Pack schlägt sich, Pack verträgt sich: BLACKMAIL entstauben die Vergangenheit

Das Feuer ist wieder entfacht, der rote Teppich im übertragenen Sinne ausgerollt und der Staub neuerlich aufgewirbelt: Blackmail, die Urheber dessen, was im deutschsprachigen Raum gut und gerne als Indierock und Alternative bezeichnet wird, besinnen sich zurück auf die Höhepunkte ihrer Karriere. Eine längst überfällige Werkschau nach sechzehn turbulenten Jahren, die trotz Doppel-CD respektive Doppel-LP durchaus länger hätte ausfallen können.

Es wurde aber auch wirklich Zeit. Blackmail gehören zu der Sorte idealistischer Musiker, die sich durch jahrelange Bühnenpräsenz eine loyale Fanbasis erspielt haben. Vertrauen ist ein hohes Gut und die Formation aus Koblenz hat nicht nur in dieser Hinsicht Vorbildcharakter. Es ist vor allem die Phase zwischen 2001 und 2008, die als Blütezeit betrachtet werden kann und bei Fans und Kritikern nach wie vor Hoch im Kurs steht. In Blackmail brodelt es nach der Jahrtausendwende gewaltig. Die Tracks, die auf dieser Best Of enthalten sind, können dies nicht verbergen, was positiv zu werten ist. Nicht jeder Musiker schafft es, mit seinen Songs in eine bestimmte Zeit zu passen, ihr einen Stempel aufzudrücken. Blackmail haben dieses Vorhaben immer wieder geschafft. Nach sieben Jahren der Stille und acht regulären Studioalben ist es an der Zeit, den Dunst der eigenen Historie verschwinden zu lassen.

Nach der unschönen Trennung von Sänger Aydo Abay Ende 2008, gab es mit „Anima Now!“ (2011) und dem darauffolgenden „II“ von 2013 einen Reboot. Blackmail wirkten mit Neuzugang Matthias Reetz am Mikro zwar motiviert und voller Tatendrang, im Nachhinein betrachtet konnte der neue Sänger die Lücke nicht vollkommen ausfüllen, die durch den Weggang von Abay hinterlassen wurde. Sieben Jahre Funkstille verfestigen heute diesen Eindruck. Nun versammelt „1997 – 2013 (Best Of & Rare Tracks)“ gerade mal dreizehn reguläre Songs — da wäre definitiv mehr drin gewesen. Die zweite Disc mit B-Seiten, Coverversionen („Mad World“) und Raritäten dürfte für Sammler und Komplettisten einen spannenden Kaufanreiz darstellen. Zusätzlich gibt es die kultigen Alben „Bliss, Please“ und „Friend Or Foe?“ in einer remasterten Vinyl-Neuauflage.

Das Material und die Auswahl ist hingegen über jede Kritik erhaben. Der Hitdichte dieser Best Of-Zusammenstellung kann man sich kaum entziehen. Kurt Ebelhäuser spielt die treibendsten Gitarrenlicks, die man sich vorstellen kann. Carlos Ebelhäuser sorgt für Groove-Momenten voller Stahlkraft und Mario Matthias für den passenden Drive an den Drums. Der Sound, melodischer („Same Sane“) oder trockener produziert („Evon“), ist überhaupt besonders dicht und druckvoll arrangiert, dass er über die Jahre Hinweg zu einem Trademark avanciert ist. Noisiger Rock, der mit poppigen Melodien kontrastiert wird unter einer Patina aus Indie und Alternative, durchzogen von eingekesselten Emotionen, flott eingedroschen („It Could Be Yours“, infektiös vorgetragen („Moonpigs“) oder episch ausufernd („It’s Always A Fuse To Live At Full Blast“). Die Atmosphäre, die bleibt erdrückend.

Blackmail

Wann immer es geht, nehmen Blackmail die Abzweigung Richtung Pop und in Gefilde, die ohne Mühe ins Ohr gehen. Nicht vergessen darf man auf Aydo Abay, dessen scheinbar phlegmatisch und unbeteiligt wirkender Gesangsstil erst Blackmail zu dem macht und gemacht hat, für was sie heute stehen. Seinem Cover entsprechend verdreht diese Zusammenstellung seinen Hörern gewaltig den Kopf. Freund oder Feind? Diese Frage wurde schon vor Jahren eindeutig und ohne jeden Zweifel beantwortet.

Tracklist:
01. When I Start Today
02. Gone Too Soon Too Far
03. Ken I Die
04. Same Sane
05. Airdrop
06. It Could Be Yours
07. Moonpigs
08. Everyone Safe
09. (Feel It) Day By Day
10. It’s Always A Fuse To Live At Full Blast
11. Deborah
12. Nightschool
12. Impact

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Fotos: Blackmail

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