Can’t control it: HHANOI über musikalischen Kontrollverlust

Rock-basierte Singer/Songwriter gibt es, seien wir mal ehrlich, wie Sand am Meer. Der Tiroler Musiker Hans Hauser alias hhanoi hat dennoch eine Nische für sich gefunden, wenn auch speziell innerhalb der österreichischen Musikszene. Wie immer, wenn Männer zur Gitarre greifen, kommen die meisten mit Bob Dylan oder Nick Drake, doch es geht hier noch weiter, wenn selbst Schriftsteller wie Edgar Allen Poe und Paul L. Dunbar als Inspiration dienen.

© M. Reisigl

Manche Alben kündigen sich mit großem Tamtam, mit monatelangen Marketing-Strategien und Teasern schon einige Wochen vor dem Erscheinen an. Doch es geht auch anders, wie „Can’t Control It“ von hhanoi zur Schau stellt. Hier ist etwas Erfrischendes zu hören, mit Leidenschaft gesungen und vorgetragen, meist akustisch begleitet. Lieder, die einen mit offenen Armen empfangen, ohne sich groß anzumelden und ohne aufdringlich zu werden.

Dabei führt uns hhanoi an der Nase herum. Auf seinem vierten Album legt der Tiroler seine Singer/Songwriter-Musik andauernd anders an. Mal ist es eine willkommene Widerborstigkeit, die aufscheint, mal eine gelassene Geschmeidigkeit, auf die sich „Can’t Control It“ fokussiert. Man wird häufig angetriggert, weil sich diese Platte wie eine eine klug zusammengestellte Compilation aus Nirvana, Elliot Smith, Pearl Jam oder Nick Drake anfühlt, stets glaubhaft und aufrichtig vorgetragen, um in nächsten Moment mit eigenständigem Charakter an einen heranzutreten, je nach Nuance.

hhanoi aut Tour in Österreich
19.02.2020 – Die Scherbe (Graz, AT)
20.02.2020 – Cafe 7*Stern (Wien, AT)
21.02.2020 – zone11 (Hallein, AT)
28.02.2020 – Alte Gerberei (St. Johann i.T.)
05.03.2020 – Tirol am Beat (ORF Radio Tirol, AT)
13.03.2020 – Treibhaus (Innsbruck, AT)

„Can’t Control It“ atmet eindeutig Seattle-Atmosphäre, wie sie mit Anfang bis Mitte der 90er als Grunge-Welle auch hierzulande überschwappte. Das ist angenehm untrendy. Das Album treibt Hauser an, sein Herz richtig auszuschütten, unmittelbar und lauthals, aber auch versöhnlich und intim. Fontänengleich sprudelt es manchmal aus dem Sänger heraus, was einen am meisten begeistert. Die Euphorie, die der mitreißende Opener „Conceding“ entfacht, brennt im Verlauf der Platte leider auf ein normales Maß herunter. Dennoch versöhnen Songs wie „A-List“ und vor allem das erneut stürmisch vorgetragene „Better Than We Are“ erneut.

© M. Reisigl

Man kann, ja man muss sich hier hineinwerfen ohne viel zu analysieren, in diese beherzten Songs, so wie es hhanoi mit seiner Stimme macht. Das ist keineswegs neu, aber mit Persönlichkeit vorgetragen. Songs, die man ruhigen Gewissens häufig hören kann. Diesen Kontrollverlust nimmt man gern in Kauf.

Tracklist:
01. Conceding
02. Lost Cause
03. Patiently
04. Tonight
05. Poem
06. I Want Something New
07. A Dream
08. Better Than We Are
09. Berlin
10. Winter
11. Eulogy

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Fotos: M. Reisigl

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