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LOW POTION: Aus der Grauzone

Wenn das Schöne in jedem Augenblick mit seiner Schattenseite gespiegelt wird und kleine Gesten eine große Wirkung erzielen: Das Duo Low Potion agiert auf „Silk Blue“ unaufgeregt, man könnte fast sagen unauffällig, aber entschieden. Elf Songs (inklusive einem Intro), die auf diesem Debüt unterkühlt und doch stets auf der Suche nach Wärme zu sein scheinen.

Auf „Silk Blue“ gibt es eine Gemengelage, die so klingt, als hätte sie der Wind davongetragen. Strukturen sind vorhanden, aber man hat dennoch den Eindruck, alles würde wie im Opener „Low“ fließen. Das Tempo? Langsam. Ganz langsam. Es zirpt und wabert. Widauer singt losgelöst von allem, was einen sonst so bremst. Eine distanzierte, ätherisch geheimnisvolle Atmosphäre entsteht, die entfernt an Manu Delagos Klangsprache oder an Größen wie Portishead („Birth“, „Too Beautiful“) erinnert. Bevor an der ein oder anderen Stelle wie dem ausufernden „Lila“, dem sich entladendem „Indigo“ oder dem seltsam entrückten „Artificial“ zu dick aufgetragen wird, beißen sich Anna Widauer (voc) und Chris Norz (prog, drums, percussion) beim restlichen Material lieber in ihre Finger.

Diese Musik erzeugt mit den instrumentalen Verästelungen und den stoischen Beats Melancholie und Realitätsflucht. Mit etwas Glück wird man in „Silk Blue“ hineingezogen, es kann aber auch sein, dass man schnell wieder herausmöchte. Sounds, die oszillieren und eine Stimme, die auftaucht, singt, auf Englisch oder auch mal im Tiroler Dialekt, mal spricht, um dann wer weiß wohin wieder zu entschwinden. Low Potion zu hören bedeutet, nach ihr zu fahnden. Nach den bereits erwähnten Strukturen Ausschau zu halten und nach ihnen wohlwollend zu greifen. Die beiden Musiker haben eine fordernde, ambivalente Platte produziert, die sich wie ein Wackelbild verhält, das vor unseren Augen sein Motiv ändert, wenn man es leicht dreht.

Tracklist:
01. Low
02. Lila
03. Birth
04. The Story Of A Sad Balloon
05. Indigo
06. Suchen Intro
07. Suchen
08. Artificial
09. Too Beautiful
10. Waters
11. Eternal Beauty

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Fotos: Ben Raneburger

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