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Turbobier: die Könige aus Simmering im Wirtshaus

Zugegeben: uns fällt auf Anhieb keine Band hierzulande ein, die im Punkrock derart polarisiert wie es die Simmeringer Drangla von Turbobier tun. „King of Simmering“ heißt das selbstbewusste dritte Album – und wo könnte man einen Albumrelease besser zelebrieren als in einem Wirtshaus? Richtig, in einem ausverkauften Wirtshaus. Vergangenen Samstag im wieder erweckten Kulturgasthaus Auerhahn wurde der Drangla-Kultur Genüge getan.

200 Leute, ein verrauchter Barbereich – nein, das Rauchverbot müssen die Jünger der BPÖ, Österrreichs Bierpartei, noch üben. Drangln allerdings nicht mehr. Passend zur Band gab es an diesem Abend Turbobier nicht nur zu hören, sondern auch zu saufen. Um wohlfeile 3,50 pro Seiterl kein übermäßiger lukullischer Genuss – in der nötigen Geschwindigkeit getrunken und mit einem angenehmen Damenspitzerl angereist aber dann auch trinkbar.

Ein Support stand ebenfalls auf der Bühne. Schade eigentlich, dass der im Vorfeld niemals angekündigt worden ist. The Special Bombs hieß der, kommt aus Bayern, macht Punkrock, findet The Lawrence Arms offenbar gut, und kann auch trinken. Das neueste Signing der SBÄM-Punkfamilie überzeugt durch straigthen Punkrock, der das Genre zwar nicht neu erfindet, sich aber live ganz gut ertragen lässt.

Mit einigen Turbobieren mehr lässt sich dann auch die Predigt der Herren Pogo, Doppler, Füzpappn und Promüü ertragen. Live verstärkt durch einen zusätzlichen Musiker auf der Bühne – der Ähnlichkeit halber nennen wir ihn einfach mal Bierbart. Der Rest? Turbobier-gemäß bekannt. Es wird immer noch auf der Donauinserl hinter den Büschen Liebe gemacht, die Bierpartei will immer noch die Alksteuer abschaffen, und „a Mensch ist nu immer a Mensch“. Zwischendurch im biergetränkten Auerhahn-Saunasaal auch Material vom neuen Album „King of Simmering“ mit „Zgroße Schuach“, dann wird „auf Polizei gefahren“, und am Schluss natürlich noch mal der Fuasboiplatz besucht, um am nächsten Tag „Arbeitslos“ sein zu können. Turbobier-typisch also live nichts unbedingt Neues – die Delegierten der Bierpartei nehmens aber dennoch wohlwollend zur Kenntnis. Auch wenn einige schon meditativ an der Bar hingen, ein gelungenes Release in einer Location, die wie gemacht für derartige Dranglereien scheint.

Foto: Christoph Thorwartl / Andreas Wörister

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Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. Eigentlich Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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