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Musik aus Linz, angesiedelt zwischen Funk, Soul und Rock – Sister Jones haben mit „Breathe“ nach „Paul is Dead“ und „Number 9“ wieder eine Platte am Start. Eine Platte für Fans lokaler Musik, die aber auch ein wenig Richtung internationalem Anspruch greift.

Bereits der Opener, „Rope“, zeigt sehr deutlich, wohin Sister Jones mit ihrer Musik wollen. Bläser treffen auf Rock, der Titel „Rope“ dürfte wie so oft auf die „eine richtige fürs Leben“ abzielen – „comb my hair and sleep with me“ ist als Lyric da schon ein deutliches Anzeichen. Ansonsten ein grundsolider Song, der die weitere Entwicklung der Platte einleitet. Die folgende Singleauskopplung „In My Dreams“, setzt nämlich nahtlos an. „All that is left is deep inside me“ kann man als Quasi-Folge der oben erwähnten Zeile sehen – halt ein bisserl später, wenn die Liebe dann nicht mehr ganz so frisch ist.

Etwas souliger geht dann Track Nummer Drei, „Whalebone“, an. Mit Linda Mühlbacher als neuen Background-Vocals (einer von zwei Neuzugängen im Ensemble) eine Nummer, die offensichtlich auf der 2017 stattgefundenen Tour durch Norwegen entstanden ist, oder zumindest der Hintergedanke dazu war. Eine Liebeserklärung an die skandinavischen Landschaften und dortige Gepflogenheiten. So ganz subjektiv gesehen: all jene Fans, die bereits selbst im hohen Norden waren, werden sich in diesem Song wiederfinden können.

„Lenny Pain“ ist dann einer der wohl ungewöhnlichsten Reiseführer durch Liverpool, rund um Schlachthöfe, Gefängnisse und Co. Man muss ja das Image einer Stadt pflegen, oder so. Wenn man die Beatles als Influcencer (sic!) angibt, dann sowieso. Mit „Reprise“ wird die zweite Hälfte eines Albums eingeläutet – „In My Dreams“ wird durch den Melancholiefleischwolf gedreht, und als eine, naja, so ganz andere Variante reprised, also wiederholt. Ein Interlude, das zwar vorhanden ist, dann aber doch sehr stark aus dem vorangegangenen Fluss herausfällt und ein bisschen Erklärungsbedarf zurücklässt.

Dieser Bedarf wird aber dann mit den ersten Takten von „Animal“ wieder mal hintangeschoben – es geht gewohnt weiter. Mit der Message, die Welt vielleicht mal durch die Augen eines „Tieres“ zu sehen – und damit abseits von bekannten Stereotypen. Zumindest interpretieren wir das mal an dieser Stelle so rein. Gewohnt soul-rockig untermalt ein eingängiger Track für Sonntagvormittage. „The Jesus Song“ dürfte wohl der Song sein, der während Kreativpausen entstanden ist. Drummer Hannes Eilmsteiner versucht sich hier als Blues-Vocalist. Mit Groove ein starker Bruch zum Rest der Platte – sollte der Song vielleicht als Interlude gedacht sein?

Denn mit „What’s for Dinner“ und „Between The Trees“ entlässt die Platte den Hörer danach mit gewohntem Sound. Wobei letzterer mit Piano-Outro für einen eher gemütlichen Ausklang der Platte sorgt. „Breathe“ ist eine Platte, die offenbart, dass sich das Sextett durchaus viele Gedanken darüber gemacht hat, wie man vergangenen Einflüsse möglichst gut verpackt auf einem Album präsentiert. Als Plattitüde könnte man schreiben: ja, die Platte „atmet“! Abgesehen von einem Interlude-Break und einem Blues-Ausreißer klingt das dann auch so. Eine Platte, die zeigt, dass die Stadt Linz doch noch ein paar empfehlenswerte Bands zu bieten hat, und eine Band, der man auch auf „Breathe“ gerne eine Chance gibt. Für local Fans: stellt sie euch ins Regal und hört sie. Für alle anderen: es gilt dasselbe!

Sister Jones – „Breathe“
VÖ: 25.1.2019, Independent Audio Management

Mehr Infos auf Facebook und auf www.sisterjones.at

Titelfoto: Christoph Thorwartl

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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