pauT: Ein psychedelischer Erdbeer-Pizza-Trip mit Katze

Eine der wohl ungewöhnlichsten Platten des Jahres erschien am vergangenen Freitag in Wien. pauTs Drittling „welTraumkaTzen“ ist eine Platte, auf die man sich einlassen muss. Eine Platte, wie sie wohl nur in Wien entstehen kann – zwischen Strawberry Fields, nächtlichen Essenskämpfen mit Katzen und Space Invaders könnte man dieses Werk ansiedeln. Ein psychadelischer Schlager-Trip.

Eins vorweg: ich bin allergisch auf Katzen. Also nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine Platte, die sich „welTraumkaTzen“ nennt. pauT ist ein Artist, den man wohl (zu Unrecht, wie wir meinen) weniger wegen seines eigenen Schaffens, sondern aufgrund seines Daseins als Bassist einiger namhafter heimischer Acts wie Clara Luzia und Der Nino aus Wien kennt. Zumindest sein Outfit im Kapitänsoutfit samt markanter Mütze sollte für ein „Aha“ sorgen. Doch pauT hat auch Soloplatten mit seiner Band „The greaT Kellys“ am Start – eine der schrägsten, die wir heuer zu hören bekamen, ist am vergangenen Freitag erschienen und hätte eigentlich im Wiener Chelsea präsentiert werden sollen. Coronabedingt dann halt auf Youtube – aber auf Platte kann man sich das Werk ja trotzdem zu Gemüte führen.

Was während der nächsten guten halben Stunde folgt, ist ein psychedelischer Weltraum-Trip mit Ausflügen in Schlager und Wiener Humor. Klingt schräg? Ist es auch. Das wird beim Opener „welTraumkaTzen“ bereits deutlich, wo „Sonnenbrillen im Rhythmus der Nacht“ schmelzen. Unweigerlich fühlt man sich hier ein halbes Jahrhundert in die Vergangenheit zurückversetzt – das scheint aber auch Absicht hinter der Platte gewesen zu sein. Danach folgt der Aufbruch zu den Sternen – oder, genauer gesagt, „erdbeersTerne“. Der selbsternannte „Jimi Hendrix des Schlagers“ lädt hier auf einen kosmischen Trip zu den Strawberry Fields ein. Was die Herren aus Liverpool wohl dazu sagen würden? Sie würden wahrscheinlich ebenso lachen wie wir, wenn es „heim in die Sowietunion“ geht. Nach einem kurzen Date mit einem „mooncherry“ ist es dann auch Zeit für die wohlverdiente Stärkung mitten in der Nacht. Der Nino aus Wien hat sich auch eingefunden, und ganz leugnen kann pauT seine anderen musikalischen Standbeine hier auch nicht. Macht aber auch nix – so ein Weltraumtrip macht halt hungrig und führt halt zu mehr oder weniger tiefgründigen Gesprächen. Einen Gusto auf ein Käsebrot oder eine Mond-Margherita hat man dann aber auf jeden Fall. Danach gibts mit „johnny & the moondogs“ eine weitere textliche und auch musikalische Hommage an eine durchaus bekannte Formation aus Liverpool (bzw. deren Vorgänger). Ein gewisses Faible für Erdbeeren sollte in der kulinarischen Vorliebe von pauT vorhanden sein – „wo die sTerne Erdbeeren sind“ samt Gastspiel von Ankathie Koi (die ist ja auch „abgespaced“) zeugt davon. Über „moonlighT mysTery“ und „und sie drehT sich doch“ (die pauT’sche Version eines Lovesongs) gehts dann zur Single-Auskopplung der Platte: „das kosmische genie“. Eine Pop-Nummer der absurd-guten Sorte, wo man spätestens am Schluss dieses Schachtelsatz-Tracks das Genie in sein Herz geschlossen hat.

Mit „gibT’s ein leben nach dem leben auf dem mars“ wird nach dem Mond auch noch das nächste Ziel der interstellaren Reise ins Auge gefasst. Eine psychedelische Platte mit einigen Hommagen an die 60er und 70er, wo man nicht nur einmal kopfschüttelnd-schmunzelnd während des Zuhörens dasitzt. Eine Platte, die man sich am besten nicht nüchtern anhören sollte – wo man aber gut unterhalten wird. Ein Spacetrip zwischen Käsepizza, Erdbeeren und Katzen – haben wir so auch noch nie gehört. Thumbs up!

pauT
welTraumkatzen
VÖ: 24.04.2020, Problembär Records
Digital, als CD und LP auf allen gängigen Plattformen erhältlich
www.problembaerrecords.at

Weitere Infos: 

Titelfoto: © Carina Antl

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geschrieben von

Musikliebhaber. Vinyl-Nerd. Konzertfotograf. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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