Cari Cari: zurück aus dem Konzertabgrund

Bands, die mit neuen Alben durch die Welt touren, sind derzeit ebenso selten wie warme Eislutscher. Open-Airs, die das Prädikat „gemütlich“ verdienen, ebenso. Dass die Mezzanine-Club-„Sommerfrische“ ein erfreulicher Farbklecks in diesem tristen Musiksommer ist, ebenso. Vergangenen Samstagabend brachten Cari Cari zwar ohne neue Platte, dafür mit viel Elan etwas „Summer Sun“ in das verregnete Mühlviertel. 

Zuallererst: liebe ZAMG, liebe Veranstalter, ihr habt da schon ein bisschen danebengegriffen. „Ab 20 Uhr regnet es nicht mehr“, haben sie gesagt. „Einem trockenen Konzertabend steht nichts mehr im Wege!“, haben sie gesagt. Dem war nicht so, war das Wetter an diesem Samstagabend mit „nasskalt“ doch noch schmeichelhaft umschrieben. Macht ja nix, der Regenjacke war eh schon fad im Kleiderkasten.

Support an diesem Abend kam aus der Rubrik „Local Heroes“, heißt „Cordoba“, ist aber kein Fußballteam und auch nicht die neue Band von Johann K. alias Hans Krankl. Die drei Herren kennt man im Mühlviertel noch aus der vergangenen Band „Northkind“, mit „Cordoba“ erklimmen sie neue, in Österreich hinlänglich bekannte Pfade unter dem Titel „Austrorock“. Neben Werken ihrer Debut-EP „Kane Wunder“ (hier am stärksten: „Held der Arbeit“ sowie der Titeltrack) samt Ode an die Stadt Liverpool werden auch die prominentesten Vertreter des Genres gecovert, von Falco über Georg Danzer bis zum Ostbahn Kurti. Bei den Fans der ersten Reihen kommt das dann auch durchaus gut an, der musikalische Break zum Headliner war dann aber doch ein großer.

Denn Cari Cari sind eine Band, wie es sie zumindest in Österreich kein zweites Mal gibt. Alex Köck und Stephanie Widmer, live zu einem Trio zusammengefasst, stehen nämlich spätestens seit dem Album „Anaana“ für den wohl unverwechselbarsten Sound des Landes. Dass ihre Musik, wie sie selber öfters betonen, „Dear Mr. Tarantino“ durchaus gefallen würde, haben wir an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben. Doch Songs wie „Summer Sun“, „Nothing’s Older Than Yesterday“ und der FM4-Dauerbrenner „Mapache“ funktionieren live auch in einer nassen Wiese hervorragend und lassen die Sehnsucht nach dem nächsten Tarantino-Filmmarathon steigen. Daneben sind Cari Cari auch sichtlich selbst froh, endlich wieder auf einer Bühne stehen zu können, Anekdoten über das (ehrwürdige!) Wiener Konzerthaus und Ring-Duelle gegen die Mighty Oaks inklusive. Ein wunderbares Konzert einer Band, deren nächste Platte wir mehr als sehnlich erwarten, dann gerne bitte wieder mit Moshpit zu Mariachi-Klängen!

Fotos: © Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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