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SBÄM Fest: Tag 1 der letzten Fall Edition

Nostalgie und Feierlaune – mit Kapazundern wie The Bouncing Souls, No Fun At All, und vielen mehr wurde am Freitag in Wels auf den Putz gehauen.

Die zweitägige Fall Edition des SBÄM Fest im Schlachthof Wels lockte vergangenes Wochende wieder knapp 600 Punk-Fans an. Wir waren am Freitag mit Kamera vor Ort um ein paar Eindrücke für euch festzuhalten. Mit The Bouncing Souls, den Skatepunk Legenden No Fun At All, Death By Stereo und einer nostalgischen Reunion Show der seit 10 Jahren inaktiven Band Rentokill hat das Team um Stefan Beham auch heuer wieder ein ziemlich ansprechendes Line-Up für das herbstliche Punkfest hingestellt. Bitter: Für den Samstag mussten mit Raised Fist und Guttermouth zwei Headliner kurzfristig absagen. Wir konnten dieses Mal leider nur einen Abend vor Ort sein, mussten uns dafür aber nicht wegen dieser Absagen in den Hintern beißen, auch wenn mit Igel vs Shark, Snuff und Heathcliff noch sehr ordentlicher Ersatz besorgt wurde.

Fotograf von Dienst Christoph war schon etwas früher vor Ort als ich und konnte bereits bei den Attergauer Folkpunkern Wham Bam Bodyslam und den deutschen Melodycore-Urgesteinen Not Available den Auslöser betätigen, für mich begann der Abend dann bei The Dirty Nil so richtig. Das Power-Trio aus Kanada ist gerade mit The Bouncing Souls und Death By Stereo auf Tour und setzte ein ziemlich starkes Ausrufezeichen. Mit Kaugummi im Mund und überbordender Spielfreude bewaffnet trugen sie ihre Mischung aus Punk und Hard Rock vor. Wie das mittlerweile am SBÄM Fest schon öfter zu beobachten war, sind die paar Bands, die aus dem dominierend Feld an Skatepunk-Bands hervorstechen aber oft jene, wo beim Publikum nicht gleich der Funke überspringt. Das liegt mit Sicherheit aber auch am gedrosselten Tempo – ein Circlepit kommt erst ab 150 bpm so richtig in Schwung. Dennoch war das ein richtiger starker Auftritt.

Bei Death By Stereo löste sich die sprichwörtliche angezogene Handbremse dann aber ab Sekunde eins. Die Orange County Hardcore Band versteht es, ein Publikum in Ekstase zu versetzen, so motiviert wie sie da losbrettern, angetrieben von einem wild gestikulierenden Efrem Schulz und Gitarrist Jim Miner, der mit sich mit einem lächerlich großen Zwirbelschnurbart nur so durch die Gitarrensoli shreddet. Das Geriss um das Mikro in den vorderen Reihen war groß und die „Woah Oh“-Chöre aus dem Publikum voll präsent. Das hat ja mal richtig Bock gemacht!

Danach gabs einen Anlass zur Nostalgie für alle KennerInnen der österreichischen Punkszene der 00er Jahre. „Wer bucht bitte eine Band, die es seit 10 Jahren nicht mehr gibt?, fragte sich Rentokill Sänger Rüffi. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass die letzte Dekade nicht ganz spurlos an der Band vorübergegangen sind – aber alleine der Anblick diese prägende Band wieder vereint auf einer Bühne zu sehen war schon Anlass genug zur Freude. Wie sich das für alternde Punks so gehört, gab es neben Hits wie „Step Over The Wall“ oder „Primetime Killers“ auch eine standesgemäße Country Nummer mit Akustikgitarre zu hören. Tipp: Am 15. November gibt es die Band auch noch mal in der Arena Wien zu hören. Es wird wahrscheinlich wieder der letzte Auftritt für lange Zeit.

Die „alten Schweden“ No Fun At All gehörten letztes Jahr für uns zu den ganz großen Highlights beim SBÄM Fest #2. Offenbar dürfte es auch der Band ziemlich in Wels bzw. in der Obhut von SBÄM gefallen haben. So wurde das Album Lowrider in einer Jubiläumsedition bei SBÄM Records neu aufgelegt und eben ein erneuter Besuch im Schlachthof vereinbart. Ganz gelang es den ergrauten Skatepunks nicht die Stimmung vom Vorjahr zu reproduzieren, aber auch dieses Mal war es ein mehr als solides Konzert. Seltsamstes Bild des Abends: Eine Dame aus dem Publikum, die die Bühne nicht um zu crowdsurfen erklomm, sondern scheinbar um möglichst oft und lange vor Sänger Ingemar herumzutanzen – whatever…

Seit drei Dekaden sind The Bouncing Souls mittlerweiler ein wichtiger und fester Bestandteil der US-Punkszene. Die „Feel-Good-Truppe“ aus New Jersey bat zum Pogo und das SBÄM Fest folgte diesem Aufruf mit Freude. Die Stimmung war ausgelassen, die Band um Sänger Greg Attonito wirkte, als würden sie sich überaus wohl fühlen und bei Songs wie „Lean On Sheela“, „Manthem“ und natürlich „True Believers“ wurde es nochmal richtig laut im Saal (und auch voll auf der Bühne). Es war schön diese Herren mal wieder auf einer Bühne in Österreich sehen zu dürfen und ein überaus gelungener Abschluss für Tag 1 des „Final Chapter“.

Fotos: Christoph Thorwartl

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Schreibt Albumrezensionen, Konzertberichte und führt gerne Interviews - transkribieren tut er diese aber weniger gern. Immer wieder auch für Blödsinnigkeiten abseits seines Kerngebiets "Musik" zu haben. Hosted einmal monatlich die Sendung "Subtext on Air" auf Radio FRO, ist bei mehreren Kulturinitiativen und in einer Band aktiv.

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