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Krautschädl – Ein würdiger Abschluss einer großartigen Karriere

Der letzte Samstag läutete das Ende von fünfzehn Jahren oberösterreichischer Musikgeschichte ein. Krautschädl verabschieden sich mit der „This is Kraut“ Abschiedstour nach fast zwei Jahrzehnten in die musikalische Pension. Zum vorletzten Mal, das letzte Mal mit einem eigenen Konzert, gastierten sie im ausverkauften großen Saal des Posthofs. Zwei Stunden lang gab es einen Rückblick durch die gesamte Albenhistorie, ein sehr würdiger Abschluss! Support war die Bilderbuch-Cover-Band Lorbeeren.

Krautschädl hat sich musikalisch durchaus stark über diese fünfzehn Jahre verändert, das sah man auch dem Publikum im Hafen an. Von Alteingesessenen Mitte-40er-Fans, die wohl schon zur ersten Stunde dabei waren, bis hin zu neuen 16-jährigen Fans, die wohl durch Ö3 zur Band gekommen sind war alles vertreten, um von Krautschädl Abschied zu nehmen. Ein letztes mal so richtig zu schädln. Begonnen hat dieser Abend aber mit den Wienern Lorbeeren, und deren musikalisches Vorbild ist, nunja, so gut versteckt wie eine schwarze Katze im tiefsten Winter. Sound, Gehabe auf der Bühne, Songtexte, Gewand, einfach alles ist eine 1:1 Kopie von Bilderbuch. Nur halt nicht in der hohen Qualität des Vorbilds. Die ganze Performance, sie wirkt einfach, als obenn ein Marketingstudent der Band diesen Stil aufgezwungen hätte, einfach unecht. Musikalisch ist das für Fans dieses Indie-Pops durchaus in Ordnung, aber es bleibt ein komischer Beigeschmack. Mehr Selbstständigkeit und Individualismus würde den Lorbeeren gut stehen.

Darauf folgte ein zwei Stunden langer sentimentaler Abschied. Krautschädl haben wie kaum eine andere Band die oberösterreichische Musikszene geprägt und mit ihrem Sound, ihrer Sprache über die Landesgrenzen hinaus begeistert. Das war der Sound meiner Jugend, also der frühen 90er Jahrgänge. Auch politisch haben sich die drei hochbegabten Welser nie ein Blatt vor den Mund genommen. Sonti, Mölgie und Fizl haben der heimischen Musik unverwechselbar ihren Stempel aufgedrückt. Umso schwieriger dürfte es gewesen sein, diese Setlist zusammen zu stellen. Sollten doch alle Fans jedweder Altersklasse zufrieden gestellt werden. Am Ende war es eine gute Mischung aus alten Klassikern wie „Da Wein“, „Zeit zum Denga“, „GemmaGemma“ und auch neuen Songs wie „Feiah Fonga“. Klar, ein paar alte Songs wie „Da Hoizkopf“ oder „An Woiza“ haben mir als älterem Fan gefehlt ,aber so eine Abschiedssetlist ist am Ende immer ein Kompromiss. Ganz besonderes Highlight, das den Wert dieser Tour noch einmal unterstrich, war der Gastauftritt von Gründungsmitglied „Plescha“ am Schlagzeug. Eine wirklich schöne Geste und man merkte der Band die Freude über dieses Wiedersehen auf der Bühne deutlich an. Ausgelassen anstatt traurig feierten Krautschädl ihr musikalisches Schaffen und die Fans mit ihnen. Diese Energie und Begeisterung auch nach 15 Jahren noch so hoch zu halten, davor muss man den Hut ziehen. Ein würdiger Abschluss einer großartigen Karriere, die leider endet, obwohl sie das eigentlich nicht sollte. Eigentlich sollte irgendwer den Burschen das mit dem Aufhören ausreden, denn das Loch, das sie in der heimischen Musikszene hinterlassen wird nur schwer zu füllen sein und ich wage zu bezweifeln, dass diesen originellen und heimischen Sound je wieder jemand so perfekt hinbekommt. Wer den dreien noch die letzte Ehre erweisen will, sollte am 31. August zum Ort ihrer Entstehung pilgern. Denn bei einem Open Air im Schlachthof Wels gibt es dann das allerletzte Krautschädl Konzert aller Zeiten. Wir werden auch dort sein und ziehen hier jetzt unseren Hut und sagen auch als Redaktion, Danke Krautschädl. Danke für diese wunderschönen Jahre mit euch!

 

Fotos: Andreas Wörister (Slih’s Photography), Florian Lichtenberger

 

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Musikliebhaber, Festivalreisender, Konzertsüchtig, Vinylnerd, Photograph, Konzertveranstalter, Linz-Liebhaber

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