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Anchorage: The Fifth Wall EP

Am 7. Juni erschien die lang ersehnte, erste EP der Wiener Metalcore/Post-Hardcore Senkrechtstarter ANCHORAGE. „The Fifth Wall“ ist ein eindrucksvolles und recht ambitioniertes Werk geworden, auch wenn man der Platte die lange Planung im Vorhinein doch ein bisschen anmerkt.

Satte drei Jahre haben ANCHORAGE zwischen ihrem ersten Konzert und der ersten EP vergehen lassen. Die Gründe: Startschwierigkeiten, Besetzungswechsel, Verlust des Proberaumes, die Suche nach einem geeigneten Sänger – kurz: alles was man als Band nicht braucht. Seit heuer geht es für die Band aus Wien aber richtig steil bergauf. Impericon berichtet über sie, man spielt wie aus dem nichts ein viel beachtetes Konzert auf dem Nova Rock (inklusive Circle Pit Rekordversuch) und nun gibt es also endlich auch die erste richtige Veröffentlichung.

Ganz verwunderlich ist diese Geschichte aber nicht, denn unter den Mitgliedern finden sich durchaus erfahrene Musiker und Szene-Kenner, die davor in Bands wie Kaiser Franz Josef und The Gogets gespielt haben. Zugegeben – keine Bands bei denen man Metalcore und Post-Hardcore denkt. Genau das aber machen ANCHORAGE und das auch noch sehr gekonnt. „The Fifth Wall“ ist eine modern produzierte und melodische Core-Platte, die Einflüsse von Architects bis Comeback Kid miteinander verwebt und die die Wartezeit allemal wert war.

Die vier Songs schließen sich auf der EP zu einem größeren Konzept zusammen. Es geht um die sieben Todsünden, aber auch gleichzeitig um die Akzeptanz seiner selbst und die Fähigkeiten an seinen Fehlern wachsen zu können, wie Sänger Vadim im begleitenden „Commentary“ zur Platte erzählt. Wo der rote Faden erzählerisch sofort schlüssig wirkt, da wirkt er musikalisch hier und da noch ein bisschen zu reißbrettartig und kalkuliert. Man kann es der Band aber auch nicht verübeln, dass man nach so langer Zeit dem Publikum endlich zeigen will, was man alles kann – und können tun ANCHORAGE einiges.

„Karma“ zum Beispiel ist ein Song, der wie für große Festivalbühnen und die Metalcore-Oberliga geschaffen ist. Auf eingängige „Woah-Oh“-Refrains folgt dann mit „Serpentines“ ein absoluter Brecher der fiesen Sorte. Kombiniert mit den bereits letztes Jahr veröffentlichten Singles „Default“ und „A Voice Within“ manifestiert sich „The Fifth Wall“ als gelungenes, erstes Ausrufezeichen einer Band mit großen Ambitionen. Auf Albumlänge könnte das Ganz dann noch etwas runder und organischer gewachsen klingen. Die Pläne dafür dürften schön langsam reifen und im August geht die Reise zum Free & Easy Festival nach München. Wir dürfen also auf der Hut sein, denn mit dem nächsten Paukenschlag werden sich ANCHORAGE bestimmt keine drei Jahre mehr Zeit lassen.

 

 

TRACKLIST

01. A Voice Within
02. Default
03. Karma
04. Serpentines

VÖ: 07.06.2019, via Pogo’s Empire/Sony Music
CD // Stream // Digital
A N C H O R A G E

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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