The Devil’s Rejects: gut angezogen in den Untergang

„Mötorhead on Crack“ – so bezeichnen sich The Devil’s Rejects auf ihrer Facebook-Page selbst. Die Protagonisten der Linzer Punkrocker sind in der Szene bei Weitem keine Unbekannten mehr – auch kein Wunder, gibts die Herren ja auch schon ein Zeiterl. „Get Well Dressed For Doomsday“ heißt die neue Platte, die gemeinsam mit Boogie Hammer und Vacunt am vergangenen Freitag in der Linzer KAPU präsentiert wurde. Ein Name, der, wie sich herausstellen sollte, mehr als nur Programm war. 

Zuallererst müssen wir an dieser Stelle mal ein Lob an Porn To Hula-Frontmann und KAPU-Institution Phil Sicko aussprechen, der an diesem Abend hinter dem Mischpult Platz genommen hatte: so gut hat in der KAPU live echt noch kein Konzert geklungen. Chapeau! Doch auch musikalisch hatte der Freitag Einiges zu bieten.

Etwa die Wiener Dampfwalze von Boogie Hammer, die den Abend eröffnen durfte. „Speed Boogie“ macht der Vierer – und das macht verdammt Spaß. Ein bisserl Rockabilly, ein bisserl Punk, dazu eine Attitüde, die das Wort „Slow“ aus ihrem Vokabular gestrichen haben. Bist du deppert, gehen die Herren live ab. Am 21.2. wurde die neue Platte „Danger“ in der Wiener Arena präsentiert. Die Gefahr, süchtig nach Boogie Hammer-Liveshows zu werden, ist definitiv höher als die des Coronavirus.

Danach: eine echte KAPU-Institution auf der Bühne – und kaum zu glauben: für uns war es in dieser Location das erste Mal. Die beste Band aus dem Umfeld des SKV, wie wir meinen. Auch 19 (!!!) Jahre nach Bandgründung hat die Combo rund um Frontrampensau Brucki nichts an Livetauglichkeit eingebüßt. „Oldschool“ könnte man das nennen, was Vacunt machen. Oldschool, im besten aller Sinne. Auch 2020 scheißen sie noch immer auf die „Fakes“, von denen es allzuviele gibt. Auch Rejects-Frontmann Grü wird auf die Bühne gebeten, und endlich wird mal den echten KAPU-Legende gedacht: den Leuten, die die KAPU schmeißen und in sie gehen, und nicht Herr Cobain, der da schon gespielt hat. Wir wünschen uns noch viele weitere Jahre Vacunt!

„Get Well Dressed For Doomsday“ heißt die neue Platte, mit der The Devil’s Rejects momentan unterwegs sind. Gut angezogen in den Untergang, könnte man frei übersetzt sagen. Nunja, was soll man sagen: KAPU voll, Publikum auch voll, Band nicht ganz, aber zumindest ein bisserl voll – kurzum: Abriss. Haben wir auch schon lange nicht mehr erlebt, dass ein Livegig, der erst um knapp vor 2 Uhr endete, bis zum Schluss so gut gefüllt war. Dass das neue Album komplett durchgespielt wurde, macht den Gig nur noch sympathischer. Die Inhalte, die die Herren Rejects vertreten, unterschreiben wir sowieso. Skate, Nonkonformität, dazu Punkrock und eine Stimme von Frontsau Grü, die wir auch am Montag immer noch im Kopf haben. Genauso im Kopf wie den Brummschädel vom Freitag. Sollten wir untergehen, dann mit einer The Devil’s Rejects-Platte im Arm. So muss ein Freitagskonzert aussehen!

Fotos: Andreas Wörister, Christoph Thorwartl

 

 

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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