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Farbenfroh-sphärische Gitarrenklänge gepaart mit der emotionalen Schlagkraft einer Hardcore Band. Kála präsentieren sich auf ihrer dritten EP „Synthesis“ selbstbewusster und definierter als je zuvor.

Seit 2015 haben wir auf ein neues Lebenszeichen der Innsbrucker Hardcore Band Kála warten müssen. Was war passiert? Na zwei vielversprechenden EPs mit reichlich Anklang im In- und Ausland und einigen Touren – unter anderem als Support für Heisskalt – war plötzlich Schluss. Drei Mitglieder verließen die Band. Nur Sänger Sebastian und Gitarrist Jake blieben übrig und verbrachten die letzten Jahre damit, im Hintergrund an neuer Musik und einer neuen Besetzung zu basteln. Am 19. Juli war dann endlich Schluss mit der Warterei und die neu formierte Band vollendete ihre EP-Trilogie mit „Synthesis“.

Es ist fast kein Stein auf dem anderen geblieben und trotzdem klingt die Platte irgendwie vertraut, ist aber gleichzeitig ein Aufbruch in neue Gefilde. „Dreamo“ nennt ihren Stil neuerdings. Nein, das ist kein Pokémon der neuesten Generation, sondern ein Neologismus aus Dream-Pop und Screamo. Und auch optisch hat sich etwas getan: Die Holztür auf dem Cover war erst schwarz, dann weiß, jetzt liegt ein bunter Regenbodenfilter darüber und die Tür steht offen: Ein Sinnbild. Synthesis ist die bisher ambitionierteste Platte der Innsbrucker, weil sie keinen Hehl mehr aus den melodischen Stärken der Band und den verträumt shoegazigen Gitarren machen, sondern diese zum Alleinstellungsmerkmal stilisieren und mit einer entsprechend hochwertigen Produktion aufputzen, dass es von der letzten EP „Thesis“ nochmal ein gewaltiger Sprung ist. Noch dazu hat man mit Through Love Records aus Deutschland einen Vertriebspartner für die Platte gefunden, der wie die Faust aufs Auge passt.

Schon die beiden im Vorfeld veröffentlichten Singles „Antidote“ und „Denial And Isolation“ machten eindrucksvoll klar, wohin die Reise geht. Die Band umarmt ihre immer schon vorhandene Eingängigkeit nun ohne Kompromiss, hinterlegt den geschrienen Hauptgesang mit fast schon zu schönen Hooks. Unschlagbar in dieser Hinsicht ist der Song „Echo“, dessen „I am the dream / I am the nightmare“-Refrain sich mittlerweile bei mir eingebrannt hat. Das „Interlude“ mit seinen zärtlich-elektronischen Drums könnte man sich fast schon von Elena Tonra gesungen auf einer Daughter Platte vorstellen – vielleicht auch eine logische Assoziation, wenn man lilla, das Nebenprojekt des Gitarristen, kennt.

Am Ende der EP steht „Prologue“ – Die Einleitung kommt also zum Schluss. Vielleicht ist aber sogar cleveres „Foreshadowing“. Könnte ja sein dass Kála nach „Synthesis“ bereits das nächste Kapitel der Bandgeschichte ins Haus steht. Für das erste Album scheint nun alles angerichtet zu sein, aber das ist ja noch Zukunftsmusik. Fürs Erste freuen wir uns über das starke Combeback.

 


TRACKLIST

01. Antidote
02. Passe
03. Echo
04. Denial And Isolation
05. Interlude
06. Prologue

VÖ: 19.07.2019, via Through Love Records
Vinyl // Digital

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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