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Anna Vasof: Kino als Apparat als Kino

Anna Vasof ist dieses Jahr eine von drei Gästen des Kurzfilmfestivals Vienna Shorts (VIS), denen ein eigenes Programm gewidmet wurde. Die österreichische Filmkünstlerin arbeitet mit einzigartigen analogen Animationsmethoden, sie nennt es selbst „Non-Stop Stop Motion“. In einer Masterclass durfte Vasof ihre Herangehensweise an das Medium Film präsentieren.

Es habe sie immer interessiert, wie aus einzelnen Bildern ein Film entstehen kann, erzählt Anna Vasof bei ihrem Vortrag im Filmmuseum. Viele von Vasofs Filmen setzten sich daher mit der Funktionsweise des Mediums Film auseinander. Ihre Methode des “Non-Stop Stop Motion” versucht einen neuen Zugang zu der Illusion von Bewegung, die für einen Film-Effekt zentral ist. Vasof erzeugt den Effekt mit Bildern auf unterschiedlichsten Materialen, indem sie die Bilder oder die Kamera bewegt. Etwa mit Zeichnungen auf Geldscheinen, die wie ein Daumenkino durch einen Notenzähler laufen. Manchmal wird die Aufnahme beschleunigt, in anderen Fällen reicht das originale Tempo. Oft sind für Vasofs Ideen aber komplexe Konstruktionen nötig, die die studierte Architektin selbst baut. Diese Technik hinter dem Film wird dann selbst zum Teil des Films – Kino als Apparat als Kino, sozusagen. Gemeinsam mit Vasof können sich die ZuseherInnen dann wundern, wie gut manche Illusionen funktionieren. Etwa in „Domino“, der mit Bilderrahmen und einer fahrenden Kamera arbeitet.

Videoplattformen im Internet finde sie sehr praktisch, meinte Vasof bei der Masterclass. Damit habe sie eine einfache Möglichkeit bekommen, um Kurzfilme zu präsentieren. Ein Blick auf ihren Vimeo-Kanal lohnt sich demnach, eine Auswahl ihrer Arbeiten kann dort angeschaut werden.

Auch der Trailer des diesjährigen Vienna Shorts Festivals stammt von Vasof. Wie in den meisten ihrer Filme steht eine selbst gebaute Konstruktion im Mittelpunkt, aber die Illusion von Bewegung bekommt hier eine andere Rolle. Aus dem Pressetext zum Film: „Die Zündschnur wird in Brand gesetzt, auf der Tonebene läutet das Geräusch eines langen Fallens gleichsam den Countdown ein. Der Start steht unmittelbar bevor – doch der Körper ist träge und nur der Geist ist frei.“

Anna Vasofs neuester Film, „Hitting My Head on the World“, ist mit ca. 15 Minuten ihr bisher längstes Werk. Er ist derzeit am VIS zu sehen. Die technische Konstruktion sitzt hier auf Vasofs Kopf und zeichnet das Geräusch auf, wenn sie ihren Kopf gegen Dinge schlägt – was in seiner Absurdität einigen Humor hat. Die Verbindung zu ihren früheren Filmen, meint sie, sie das Thema der Bewegung. Hier wechseln die Hintergründe in schneller Folge, während sie selbst immer an derselben Position steht. Aus den Geräuschen im Vorder- und Hintergrund komponiert sie mit gezielten Schnitten Musik.

Am 31. 5. um 21 Uhr zeigt das Filmmuseum im Rahmen des Vienna Shorts Festivals eine Werkschau von Anna Vasof. Das Festival läuft noch bis Sonntag, 2. Juni.

Infos und Tickets: viennashorts.com

Titelfoto: © Anna Vasof

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