Ein Wohnzimmerkonzert im Schlot: es tut sich was im Franckviertel

Eine Konzertlocation, die manchmal vergessen und mit Sicherheit zu Unrecht unter dem Radar läuft, steht im Linzer Franckviertel: das Schlot. Ein offener Kulturverein und Atelier, der seine heiligen alten Fabrikshallen manchmal auch für Fans handgemachter Musik öffnet. So auch am vergangenen Donnerstag, als mit Picobello und Another Vision zwei Bands gastierten, die sehr gut in den intimen Rahmen des Schlots passten. 

Eine alte Fabrikshalle, ein paar Couchen, Fouteils und eine Bar auf (!) der Bühne: so gemütlich kann eine Konzertlocation sein. Wenn dann auch die Musik passt, dann steht einem gemütlichen Konzertabend nichts mehr im Wege. Eins vorweg: sie passte. Mit Picobello steht eine Band zuerst auf der Bühne, wo man sich spätestens nach dem Konzert mehr als einmal fragt, warum man ihnen nicht schon vorher Gehör geschenkt hatte. „Gitarren-Pop aus Wien“ – mit einer gehörigen Prise Humor über öffentliche Verkehrsmittel und damit verbundene U-Bahn-Mädchen. Klingt ein bisserl nach Kommando Elefant – für all jene, die sich an der wieder aktiven Wiener Band erfreuen können, sind Picobello mehr als nur einen Abstecher wert. Kleiner Spoiler: im Sommer vielleicht wieder in einem gemütlichen Ambiente in Linz zu sehen!

In eine andere musikalische Kerbe schlagen Another Vision. Das Trio hat seine liebe Freude an Synthesizern, besteht bereits seit 2015 und hat mit „Off The Leash“ gerade ein neues Album – pun intended – von der Leine gelassen. Ein bisserl 80er, transportiert über die 90er und 2000er: Wurzeln und Favourites in bekannten Indie-Gewässern wollen und können Another Vision nicht verstecken. Ein Sound, der wie für größere Bühnen gemacht scheint. Ein bisschen Ballade gibts auch („Trumpets“), was den Facettenreichtum nur noch unterstreicht. Eine Band, die das Schicksal vieler ereilen könnte: musikalisch gut, nur einem viel zu kleinen Hörerkreis bekannt. Das sollte sich schleunigst ändern!

Fotos: Christoph Thorwartl

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geschrieben von

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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