten, was das Herz begehrt. Gepaart mit ein paar Bierchen aus dem Einweg-Plastikbecher (yummy!) ein nostalgischer Trip, der wohl auch Huckey gefallen hätte. Ein würdiger Hip-Hop-Jahresausklang!

Foto: Christoph Thorwartl

 

 

 

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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