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Diagonale 2019: Angelo

Auf einer wahren Begebenheit basiert das neue Werk von Markus Schleinzer. Der Film Angelo erzählt von einem Leben als schwarzer Diener am österreichischen Hof im 18. Jahrhundert. 

Markus Schleinzer erzählt in seinem Werk Angelo die Geschichte von einem afrikanischen Jungen, der am österreichischen Hof im 18. Jahrhundert Aufsehen erregte. Die Verfilmung beruht auf der tatsächlichen Biografie von Angelo Soliman. Von der Ankunft über seine Ausbildung bis hin zum Ende spannt Schleinzer einen Bogen über das absurde Leben von Soliman. Der Film ist in drei Episoden unterteilt. In der ersten Phase setzt der Regisseur stark den Fokus auf Ankunft am Hofe und Ausbildung, vor allem die musikalische Ausbildung. Das Leben am Hof als Diener und Gefährte vom Kaiser ist der Hauptaspekt im zweiten Abschnitt. Die letzte Phase zeigt Angelo als alten Mann mit seiner Tochter und endet mit seinem Tod und dessen Nachwirkungen. Aus seiner Haut wurde ein Präparat gefertigt und in einem Wiener Museum ausgestellt. Bewusst wurde es auf eine sehr authentische Darstellung der „wilden Afrikaner“ Wert gelegt.

Im Unterton schwingen verschiedene Aspekte mit, unter anderem der Aspekt des Fremden. Und wie das „Fremde“ in der österreichischen Kultur im 18. Jahrhundert verankert war. In erster Linie faszinierte es die Menschen am Hofe jemanden andersfarbigen als Unterhalter bzw. Diener zu haben. Er war etwas Besonderes. Andererseits wurden auch Szenen gezeigt, wo das Fremde dominiert bzw. unterdrückt wird, beispielsweise die Taufe, die Ausbildung und das Erlernen der Kultur am Hof

Auch die innerlichen Konflikte von Angelo werden sichtbar. Bei der Ankunft wurde ihm von der Comtesse, gespielt von Alba Rohrwacher, zugesichert, dass er jetzt Sicherheit ist und einer von ihnen ist. Dass er jedoch nie einer von Ihnen sein wird und immer der auffallende Exote sein wird, wird ihm im Laufe des Films bewusst. Und umso stärker wird auch der innerliche Wunsch dazuzugehören.

Für mich war gerade die teilweise stilistische Verwendung von modern Kulissen wie Neonlampen oder Betonhallen sehr verstörend. In einem Q&A lüftet Schleinzer das Geheimnis: er hat bewusst Bilder aus dem Jetzt genommen, damit man sich besser mit der Geschichte identifizieren kann und auch eine Brücke in die Gegenwart schlägt. Seiner Meinung nach ist die Quintessenz der Geschichte von Solimann immer noch aktuell. Ich teile hier seine Meinung, die Geschichte des Exponates des Fremden zieht sich bis ins 21. Jahrhundert. Was vielleicht im 18. Jahrhundert oder früher begonnen hat und mit der Wiener Völkerschau im 19. Jahrhundert weiterging, hat leider bis jetzt noch kein Ende genommen.

Angelo
Spielfilm, AT/LU 2018, 111 min, OmeU (2018)
Regie: Markus Schleinzer
Darsteller*innen: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Kenny Nzogang, Lukas Miko uvm.
Mehr Informationen findest du hier.

 

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Konzerte - Filme - Bücher - Musik - Kunst // Studentin - Veranstalterin - Redakteurin - Fotografin

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