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MICHAEL SCHULTE: Teeren und Federn

Ehemaliger YouTuber, The Voice Of Germany-Kandidat und ESC-Teilnehmer 2018: Michael Schulte stöbert auf seinem neusten Studioalbum vorzugsweise in fremden Schubladen und bleibt unter aktuell populären Gleichgesinnten, statt eine Vorreiterrolle einzunehmen. Eingeständnisse, eingängige Hooklines und offensichtlich einprägsame Melodien, werden doppelt und dreifach gemacht. Das können andere besser.

Verkehrt ist das ja alles nicht, schließlich will man als Künstler so viele Leute wie möglich erreichen. Schulte stell das Ergebnis immer in den Dienst des jeweiligen Songs, was dazu führt, dass sie sich sehr ähneln, was Aufbau, Instrumentierung und Struktur anbelangt. Sie sind straff und drängen sich ohne große Umwege einem entgegen. Das Material nimmt sich selten zurück und alles hört sich leider an wie ein einziger Refrain. Ein langer, großer Refrain. „Highs & Lows“ läuft zwar gut und schnell ins Ohr – aber auch genau so schnell wieder raus. Auf Dauer wirkt das Songwriting, welches sich nicht an a-ha und deren ruhmreichen Debütalbum „Hunting High And Low“ orientiert, ziemlich ermüdend. Stattdessen dienen Avicii, Ed Sheeran, Coldplay oder OneRepublic als Referenzen.

Die Höhen und Tiefen, die hier als Inspiration gedient haben sollen, scheinen weder besonders hoch, noch besonders tief gewesen zu sein. Das Leben, ganz und gar keine neue Erkenntnis, verläuft selten wie erhofft. Es bietet Alternativen an, beschreitet abseitige Pfade und führt manchmal auch in gewisse Sackgassen. Auf dem massentauglichen „Highs & Lows“ zeugt nichts von alledem. Die Motivation, bloß nichts verkehrt zu machen, wird nur beim akustischen „Don’t You Let Me Go“ außer Acht gelassen und das kurze Schlusslied „Lows & Highs“ wird gar a cappella intoniert. Zwei höchst willkommene Überraschungen.

Höhen und Tiefen. Oder: Ach und Krach. Besser: Teeren und Federn. Dieses perfekt auf den Punkt produzierte Pop-Mittelmaß kennt man schon zu Genüge, was der sympathische Deutsche hier präsentiert. Schade, dass es so wenig Eigenständiges gibt, über das man berichten könnte. Man würde gern.

Tracklist:
01. Back To The Start
02. Every Little Piece
03. Highs & Lows
04. All I Need
05. Dreaming Out Loud
06. Let It Go
07. Someone
08. Never Let You Down
09. Keep You Close
10. Lighthouse
11. My Love
12. The Love You Left Behind
13. Don’t You Let Me Go
14. Lows & Highs

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Fotos: Sandra Ludewig

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