le_mol in der KAPU: mit Post-Rock in die Sommerpause

Zum Abschluss der Post-Corona-Wir-Tun-Wieder-Was-Konzerte in der Linzer KAPU gab es am vergangenen Freitag ein Konzert eines mittlerweile in Wien beheimateten Zwei-Mann-Orchesters zu belauschen, dem wir schon länger das Attribut „Geheimtipp, der eigentlich längst schon keiner mehr sein sollte“ zuschreiben: le_mol. Das Duo samt Loopstation hat mit „White Noise Everywhere“ im April ihr drittes Werk veröffentlicht, das sich nahtlos in die Discografie einer Band einordnet, die man nicht nur als Postrock-Fan auf dem Radar haben sollte. 

Zuallererst das Kleingedruckte: das mit Maske, Abstand und Sitzen haben die Konzertenthusiasten mittlerweile verstanden. Dass es wiederum von der KAPU Schnaps gab, ist ein nettes Gimmick, um den Abend zu versüßen. Denn musikalisch haben die gut 20 Leute, die heutzutage eh quasi ausverkaufte Hütte bedeuten, sowieso alles richtig gemacht an diesem Freitagabend. Immer wieder ist es erstaunlich für uns, dass zwei Leute mit Gitarre, Drums und einer Loopsation derartige Klangwälle durch den Konzertsaal drücken, wie es le_mol tun. Nach „Kara Oh Kee“ und „Heads Heads Heads“ ist mitten in der Corona-Pandemie mit „White Noise Everywhere“ der Drittling veröffentlicht worden – die dazugehörige Tour muss man leider unter „vom Virus dahingerafft“ verbuchen. Dabei sind le_mol eine der Bands, die vor allem live für staunendes Publikum sorgen, auch wenns zu Beginn mal technisch nicht so geklappt hat. Klanglich treffen le_mol den richtigen Ton für jeden Post-Rock-Fan, und wenn die „poppigste“ Nummer mal sechseinhalb Minuten dauert, dann hat eine Band sowieso einen speziellen Platz im Musikherz dieses Redakteurs gefunden. Aber nicht nur die Nummer „Hands“ funktioniert live hervorragend, auch die alten Tracks überzeugen weiterhin – unser Favorit, wenn wir uns nicht verhört haben, war dann aber doch „Chameleon“ . Eine Stunde feinste Unterhaltung für alle Postrock- und Noise-Enthusiasten und all diejenigen, die es noch werden wollen. Nebenbei bemerkt dürften sie auch gagentechnisch in der KAPU besser als bei Spotify abgeschnitten haben – denn gute 70 Euro kommen auch bei dieser Besucherzahl herein. Also: wenn geht, auch unter geänderten Umständen Liveshows besuchen, die Artists werden es danken. Und ohne Artists würde es auch nach der Pandemie fad auf der Bühne, oder?

Fotos: Christoph Leeb

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geschrieben von

Musik-Nerd mit Faible für Post-Ehalles. Vinyl-Sammler. Konzertfotograf mit Leidenschaft. Biertrinker. Eishockeyfan. "Systemerhaltende" Krankenschwester - wohl auch deshalb manchmal (zu) zynisch.

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